„Unorganisierte“ Neonaziszene in der Eifel: Gerolsteiner Bombenfund brisanter Sprengstoff für die Eifel

(Trier/Gerolstein/Euskirchen) Im Gedenken an den zehn Jahre zurückliegenden Terroranschlag von Köln stimmt das Wissen um eine Nagelbombe in Händen eines möglichen Rechtsextremisten aus Gerolstein nachdenklich: Auch in der Eifel gibt es organisierte Neonazis. Ob der Gerolsteiner Kontakt zu solchen rechten Organisationen hatte, ist jedoch offen.

Beamte des Zollfahndungsamtes Frankfurt haben in der Gerolsteiner Wohnung einen Sprengkörper gefunden, der mit Nägeln bestückt war
Be­am­te des Zoll­fahn­dungs­am­tes Frank­furt haben in der Ge­rol­stei­ner Woh­nung eines bekannten Neonazis einen Spreng­kör­per ge­fun­den, der mit Nä­geln be­stückt war.

Die Eifel der Vulkane, Maare und Mineralwasserquellen hat sich in Romanen zwar längst als kriminelles Epizentrum etabliert. Aber dass in Gerolstein eine zur Sprengung bereite Nagelbombe mit elektrischem Zündkabel und allem Drum und Dran in der Wohnung eines 33-jährigen Drogendealers gefunden wurde, sorgt dann doch für großes Staunen. Zumal nicht ausgeschlossen ist, dass der Mann die Bombe für einen rechtsextremistischen Anschlag nutzen wollte. Laut Polizei war der Gerolsteiner bereits durch fremdenfeindliche Gewalttaten aufgefallen.

„Das ist alles sehr bedenklich“, sagt Stadtbürgermeister Bernd May, den die Nachricht völlig überrascht. Von rechtsextremen Aktivitäten in Gerolstein sei ihm nichts bekannt gewesen. Auch die Kreisverwaltung und Kommunalpolitiker wie Uwe Schneider (SPD) wissen nichts von Neonazis in der Vulkaneifel. Dabei gibt es die durchaus.

Demonstration der NPD Trier am 14. September 2013 - Kameradschaft Eifler Land (KEL)  - Mitglieder kommen aus Mahlberg/Bad Münstereifel, Jünkerath, Feusbach, Mechernich, Dahlem ...  - Bild zeigt EX-FNE Mitglied Christoph S. aus Jünkerath/RLP
De­mons­tra­ti­on der NPD Trier am 14. Sep­tem­ber 2013 – Ka­me­rad­schaft Eif­ler Land (KEL) – Die Mit­glie­der kom­men aus Mahl­berg/Bad Müns­te­rei­fel, Jün­ke­rath, Feus­bach, Me­cher­nich, Dah­lem … – Bild zeigt EX-​FNE Mit­glied Chris­toph S. aus Jün­ke­rath/RLP – Bild­quel­le: An­ti­fa­schis­ti­sches In­fo­bü­ro Rhein-​Main

Ende 2013 hatten drei glatzköpfige junge Männer mit Schlagstöcken in der Innenstadt von Euskirchen „Jagd auf Ausländer gemacht“. Zwei von ihnen kamen aus dem Raum Gerolstein. Nicht nur wegen der Bomberjacken und eines Hakenkreuzgürtels gab es damals keine Zweifel daran, dass es sich bei den 22 und 25 Jahre alten Männern um Rechtsextreme handelte.

Auch Nicola Rosendahl vom Beratungsnetzwerk gegen Rechtsextremismus Trier-Eifel weiß von Eifeler Neonazis. Bei einer von der Trierer NPD organisierten Demonstration trat am 14. September 2013 erstmals eine neue Gruppe aus der Eifel in Erscheinung: Die „Kameradschaft Eifler Land“. Laut Antifa kamen die Mitglieder unter anderem aus Jünkerath, Mechernich und Dahlem. Allerdings sei diese neue Gruppe nach der Demo wenig in Erscheinung getreten, sagt Nicola Rosendahl. Ihr schien der Zusammenschluss daher ein „gescheiterter Versuch“ zu sein.

Inwieweit der 33-jährige Gerolsteiner Kontakt zu rechtsextremen Gruppierungen wie diesen hatte, ist noch offen. Ebenso wie die Frage nach dem Ursprung der Bombe. Der 33-Jährige hat sie – wie er der Polizei sagte – als Gegenleistung für eine Lieferung Drogen erhalten. „Wir wissen nicht, wer sie gebastelt hat und wo sie herkommt“, sagt Karl-Peter Jochem, Pressesprecher des Trierer Polizeipräsidiums. Die Polizei bittet um Hinweise.
Wegen ihrer Gefährlichkeit wurde die Bombe zwischenzeitlich kontrolliert gesprengt.

Jahrestag des Kölner Anschlags

Während in Gerolstein eine Bombe entdeckt wird, jährt sich in Köln das Nagelbomben-Attentat zum zehnten Mal: 22 Menschen waren am 9. Juni 2004 in der Kölner Keupstraße, dem Zentrum des türkischen Geschäftslebens, verletzt worden, als eine mit zehn Zentimeter langen Tischlernägeln gefüllte Gasflasche explodierte. Später wurde klar: Der Nationalsozialistische Untergrund war verantwortlich.

Quelle: Volksfreund, 18. Juni 2014=> http://www.volksfreund.de/nachrichten/region/gerolstein/aktuell/Heute-in-der-Gerolsteiner-Zeitung-Rechtsextremismus-Gerolsteiner-Bombenfund-brisanter-Sprengstoff-fuer-die-Eifel;art8068,3912889

Prozess in Euskirchen – Mutmaßliche Neonazis angeklagt

EUSKIRCHEN/BONN. 
Einen ausländerfeindlichen Hintergrund hatte offenbar eine Schlägerei bei „Nightgroove“ in Euskirchen. Wie Staatsanwältin Monika Volkhausen mitteilte, sind jetzt drei junge Männer wegen gefährlicher Körperverletzung und dem Verbreiten von Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen angeklagt.

Demonstration der NPD Trier am 14. September 2013 - Kameradschaft Eifler Land (KEL)  - Mitglieder kommen aus Mahlberg/Bad Münstereifel, Jünkerath, Feusbach, Mechernich, Dahlem ...  - Bild zeigt EX-FNE Mitglied Christoph S. aus Jünkerath/RLP
De­mons­tra­ti­on der NPD Trier am 14. Sep­tem­ber 2013 – Ka­me­rad­schaft Eif­ler Land (KEL) – Die Mit­glie­der kom­men aus Mahl­berg/Bad Müns­te­rei­fel, Jün­ke­rath, Feus­bach, Me­cher­nich, Dah­lem … – Bild zeigt EX-​FNE Mit­glied Chris­toph S. aus Jün­ke­rath/RLP – Bild­quel­le: An­ti­fa­schis­ti­sches In­fo­bü­ro Rhein-​Main http://​www.​infobuero.​org/​

Die aus Bad Münstereifel und Rheinland-Pfalz stammenden Angeklagten scheinen der rechtsextremen Szene anzugehören. Auf dem Musikfest im November 2013 sollen sie durch mehrere Angriffe aufgefallen und mit einer Gruppe Jugendlicher türkischer Herkunft aneinandergeraten sein.

Laut Anklage beleidigte ein 24 Jahre alter Beschuldigter die Kontrahenten verbal. Kurz darauf kam es zur Schlägerei. Dabei trug ein 26-Jähriger Handschuhe mit Sandeinlage, so die Staatsanwältin. Einem 21-Jährigen, der einen Gürtel mit Hakenkreuzemblem getragen haben soll, wird vorgeworfen, mit einem Schlagstock agiert zu haben. Zudem soll aus der Gruppe „Heil Hitler“ gerufen worden sein.


Vier Neo­na­zis der ‚Ka­me­rad­schaft Eifl(er) Land‘ auf einer De­mons­tra­ti­on in Kai­sers­lau­tern im ver­gan­ge­nen Sep­tem­ber. Repro: GA

Die Neo­na­zis der KEL: Flo­ri­an N., Chris­toph S., Nico S. und Kevin S.

Drei Verletzte mussten ärztlich behandelt werden. Einer hatte die Schulter ausgekugelt. Zudem trugen die Verletzten Platzwunden und Prellungen davon. Die Polizei nahm die Angeklagten noch in der Tatnacht fest. Den Männern wurden Blutproben entnommen. Die Auswertung ergab, dass alle drei mehr als ein Promille Alkohol im Blut hatten.

Anscheinend ist nur der jüngste Angeklagte einschlägig vorbestraft. Der 21-Jährige aus Bad Münstereifel soll sich noch nicht zu den Vorwürfen geäußert haben. Die beiden Mitangeklagten sollen ihre Beteiligung an der Schlägerei zwar eingeräumt haben. Sie behaupten allerdings laut der Staatsanwältin, dass sie angegriffen wurden und sich verteidigen wollten. Der Prozess gegen die drei mutmaßlichen Neonazis soll demnächst vor dem Jugendschöffengericht in Euskirchen stattfinden.

General Anzeiger Bonn (GA Bonn) => http://www.general-anzeiger-bonn.de/region/Mutmassliche-Neonazis-angeklagt-article1443409.html


Weiter führende Quellen:

Im Raum Bonn-Koblenz-Euskirchen – Rechtsextreme weiter aktiv => http://antifaeifel.blogsport.de/2014/03/18/im-raum-bonn-koblenz-euskirchen-rechtsextreme-weiter-aktiv/

Fascho Webseite der Kameradschaft Eifler Land (KEL) eifler-land.com ist geschlossen! => http://antifaeifel.blogsport.de/2014/06/18/fascho-webseite-der-kameradschaft-eifler-land-kel-eifler-land-com-ist-geschlossen/

Neues von den Neonazis der Kameradschaft Eifler Land (KEL) => http://antifaeifel.blogsport.de/2014/04/14/neues-von-der-kameradschaft-eifler-land-kel/

Pressemitteilung: Neue Kameradschaft aus der Eifel – EX-FNE Mitglieder gründen neue Kameradschaft Eifler Land (KEL) => http://antifaeifel.blogsport.de/2013/09/30/pressemitteilung-neue-kameradschaft-aus-der-eifel-ex-fne-mitglieder-gruenden-neue-kameradschaft-eifeler-land-kel/

MBR Köln Kreis Euskirchen => http://antifaeifel.blogsport.de/2014/05/06/kreis-euskirchen/

Neue Rechte haut ab: „Zwischentag“ von Düsseldorf nach Dortmund und jetzt nach Bonn verlegt! Bonn: Kundgebung 9.30 Uhr!

Heute 6. Sep­tem­ber 2014 – 9.​30 Uhr – Kund­ge­bung di­rekt vor dem Haus der Raczeks ( Jo­han­nes-​Hen­ry-​Stra­ße 18, 53113 Bonn)

Die Ver­an­stal­tung der „Neuen Rech­ten“ mit dem Titel ‚Zwi­schen­tag‘ soll nach Ei­gen­an­ga­be mor­gen im Haus der ex­trem rech­ten “Alten Bres­lau­er Bur­schen­schaft der Raczeks zu Bonn” statt­fin­den.

An­ti­fa­schis­tin­nen und An­ti­fa­schis­ten aus Bonn, Düs­sel­dorf und Dort­mund rufen ge­mein­sam mit di­ver­sen wei­te­ren In­itia­ti­ven und Or­ga­ni­sa­tio­nen dazu auf, am mor­gi­gen Sams­tag, 6.​September, laut­stark gegen eine an­ge­kün­dig­te Groß­ver­an­stal­tung der so­ge­nann­ten „Neuen Rech­ten“ (auch „In­tel­lek­tu­el­le Rech­te“ ge­nannt) zu pro­tes­tie­ren.

Bei der ge­nann­ten Ver­an­stal­tung han­delt es sich um eine Art Mes­se­kon­gress und Ver­net­zungs­tref­fen mit dem Titel „Zwi­schen­tag“. Hier prä­sen­tie­ren sich rech­te Ver­la­ge und Zei­tun­gen, On­line-​Fo­ren, Think Tanks, Bur­schen­schaf­ten und an­de­re, selbst­ver­ge­wis­sern sich ihrer Po­si­tio­nen und lau­schen einer Reihe von Vor­trä­gen. Es ist mit zirka 300 Teil­neh­men­den zu rech­nen… Pres­se­mit­tei­lung der An­ti­fa

Lasst uns ge­mein­sam den Neuen Rech­ten in ihre rechts-​in­tel­lek­tu­el­le Suppe spu­cken.
„Zwi­schen­tag“, wir sehen uns!

Heute 6. Sep­tem­ber 2014 – 9.​30 Uhr – Kund­ge­bung di­rekt vor dem Haus der Raczeks ( Jo­han­nes-​Hen­ry-​Stra­ße 18, 53113 Bonn)

Quelle: Antifa Bonn => http://antifabonn.blogsport.de/2014/09/06/neue-rechte-haut-ab-zwischentag-von-duesseldorf-nach-dortmund-und-jetzt-nach-bonn-verlegt-bonn-kundgebung-9-30-uhr/

Wikipedia Artikel zu Alte Breslauer Burschenschaft der Raczeks => https://de.wikipedia.org/wiki/Alte_Breslauer_Burschenschaft_der_Raczeks

Antikriegstag am 1. September: Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!

Euskirchen - Alter Markt - 04.02.1945

Euskirchen: Alter Markt am 04.02.1945.

Vor 100 Jahren begann der Erste Weltkrieg, vor 75 Jahren der Zweite. Beide Jahrestage machen den diesjährigen Antikriegstag zu einem zentralen Tag der Erinnerung und des Mahnens. Auch heute gilt: Kriege kommen nicht über uns – sie werden gemacht. Gewalt geht von Menschen aus – und trifft Menschen. Sie werden getötet, verwundet und vertrieben. Ihr Leben wird bis in die Grundfesten erschüttert – während andere aus Kriegen Profite schlagen oder ihre Machtinteressen durchsetzen. Daran erinnern wir nicht nur am Antikriegstag: Nie wieder darf Krieg von deutschem Boden ausgehen. Die im Grundgesetz festgelegte Aufgabe der Bundeswehr zur Landesverteidigung wird seit Jahren in Richtung internationaler Interventionen verschoben. Viele Menschen siehen dies kritisch und fordert die Bundesregierung und den Bundestag auf, weder direkt noch indirekt militärische Interventionen zu unterstützen, die nicht von einem UN-Mandat gedeckt sind. Wir halten daran fest, dass es das Parlament ist, das über das Ob und Wie aller Auslandseinsätze der Bundeswehr zu entscheiden hat: Die Bundeswehr ist und bleibt eine Parlamentsarmee. Rüstungsexporte müssen strengen Regeln unterliegen, sie dürfen nicht aufgeweicht werden. Viele Menschen weltweit werden sich dafür einsetzen, Rüstungsausgaben weltweit zu senken und letztendlich abzuschaffen um die Lebens- und Bildungschancen der Menschen zu erhöhen.

Soziale Gerechtigkeit ist Friedenspolitik

Erfolgreiche Friedenspolitik beginnt nicht erst am Runden Tisch. Erfolgreiche Friedenspolitik beginnt mit der Erkenntnis, dass Frieden ohne soziale Gerechtigkeit nicht zu haben ist. Demokratische Teilhabe, Bildung, gute Arbeit und soziale Sicherheit haben großen Einfluss darauf, politische und gesellschaftliche Konflikte erst gar nicht entstehen zu lassen. Darüber hinaus verfügen Demokratien über bewährte Mechanismen, Kontroversen aus der Mitte der Gesellschaft heraus zu lösen. Trotzdem werden politische, ethnische oder religiöse Konflikte Teil der globalen Realität bleiben – wie aktuell in verschiedenen Ländern des Nahen Ostens oder der Ukraine. Die internationale Staatengemeinschaft muss alle diplomatischen Anstrengungen unternehmen, die zur Entschärfung der Situation beitragen und die Waffen zum Schweigen bringen.

Humanitäre Flüchtlingspolitik ist Friedenspolitik

Kriege, Bürgerkriege, ethnische, politische und geschlechtsspezifische Verfolgung oder rassistische Diskriminierungen zwingen viele Millionen Menschen zur Flucht oder zum Verlassen ihrer Heimat. Vor allem die angrenzenden Regionen und Staaten tragen einen Großteil der damit verbundenen Lasten. Sie brauchen mehr Unterstützung von der Staatengemeinschaft. Die Länder der Europäischen Union müssen ihre Verantwortung beim Schutz von Flüchtlingen stärker wahrnehmen. Wer vor Krieg, Bürgerkrieg oder Verfolgung flieht, muss in Deutschland und der EU Aufnahme finden, individuell Asyl oder einen Schutzstatus beantragen können und in einem fairen Verfahren anerkannt werden.

Wir dürfen uns nicht daran gewöhnen, dass Tausende von Flüchtlingen bei dem Versuch sterben, über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Die Rettung von Menschen in Seenot muss oberstes Gebot sein. Länder an den Außengrenzen der EU dürfen bei der Aufnahme und Unterbringung von Flüchtlingen nicht allein gelassen werden: Unhaltbare Zustände in den Flüchtlingslagern und Zurückweisungen sind die Folge. Wir brauchen ein EU-weites, gerechtes System zur Aufnahme und Anerkennung von Flüchtlingen.

Euskirchen - Innenstadt - 04.02.1945

Euskirchen – Innenstadt – 04.02.1945

Nie wieder Faschismus

Der Antikriegstag verpflichtet uns auch zum entschiedenen Widerstand gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Antiziganismus. Gerade die lange verborgen gebliebenen Terror-Akte der NSU mahnen uns wachsam zu bleiben. Dies gilt auch für ausländerfeindliche Demonstrationen und Angriffe auf Flüchtlingsheime, denen sich immer wieder viele engagierte und mutige Menschen entgegenstellen. Diese Courage erwarten wir auch von den politisch Verantwortlichen: Wir brauchen ein durchdachtes und substanzielles Agieren statt Pauschalverbote. Verbote von Nazistrukturen und Naziparteien bringen nur kurzen Nutzen.

Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!

Rum und Äre für die Antifa

Kommentar NSU-Ausschuss in Thüringen

Danke, Antifa

Die Linke dankt zum Abschluss des NSU-Ausschusses in Thüringen explizit auch Antifa-Aktivisten. Zu Recht. Andere Parteien sollten die Anerkennung teilen.

Oft diskreditiert: Antifa-Rechercheur vom Apabiz.
Oft diskreditiert: Antifa-Rechercheur vom Apabiz.

Eine halbe Seite widmet die Linke einer besonderen Danksagung. „Grundsätzlich möchten wir den seit Jahren über alle Maßen aktiven und oft genug durch Neonazis und staatliche Stellen angegriffenen und diskreditierten antifaschistischen Gruppen unseren Dank aussprechen“, heißt es in ihrem Sondervotum zum Abschlussbericht des NSU-Untersuchungsausschusses in Thüringen.

Ohne diese Gruppen wäre das rechtsextreme NSU-Netzwerk „bis heute nur in Ansätzen bekannt“. Ihre Rechercheleistung sei für die Arbeit im Ausschuss unverzichtbar gewesen. Den entsprechenden Abschnitt aus dem 86-seitigen Papier veröffentlichte die Linken-Obfrau im Untersuchungsausschuss Katharina König bei Twitter.

Dass eine solche Anerkennung von der Linkspartei kommt, überrascht nicht. Dass sie nicht von den anderen Parteien mitgetragen wird, ist schade. Denn völlig zu Recht wird hier auf einen Aspekt verwiesen, der bei der Aufarbeitung des NSU-Skandals oft vergessen wird: Antifa-Gruppen haben gute Arbeit gemacht, während staatliche Behörden an entscheidenden Punkten versagten.

Beispiele dafür gibt es eine ganze Reihe. Die älteste Erwähnung des NSU etwa fand sich nicht in einem Archiv der insgesamt 36 Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern, sondern in den Regalen des Antifaschistischen Pressearchiv & Bildungszentrum (Apabiz) in Berlin. Während sie beim Verfassungsschutz Akten schredderten, haben die akribischen Antifa-Archivare eine alte Ausgabe eines Neonazi-Heftes hervorgekramt, das beweist, das das NSU-Kürzel in der rechtsextremen Szene schon bekannt war.

Die Antifa-Leute haben Informationen über Personen zusammengetragen, die vielleicht schon längst von der Bildfläche verschwunden sind, die aber in der fraglichen Zeit eine wichtige Rolle spielten. Sie konnten Puzzleteile zusammensetzen, weil sie Jahre lang die Teile gesammelt haben, ohne zu wissen, ob sie überhaupt ein Bild ergeben.

Antifa-Chronik statt offizieller Chronik

Und das Engagement geht heute weiter. MitarbeiterInnen der Initiative „NSU Watch“ haben jeden einzelnen der inzwischen 133 Verhandlungstage beim NSU-Prozess in München verfolgt und jeweils ein Protokoll online gestellt. Wer später nachschauen will, was genau beim Prozess passiert ist, kann das hier tun. Und er wird es auch hier tun, denn es gibt kaum eine andere Möglichkeit. Ein offizielles Protokoll wird nicht geführt und Zeitungsartikel können gar nicht so umfassend sein.

Die Antifa-Chronisten sind zudem auch an vermeintlich weniger spannenden Terminen da, wenn viele Journalisten anderes zu tun haben. Die Initiative erfährt wegen ihrer Arbeit inzwischen zumindest einige Anerkennung und hat unter anderen einen Medienpreis der Otto-Brenner-Stiftung bekommen.

Zwar haben auch die Antifa-Gruppen in all den Jahren nicht die Verbindung gesehen zwischen dem untergetauchten Neonazi-Trio und der Mordserie an Mitbürgern ausländischer Herkunft. Doch das kann man ihnen auch schlecht vorwerfen. Es kann nicht ihre Aufgabe sein, die Arbeit der Sicherheitsbehörden nebenher zu erledigen – und es schmerzt wohl auch niemanden mehr als sie selbst, dass sie die Verbindung nicht erkannten.

Aber eines kann und muss man sagen: Ohne das jahrelange Engagement der Antifa-Leute, die meist ehrenamtlich arbeiten, wüssten wir heute in der Tat sehr viel weniger über den NSU und sein Umfeld. Und dafür gebührt ihnen Dank.

Quelle: TAZ – Kommentar NSU-Ausschuss in Thüringen => http://m.taz.de/Kommentar-NSU-Ausschuss-in-Thueringen/!144102;m/



Referer der letzten 24 Stunden:
  1. google.com (35)