Archiv für Juli 2007

Kein ruhiges Hinterland

Am Samstag, den 28. Juli 2007 fand in der Voreifel in der Kleinstadt Euskirchen, die etwa 30 km von Bonn und ca. 45 km von Köln entfernt ist, eine Kundgebung mit schätzungsweise ca. 30 Neonazis statt.
Diese hatten sich direkt am Bahnhof versammelt, wo sie in der Zeit von 15:20 Uhr bis 17 Uhr völlig unbehelligt Reden hielten und ihre Fahnen und Transparente zeigten. Auf einem Transparent war zu lesen: „Todesstrafe für Kinderschänder“. Die als „Mahnwache“ deklarierte Kundgebung stand unter dem Motto „Härtere Strafen für Sexualstraftaten, Bürger schützen“. Im Juli wurden in Euskirchen drei Frauen im Vorraum der Kreissparkasse vergewaltigt. Da der mutmaßliche Täter Portugiese ist, behaupten die Nazis in bekannter rassistischer Manier, dass „die Ausländer deutsche Frauen vergewaltigen“.

Veranstalter war der Kreisverband Erftktreis der NPD, es nahmen aber auch Nazis aus dem Spektrum der „Freien Nationalisten“ teil. Der Erftkreis ist der Nachbarkreis des Kreises Euskirchen. Redner waren der NPD-Vorsitzende des Erftkreises Eric Leu, ein Vertreter der NPD Koblenz und Robert Klug aus dem Spektrum der „Freien Nationalisten“. Es gab ein recht kleines Polizeiaufgebot und keinerlei Gegenaktivitäten.

Ein Redner auf der Nazikundgebung kündigte an, dass solche Kundgebungen in Zukunft häufiger in Euskirchen stattfinden sollen. Es waren recht viele Leute zum Einkaufen unterwegs und auch ohne Pressecho hatten die Nazis so Gelegenheit, ihre widerliche Propaganda unter die Leute zu bringen. Es bleibt die Frage, warum niemand in Euskirchen gegen diese Nazi-Veranstaltung protestiert hat und wie es dort mit antifaschistischen Protesten in Zukunft aussieht.