Mechernicher Neonazi? begeht „Eine Straftat nach der anderen“

Der 21-jährige Angeklagte war vor Jahren bereits in ein Erziehungscamp nach Sankt Petersburg geschickt worden. Jedoch ohne Erfolg: Nun steht er erneut wegen Körperverletzung vor Gericht. Es geht dabei um Vorfälle in einer Justizvollzugsanstalt bei Paderborn.

Euskirchen/Mechernich – Verwahrlosung, Straftaten und Alkohol – die alleinerziehende Mutter aus Mechernich war mit ihrem Sohn völlig überfordert. Es folgten erfolglose Heimeinweisungen, das Jugendamt griff schließlich zu einer ganz einschneidenden Maßnahme: Peter M. (Name geändert) wurde 2003 in ein Erziehungscamp nach Sankt Petersburg geschickt.

Ohne Erfolg – es folgten Diebstähle, Körperverletzungen, Hausfriedensbruch, Volksverhetzung und ein Verstoß gegen das Waffengesetz. Bis zum 13. Februar 2009 ließ die Justiz Milde walten. Dann riss Richter Dr. Fabian Krapoth der Geduldsfaden. Der heute 21-Jährige wurde wegen gemeinschaftlichen schweren Diebstahls und Körperverletzung zu einem Jahr und vier Monaten Gefängnis ohne Bewährung verurteilt. Während des Vollzugs soll der junge Mann, der wieder in Mechernich wohnt, neue Straftaten begangen haben. Seit Donnerstag sitzt Peter M. einmal mehr auf der Anklagebank des Euskirchener Jugendschöffengerichts. Richter ist wieder Krapoth.

Es geht um Vorfälle in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Hövelhof bei Paderborn. Dort teilte sich M. mit zwei weiteren jugendlichen Strafgefangenen ein Zimmer im offenen Vollzug. Einer gab den Prügelknaben ab. Laut Vorwurf der Staatsanwaltschaft wurde er am 21. August 2009 von M. und dem anderen Häftling in der Zelle mit brennenden Zigaretten und durch Hiebe mit Plastikflaschen in den Nierenbereich und auf den Kopf traktiert.

Doch der Rädelsführer?

M. räumte lediglich ein, den Mithäftling wegen dessen Leibesfülle beleidigt und ihm eine Tüte Eistee gestohlen zu haben. Die körperlichen Übergriffe habe ausschließlich der andere Zelleninsasse begangen. Ein weiterer damaliger Insasse der JVA Hövelhof, der in der besagten Zelle häufig zu Besuch war, sagte im Zeugenstand etwas anderes aus. Der Mechernicher sei bei den Attacken der Rädelsführer gewesen. Der Prozess wurde daraufhin vertagt. Das mutmaßliche Opfer war gestern trotz ordnungsgemäßer Ladung nicht als Zeuge vor Gericht erschienen, auch der von M. als Alleintäter beschuldigte Mann soll beim nächsten Termin vernommen werden.

M. wurde nach dem Vorfall in den geschlossenen Vollzug in die JVA Siegburg geschickt. Im März kam er vorzeitig auf freien Fuß, die Reststrafe von sechs Monaten wurde zur Bewährung ausgesetzt. Der Vertreter der Jugendgerichtshilfe gab vor Gericht zu Protokoll, dass M. bereits ohne eine neuerliche Verurteilung wegen Verstößen gegen die Bewährungsauflagen „mit seiner Freiheit spielt“. Der Angeklagte habe Termine mit seiner Bewährungshelferin unentschuldigt platzen lassen, besuche nicht mehr die Anonymen Alkoholiker und nehme auch an einer berufliche Wiedereingliederungsmaßnahme nur sporadisch teil.

Quelle:
http://www.euskirchen-online.ksta.de/html/artikel/1280133203385.shtml