Archiv für Mai 2012

Weitere inhaltliche Auseinandersetzung mit NS BLUT & BODEN PEINER! Bildende Künstlerinnen und Künstler fordern Abbau der Peiner-Schau in Gemünd – Kein Platz für Nazikunst in der Eifel

Die am 20. Mai in Gemünd eröffnete Werkschau des Nazi-Malers Werner Peiner müsse sofort geschlossen werden, verlangt Lorenz Mueller-Morenius, Bundesvorsitzender der Fachgruppe Bildende Kunst in ver.di: „Sie ist ein kulturpolitischer Skandal, zumal sie frei von grundsätzlicher Aufarbeitung und künstlerischer Analyse ist.“

In Gemünd werde mit Hilfe des CDU/UWV-Politikers Dieter Pesch ein ideologischer Helfer der Nationalsozialisten gefeiert. „Ein albtraumhafter Spuk völkisch-monumentaler Pinselführung“, so Mueller-Morenius, die bei Hitler, Himmler, Goebbels und Göring sowie ihren großindustriellen Unterstützern höchsten Beifall und finanzielle Unterstützung gefunden habe. „Anstatt dem Kanon von Stimmen an faschistischen Orten in der Eifel mit der Werner-Peiner-Schau eine weitere schwarz-braune hinzuzufügen, hätte das KunstForumEifel die bis in die Gegenwart reichende Affinität zwischen nationalistischer Kunst und Kapital untersuchen sollen“, so der Künstler weiter.

Peiner, nach 1945 als Nazi interniert, genoss bis zu seinem Tod 1984 in Leichingen Anerkennung beim Finanzkapital und politischen Diktatoren. Eine wissenschaftliche Analyse über Werner Peiner erscheint im Juni in gekürzter Version in der Printausgabe von KUNSTUNDKULTUR.


Nazi-Kunst für alle und/als Eifel-Event …
Zur geplanten Werner-Peiner-„Werkschau“ im „KunstForumEifel“

Wilma Ruth Albrecht

„Wissenschaft fragt, warum etwas so ist. Kunst fragt nie warum, sie sagt, es ist so oder so, oder hört Euch doch nur an, wie es ist. Und wie ist es? Ist es schön, ist es lieblich, ist es tragisch? Ist die Welt etwas nur schön, lieblich tragisch? Nur häßlich, nützlich? Nein, sie ist le-bendig. Vom Kunstwerk nun verlangen wir keine genaue Aufzählung alles dessen, was in der Natur vorhanden ist. Hätte die Kunst die Mittel, alles zu geben, Bäume, Rinden, Vogelzwitschern und Donner, Sonnenschein und Wasser, so hieße das nicht anderes, als die Natur tatsächlich noch einmal zu machen. Wer von der Kunst das verlangt, verlangt etwas erstens Zweckloses, zweitens unmögliches. Nein, das Kunstwerk muß gutgelogene Natur sein, eine gut getroffene Auswahl, ein Spiegel der Empfindungen.“ – August Macke (1887-1914) – August Macke, Gedanken zu Formen der Kunst und des Lebens; in: ders., Die Tunisreise [1914]. Köln: duMont Schauberg, ²1973 [= duMont Kunst-Taschenbuch 3]: 9-17.

„Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern Kunst macht sichtbar. Kunst ist das Herunterreißen der Masken. Hinter der Maske sitzt unsere Seele.“ – Paul Klee (1879-1940) – Paul Klee; Kasimir Edschmid, Hg., Schöpferische Konfession. Berlin: Erich Reiß, 1920 [= Tribüne der Kunst und Zeit 13].

I. Anfang August 2011 wurde „aktuell” berichtet (http://www.euregio-aktuell.eu/archives/14872-Werner-Peiner-Ausstellung-geplant.html) : der Kurator des KunstForumEifel, Dr. Dieter Pesch (Dieter Pesch (*1944 in Viersen) war von 1981 bis 2007 Leiter des Rheinischen Freilichtmuseums in Kommern, „CDU-Politiker“ und langjähriger „Schatzmeister des CDU-Kreisverbandes“. Er ist seit Mai 2011 Mitglied der UWV-Kreistagsfraktion http://www.ksta.de/html/artikel/1305797040801.shtml), plane, im Sommer 2012 eine Ausstellung über Peiner-Ausstellung auszurichten. Ende September 2011 erklärte Pesch, das KunstForumEifel wäre „die richtige Institution und der richtige Ort, sich in angemessener, objektiver und kritischer Weise mit Leben und Werk des Malers zu beschäftigen.“ (http://www.rundschau-online.de/html/artikel/1316702925824.shtml)
Damit schloß Pesch an einen ersten, im November 2007 gestarteten, “Versuchsballon” an: Marcus Albanus, ein Enkel Peiners, zeichnete in Kronenburg im „Haus des Gastes“ ein persönliches Bild Peiners und versuchte dabei, Opa Wer-ner den Geruch des Nazi-Künstlers zu nehmen (http://www.ksta.de/html/artikel/1194443094009.shtml).

II. Werner Peiner (1897 -1984) (Die folgenden Angaben beruhen auf zwei Dissertationen: Anja Hesse, Malerei des Nationalsozialis-mus: Der Maler Werner Peiner (1897-1984). [ = Studien zur Kunstgeschichte. Band 94] Hildesheim, Zürich, New York: Georg Olms, 1995, 430 p., mit 58 Abbildungen; Nicola Doll, Mäzenatentum und Kunstförderung im Nationalsozialismus. Werner Peiner und Hermann Göring. Weimar: Datenbank für Geisteswissenschaften, 2009, 392 p., mit 82 Abbildungen; als Erstinformation nützlich: http://de.wikipedia.org/wiki/Werner_Peiner) wurde am 20. Juli 1887 als erstes von drei Kindern (Elisabeth *1899, Maria *1901) in Düsseldorf geboren. Seine Mutter Sophia entstammte einem bäuerlichen Anwesen aus der Eifel (Mechernich), sein Vater Joseph, der ebenfalls aus der Eifel (Eiserfey) kam, war als Prokurist einer Holzhandlung in Düsseldorf erwerbstätig; das Elternhaus galt als katholisch, konservativ, bürgerlich. Werner kam 1902 in die Vorklasse der städtischen Realschule; 1905 in Königliches Gymnasium, dann wieder in die Oberrealschule, dort “Mittlere Reife”. 1912: Kurse an der Kunsthandwerkerschule Düsseldorf; 1914: Kriegsfreiwilliger bis 1918; 1915: „Notabitur“ während eines Fronturlaubs; 1918: Hospitation an der Düsseldorfer Akademie; 1919: Kunststudium an der Düsseldorfer Kunstakademie (der Vater hatte Kontakte zu Mitgliedern der Professorenschaft), erste Teilnahme an einer Ausstellung in der Kunsthalle; 1920: “Dreimannwerkstatt” mit Richard Gessner (1894-1989) und Fritz Burmann (1892-1945); Meisterschüler von Fritz Roeber (1851-1924), einem Historienmaler, der seit 1909 eine Werkstatt für kirchliche Kunst und Glasmalerei sowie ein Atelier für Mosaik und Webkunst, Gebrauchsgrafik und Typografie unterhielt und gleichzeitig bis 1924 Direktor der Düsseldorfer Kunstakademie war; außerdem besuchte Peiner die Zeichenklasse von Wilhelm Döringer, einem Historien- und Schlachtenmaler und unternahm in der “Dreimannwerkstatt” Farbversuche mit licht- und waschechten Farben für Seide und Wolle der IG-Farben-Leverkusen; 1923: Auflösung der “Dreimannwerkstätte”; Heirat der Bonner Zahnarzttochter Therese Lauffs und Umzug nach Bonn; 1925: Rückkehr nach Düsseldorf; Beteiligung an der Mannheimer Ausstellung “Neue Sachlichkeit” von Gustav Hartlaub; 1927: Atelier an der Neun Akademie in Düsseldorf-Stockum; erneute Zusammenarbeit mit Richard Gessner (dessen Vater war Düsseldorfer Bankdirektor) und dem Architekten Emil Fahrenkamp (1885-1966); durch Fahrenkampf Bekanntschaft mit Dr. Walter Kruspig (1894-1939; seit 1925 Vorstandsmitglied, seit 1930 Generaldirektor der Rhenania-Ossag AG,Shell Deutschland; 1935 “Wehrwirtschaftsführer Öl”); 1929: “Das alte Haus Rechen”, bemalter Seidenteppich, Wandteppich für das Park-Hotel (Architekt Fahrenkamp) Haus Rechen in Bochum Ehrenfeld; durch Fahrenkamp auch Kontakte zu Industriellen wie Tengelmann, Underberg und Krustig; 1930: Innendekoration des Wohnhauses Walter und Ellen Kruspig in Hamburg; für das Shell-Haus (1928-1930), das erste, von Fahrenkamp geplante Stahlskeletthaus in Deutschland, entwirft Peiner Glasfenster und zwei Mosaikwände; 1931: Frank-furter Kunstverein: “Die deutsche Neuromantik in der Malerei der Gegenwart” mit Peiner und Ratziwill; Umzug nach Kronenburg/Eifel, Entwurf eines 107 qm großen Mosaiks für das Kasino-Hotel Zoppot; das Bildnis “Der Acker”; 1932: Peiner, Fahrenkamp und Krustig in Kronenberg; 1933: Mechernich verleiht Hit-ler die Ehrenbürgerschaft; Peiner stellt das Gemälde “Deutsche Erde” als Geschenk für Hitler zur Verfügung; erste Bild im Besitz von Hitler; Angebot des Akademiedirektors in Düsseldorf abgelehnt; Kartenwerk für Shell: 30 Fluß- und Gebirgslandschaften zu Werbezwecken beauftragt (bis 1935); 1934: Annahme des Lehramts für Monumentalmalerei; bei Görings Hochzeit mit der Schauspielerin Emmy Sonnemann stellt Kruspig Peiner diesem während einer Gartenparty vor; 1935: Ostafrikareise mit Walter Kruspig und beider Ehefrauen, mit Fotos, auf deren Grundlage 13 Bilder (Afrikazyklus 1936/38) entstanden; 1936: Aus-gliederung der von Peiner geleiteten Klasse für Monumentalmalerei aus der Düsseldorfer Akademie, “Landakademie der Staatlichen Akademie Düsseldorf”; Herbst: 1. Auftrag: Wandteppich für das Haus des Fliegers im Preußischen Landtag (Falkenjagd) und Mosaiken für das von Göring geleitete Luftfahrtministerium; Olympia-Ausstellung und Auszeichnung für Wandteppich; am 1. Juli 1937 persönlicher Erlass Görings für eine selbständige neue staatliche Hochschule als “Hermann Göring-Meisterschule für Malerei”; Goldmedaille an Peiner anlässlich der Weltausstellung in Paris; NSDAP-Mitgliedschaft Peiners; Februar 1938: Sonderschau im Rahmen der “Großen Deutschen Kunstausstellung” in der Preußischen Akademie der Künste, Berlin, “Weibliche Tugenden” (10 Gobelins für das Verwaltungsgebäude der NSDAP in München); Mitglied der Preußischen Akademie der Künste; 1939: “Die fünf Erdteile”, Tapisserieserie für das von v. Ribbentrop geleitete Reichsaußenministerium und dessen Architekten Albert Speer, “Deutsche Schicksalsschlachten” bzw. “Marksteine Deutscher Geschichte” (bis 1941) für die Marmorgalerie der “Neuen Reichskanzlei” in Berlin; April 1940 Preußischer Staatsrat; “Festzüge der Planeten”; 1943 Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse für künstlerische Arbeit; September 1944 Auslagerung der “Meisterschule für Malerei Werner Peiner unter der Schirmherrschaft des Reichsmarshalls Hermann Göring” nach Gimborn (Gummersbach).

III. Stand Peiner als „Kunstmaler“ auf der zwölf Namen enthaltenden Sonderliste „Unersetzliche Künstler“, die 1944 im Zusammenhang mit der 1041 Namen umfassenden staatsoffiziellen „Gottbegnadeten-Liste“ von Goebbels und Hitler veranlasst wurde, so kam auch dieser Nazigünstling nach dem Zweiten Weltkrieg im August 1945 fünf Monate in das britisches Internierungslager in Recklinghausen. Nach Peiner Freilassung Anfang 1946 entstanden Planungen eines Wandgemäldes für das Parlamentsgebäude in Bonn 1949. Im Mai 1951 wurde Peiner in Köln von der Anklage des „Verbrechens gegen die Menschlichkeit entweder aus politischen, rassischen oder religiösen Gründen“ (Doll, Mäzenatentum und Kunstförderung im Nationalsozialismus: 17.) freigesprochen. 1952: Wandteppiche “Sicherung” und “Geschick” für den Gerling-Konzern. 1955: Wandteppich “Zug der Königin von Saba” anlässlich des 1954 erfolgten Besuches des äthiopischen Kaisers Haile Selassie den Ersten. 1986 Forderung des Aachener Schokoladenunternehmers und Kunstwerkehändlers Peter Ludwig (1925-1996), Künstler der NS-Zeit in Museen aufzunehmen.

IV. Peiners Werke sind vor allem durch drei Kernelemente geprägt: erstens von einer konservativ, bürgerlich und religiös ausgerichteten Weltanschauung, die während seines Studiums durch seine Lehrer Roeber und Döringer noch verstärkt wurde; zweitens von einer (nach kurzfristiger Annäherung an die durchaus mit monumental-faschistischer Positionen compatible “Neue Sachlichkeit” (Peter Ulrich Hein: Die Brücke ins Geisterreich. Künstlerische Avantgarde zwischen Kulturkritik und Faschismus. Reinbek: Rowohlt, 1992.) Mitte der 1920er Jahre) ästhetisch überlebten malerischen Technik (etwa Mehr-schichtenmalerei) und Sujetwahl, die sich retrogeschichtlich an Spätgotik, nie-derländischen Gobelins und römisch-indisch-chinesischen Repräsentationskunst ausrichtet. Und drittens von der Suche nach Nähe und Abhängigkeit von und zu herrschenden Kräften der Großindustrie (Chemie-, Öl-, Versicherungskartelle) und nationalfaschistischer Spitzenpolitiker zur Sicherung von Mäzenatentum. So gesehen, hat sich Peiner bewusst in den Dienst des nationalsozialistischen Re-gimes gestellt, dessen Vernichtungsideologie (wie Rassengedanke und Eroberungspolitik) bildnerisch überhöht und zu Repräsentation und Festigung der Macht des Regimes beigetragen:

V. Dies mag eine Kurzanalyse (Zur Methodik Hanna Deinhard, Bedeutung und Ausdruck. Zur Soziologie der Malerei. Neuwied/Berlin: Luchterhand, 1967, 143 p. [= Soziologische Essays] ) von Peiners seinerzeit so hochgelobtem wie weitverbreitetem Ölbild DEUTSCHE ERDE von 1933 veranschaulichen. Das Bild wurde als schwarz-weiß-Reproduktion vor Jahren veröffentlicht und be-sprochen. ( Hesse, Malerei des Nationalsozialismus: 86-94; 100f) Es war von 1933 bis 1945 im Besitz des letzten deutschen Reichs-kanzlers und gilt heute als „verschollen“. DEUTSCHE ERDE wurde erstausgestellt 1934 auf der Biennale Venedig, sodann 1938 auf der Berliner Ausstellung in der Preußischen Akademie der Künste und auf der Großen Deutschen Kunstausstellung München. Das Bild wurde seit 1933 in zahlreichen Zeitschriften reproduziert und als Postkarte in „Wiechmann Bildkarten“, Reihe „Kunst für alle“, verbreitet. (Eine Farbreproduktion, auf die ich mich folgend beziehe, wurde nach aufwändigen Recherchen auf einer rechten Netzseite gefunden. ( http://www.lesenundschenken.de/index.php?page=search&page_action=query&desc=on&sdesc=on&verf=on&keywords=peiner&x=26&y=1 [Werner Peiner: DEUTSCHE ERDE. 1933. Dort angegebenes Format mit Rahmen etwa 90 X 53 cm]; ein Kunst-„research“-Projekt hat die bisher grauenhafteste DEUTSCHE ERDE-Bildversion in anthrazit-schwarz ins Netz gestellt: http://www.gdk-research.de/)

Quelle: Welt Online – Pesch und Peiners „Deutsche Erde“ von 1933 als Repro – Welcher Sinn? oder was soll hier vermittelt werden?

Peiner beschenkte den letzten deutschen Reichskanzler 1933 mit DEUTSCHE ERDE, einer retouchierten Fortschreibung seines Bilds DER ACKER von 1931, welches noch im weiten Horizont des oberen Bildrands das Wahrzeichen des rheinischen Katholizismus, den Dom zu Köln, erkennen ließ.

Das neue, keineswegs großformatige Bild, wird bestimmt von hellbraunen Ackerfurchen im Mittelpunkt und dunkelgrünlichem, nach oben dichter und höher werdenden, Baumbestand. Im Bild links vorne hinter einem schattenwerfenden, pflügenden Zweispänner ein in Hose und Wams gekleiderter unbemützter Mann. Er kehrt dem Betrachter den Rücken zu und bleibt gesichtslos. Trotz zweier roter Farbtupfer an Mann und Pferd wirkt das Bild durch das bestimmen-de Braun mit dessen politisch-ästhetischer Botschaft eintönig. Dieser Eindruck wird durch die Bewegungslosigkeit als monumentale Statik des Bodens verstärkt.

VI. Der „ideologische“ Charakter von Peiners deutschem Erdbild (1933) wird augenfällig beim Vergleich mit dem frühimpressionistischen Ölbild MOHNFELD (1873) von Claude Monet (1840-1926). (Eine eindrucksvolle Bildreproduktion steht auch im Netz. (http://www.kunstgalaxie.de/shop/mohnfeld-argenteuil-claude-monet-p23304.html [Claude Monet: MOHNFELD. 1873. Öl auf Leinwand. Dort angegebenes Format etwa 90 × 70 cm])) Bei formatanaloger Gesamtbildanlage wird hier kontrastive Farblichkeit über zartes Rot und behutsames Grün kompo-sitionell entfaltet. Die vier Menschen, jeweils zwei Frauen mit kleinen Kindern hinten links und groß im Vordergrund halbrechts, haben Gesichter. Monets Mohnbild drückt doppelte Bewegung aus: die Natur ist nicht zu ideologisierendes Feld, sondern wird durch im Bild doppelt gestalteten heftigen Wind, gegen den sich die Frauen und Kinder als Spaziergänger, wenn sie weiterkommen wollen, bewegen müssen, dynamisch.

Claude Monet : Mohnfeld bei Argenteuil

VII. Dieser knappe Vergleich zeigt nicht nur die malerisch-künstlerische Rückschrittlichkeit Peiners – grad so als sollten, vermittelt durch die besonders die deutsche Kunstszene kurzfristig bestimmende Neusachlichkeit der 1920er Jahre, ästhetische Entwicklungsprozesse von sechs Jahrzehnten zurückgenommen werden zugunsten eines vermeintlich „einfachen Lebens“ (Ernst Wiechert). So gesehen, trifft eine intelligente Kennzeichnung neusachlich bestimmter national-sozialistischer Kunstwerke als „reaktionäre Modernität“(Jeffrey Herf, Reactionary Modernism: Some Ideological Origins of the Primacy of Politics in the Third Reich; in: Theory & Society, 10 (1981) 6: 805–832; http://www.autodidactproject.org/quote/herf1.html)) mit Blick auf Peiners DEUTSCHE ERDE (1933) nicht, weil hier jenseits aller Modernität nur ein reaktionäres Gesellschaftsbild von Acker, Scholle und Boden präsentiert und propagiert wird.

VIII. Was die gegenwärtige Marktgängigkeit von Peiner-Werken, die von der Galerie Kümmel (Düsseldorf) als „Moderne Kunst“ (http://www.galerie-kuemmel.de/pages/moderne-kunst/moderne-kunst-4.php) und von van Hamm (Köln) als „Moderne Kunst / Neue Sachlichkeit“ (http://www.van-ham.com/datenbank-archiv/datenbank/werner-peiner.html) geführt werden, betrifft, so bietet der Düsseldorfer Händler nur ein undatiertes Aquarell und der Kölner Händler im Frühjahr 2012 fünfzig Werke an: der Preisbogen spannt von 400 € „Schätzpreis“ (zuzüglich 400 € „Zuschlag“) bis zu 6000 € (zuzüglich 17.000 €) für die bekannte „Zirkusreiterin“ (1928).(http://www.artnet.de/artists/LotDetailPage.aspx?lot_id=124305AE1F91D26DB1E4590058852B44 )

IX. Am 20. Mai 2012 soll im KunstForumEifel in Gemünd eine Peiner-Ausstellung und Dokumentation unter dem Kurator Pesch eröffnet werden. Dieses Vorhaben kann durchaus im Zusammenhang mit der auch aus öffentlichen Mitteln geförderten touristischen „Vermarktung“ der Nazi-Vergangenheit, die auch „dark, black or grief tourism“ genannt wird (http://en.wikipedia.org/wiki/Dark_tourism (einen entsprechenden deutschsprachigen wikipedia-Eintrag gibt es nicht)) (in) der Eifel (Nationalsozialismus im Kreis Euskirchen. Die braune Vergangenheit einer Region. Hg. Geschichts-verein des Kreises Euskirchen e.V., Weilerswist: Landpresse, ²2007, XIV, 994 p.) im allgemeinen und mit besonderen geschichtlichen Ereignissen oder „Events“ speziell der „braunen“ Jahre wie der Ordensburg Vogelsang 1936-1939 (Franz Albert Heinen, Ordensburgen. Vogelsang, Sonthofen, Krössinsee. Berlin: Ch. Links, 2011, 216 p. ) , ab 1939 Wehr-machtstellung für den Westfeldzug, Westwall 1936, dem „Felsennest“ Hitlers ( Hans-Josef Hansen, Felsennest. Das vergessene Führerhauptquartier in der Eifel. Bau, Nutzung, Zerstörung. Aachen: Helios, 191 p.) in Bad Münstereifel/Rodert, dem „Forsthaus Hülloch“ als Unterkunft für Wehrmachtsoffiziere im Zusammenhang mit dem „Frankreichfeldzug“ vom 10.5.-22.6.1940, schließlich zuletzt der militärstrategisch destruktiven „Ardennenoffensive“ vom 19.12.1944 gesehen werden.
Der gegenwärtige, vom postmodernischen Relativismus und postfaschistischen Nihilismus geprägte Zeitgeist begünstigt und fördert Irrationalismus und Vergangenheitsverklärung auch in Form von Vergangenheitsverherrlichung des Nationalsozialismus und seinen bauwerklichen, militaristischen und bildnerischen Hervorbringungen.
Dagegen regt sich auch in der Eifelregion Widerstand: das Bündnis “Eifel gegen Rechts” und das “Bündnis gegen Rechtsextremismus” sprachen sich öffentlich gegen die Peiner-Ausstellung aus und kritisierten den „in rechten Kreisen gehandelten“ Mythos Peiner. Und Mitte April 2012 trat der langjährige Kreisvorsitzende der Unabhängigen Wähler, Axel Gerth, aus der UWV-Kreistagsfraktion aus: er lehnte die von Pesch geplante Peiner-Ausstellung ab ( http://www.euskirchen-online.ksta.de/html/artikel/1334494356523.shtml).

Plakate gegen Peiner Werkausstellung
Erläuterung über das Plakat:
1939 erhielt der nationalsozialistische Propagandamaler Werner Peiner den Auftrag, acht
Wandteppiche für die Marmorgalerie der Reichskanzlei in Berlin mit „deutschen
Schicksalsschlachten“ in den Maßen 10 m x 5,40 m zu fertigen.

Zusammen stellten die ausgewählten Ereignisse ein Programm dar, das den Nationalsozialismus in die Kontinuität deutscher Geschichte stellen sollte. Es handelte sich um:
- Die Schlacht im Teutoburger Wald, (Jahr 9);
- König Heinrich I. in der Ungarnschlacht, (15. März 933);
- Die Belagerung der Marienburg, (1410);
- Die Türken vor Wien, (1529);
- Friedrich der Große bei Kunersdorf, (12. August 1759);
- Die Schlacht bei Leipzig, (16. – 18. Oktober 1813);
- Die Tankschlacht von Cambrai, (20. November – 7. Dezember 1917);

Der achte, nicht überlieferte Entwurf, sah ein Ereignis aus der NS-Zeit vor, also eine entscheidende Schlacht aus dem II. Weltkrieg.

Plakatabbildung

Die Abbildung auf dem Plakat zeigt einen Ausschnitt aus dem Wandteppich „Die Schlacht im
Teutoburger Wald“, auf welchem eine Darstellung des Cherusker-Fürsten Arminius umgeben von germanischen Kriegern zu sehen ist. Allerdings wurde die vierfarbige Originaldarstellung auf eine grün/weiße reduziert.

Bei der Schlacht im Teutoburger Wald im Jahr 9 unserer Zeitrechnung erlitten drei römische
Legionen samt Hilfstruppen, was einem Achtel des gesamten römischen Heeres entsprach, unter ihrem Feldherren Varus eine vernichtende Niederlage gegen ein germanisches Heer unter Führung des Arminius (zu deutsch: „Hermann“). Damit endeten die Versuche der Römer, sich das rechtsrheinische Gebiet Germaniens zu unterwerfen.
Mit dem Aufkommen der Romantik und des Nationalismus, vor allem während der
Befreiungskriege gegen Napoleon (1813 – 1815), wurde Arminius zu einer nationalen Leitfigur –und ist es bis heute geblieben.(*)

Insbesondere die Nazis bezogen sich auf diesen nationalen Gründungsmythos. Mit dem
Wandteppich sollte der historische Anspruch der Nationalsozialisten auf die deutsche Geschichte und ein neues, III. Reich in der Tradition des »Tausendjährigen Reiches« unterstrichen werden. Das I. Deutsche Reich, auch »Heiliges römisches Reich deutscher Nation« genannt, ging auf das Frankenreich unter Karl dem Großen um 800 zurück und wurde offiziell erst im Jahre 1806 von Napoleon Bonaparte aufgelöst. Das II. Reich, als „Deutsches Kaiserreich“ bezeichnet, bestand von 1871 bis 1918.

Die nationalsozialistische Agitation ist bei der abgebildeten Schlachtszene durch NS-Symbolik unterstützt: im Ausschnitt kann man auf dem Schild des Arminius Sigrunen, wie sie auch von der SS benutzt wurden, erkennen.
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(*) Die Orte der Schlacht wurden an verschiedenen Stellen vermutet. Früher ging man vom
Teutoburger Wald aus, wo das kolossale Hermannsdenkmal bei Detmold seit 1875 an die Schlacht erinnert. Seit Ende der 1980er Jahre wurden systematische archäologische Grabungen an einem Fundort in Kalkfriese am Wiehengebirge im Osnabrücker Land durchgeführt. Viele Indizien sprechen dafür, dass dies der Ort des antiken Geschehens gewesen sein könnte. Seit dem Jahr 2000 existiert dort der »Museumspark Varusschlacht« mit einem 40 Meter hohen Aussichtsturm, von dem aus das Schlachtfeld überblickt werden kann, das man sich zu Fuß über verschiedene Stationen
erschließt. In einem großen Museumsbau sind mehr als 3000 Fundstücke zu finden.
Da diese versteckten Anspielungen Werner Peiners nicht ausreichen, um das Bild auf den ersten Blick als Propaganda zu identifizieren, wurde ein großes, bräunliches Hakenkreuz aufgelegt, dessen textiler Hintergrund zudem die gewebte Struktur der Vorlage verdeutlicht.
Die rot unterlegten Textbereiche des Plakates heben die in grün gehaltene Abbildung in ihrer Mitte hervor. Dieser Effekt ergibt sich unter anderem daraus, dass rot und grün Komplementärfarben sind, sich im Farbspektrum also gegenüber stehen.
Betrachtet man das Plakat von weitem, sticht besonders das Hakenkreuz hervor. Es macht deutlich, dass es sich hier um Nazi-Kunst handelt, gegen die es vorzugehen gilt.
Bernd Langer, Mai 2012

Den Peiner-Mythos kommentierte nun plötzlich und aspekthaft auch Peiner-Ausstellungsinitiator Pesch. Nach dessen neuerlichen (Kunstkennern seit Jahr-zehnten bekannten) Einsichten war Peiner

„einer, der vor 1933 bereits nationalsozialistisches Gedankengut vertrat, der 1937 Mitglied der Nazipartei wurde, als zunehmend klar wurde, dass die Chance auf ein Sponsoring durch den Naziführer Hermann Göring bestand, und einer, der 1945 nicht aufhörte, NS-Gedankengut zu vertreten […] Die Gemälde des Nazi-Favoriten fanden sich alsbald im Reichsluftfahrtministerium und in Görings Landsitz „Carinhall“. In Hitlers Privatbesitz befand sich das Bild „Deutsche Erde“ als Geschenk der Gemeinde Mechernich anlässlich der Verleihung der Ehrenbürgerwürde an den Diktator. – Der Maler genoss seinen Ruhm in der Hierarchie der systemkonformen Künstler in vollen Zügen. Und er lebte nicht schlecht davon. Für 1940 gab Peiner selbst sein Einkommen aus künstlerischer Arbeit mit 96.000 RM an: etwa das Zehnfache eines Normalverdieners […] Dass er nach 1945 bemüht war, seine Nazi-Verbindungen möglichst kleinzureden, lag auf der Hand. Peiners Autobiografie ist insofern von Klittern und Verschweigen geprägt und verrät nichts über seine wirkliche Haltung.“

(F. A. Heinen, „Mythos Peiner“ soll zerstört werden:
http://www.ksta.de/html/artikel/1333640821724.shtml )

X. Soweit zur Causa Peiner/Pesch. Bleibt die Doppelfrage: wenn das so war und wenn das so ist – wozu dann diese „Werkschau“ dieses Nazi-Malers? Und warum nicht Nazimaler Peiner rechts liegen lassen und stattdessen „vor-Ort“-Präsentationen der von den Nazis verfemten und verfolgten, sich ebenfalls auf das Sujet Eifel/Landschaft malerisch beziehender Künstler wie der linken Antifaschisten (Zu Barz (*30. August 1895 in Düsseldorf †19. Oktober 1982 in Margraten/Niederlande): Mathias Barz. Zum 85. Geburtstag des Künstlers. Ausstellung im Stadtmuseum Düsseldorf [10.-19.10. 1980];) Mathias Barz und Hanns Kralik versuchen?


Wilma Ruth Albrecht (*1947 in Ludwigshafen/Rhein) ist eine deutsche Sozial- und Sprachwissenschaftlerin (Lic; Dr.rer.soc.) mit den Arbeitsschwerpunkten Literatur-, Politik- und Architekturgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Sie lebt (seit 2005 als freie Autorin) in Bad Münstereifel. – Letzte Buchveröffentlichungen: Bildungsgeschichte/n (Aachen: Shaker, 2006) – Harry Heine (Aachen: Shaker, 2007) – Nachkriegsgeschichte/n (Aachen: Sha-ker, 2008). Die Autorin veröffentlichte 2007 das wiesenhausblatt – e-Blätter für Schöne Literatur (-> http://www.wiesenhausblatt.de) und arbeitet seit Ende 2008 an ihrer Romantrilogie des letzten Jahrhunderts EINFACH LEBEN. – Aktuell publizierte Wilma Ruth Albrecht literarisch in der Zeitschrift Chaussee 26/2010 die historische Erzählung Briefe an Jenny [Aus-wahl] sowie im Sammelband FLASCHEN POST (2011) die Dokumentarerzählung SPARTAKISTEN. Hochschulsommer neunzehnhundertsiebzig (-> http://gegen-den-strom.org) und wissenschaftlich in den Zeitschriften soziologie heute 14/2010 Wer von den Produktionsverhältnissen nicht reden will, sollte vom malerischen Schaffen schweigen: Illustrierte These zur Malerei als Prolegomena einer speziellen Soziologie der Künste und 20/2012 Heine als Soziologe, im FORUM WISSENSCHAFT 1/2012 über Kunst im antifaschistischen Exil und 2/2012 gegen Nazi-Kunst, im Kritiknetz ihre Parlamentarismus- und Psychiatriekritik (2009/10), im Jahrbuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung II/2010 Arbeiterbewegung und literarische Familienchronik, I/2011 zur „Sickingen-Debatte“ (Marx – Engels – Lassalle) und II/2012 zur Liberalismusdebatte in der DDR und in Aufklärung und Kritik I/2008 Rechtsstaat als Ideologie, II/2009 Psychologie ohne Logos, III/2011 zur Vergangenheit deutscher Diplo-maten und IV/2011 Feuerbachs Religionskritik und der historisch-dialektische Materialismus.

Externe Links

http://de.wikipedia.org/wiki/Wilma_Ruth_Albrecht
http://www.grin.com/profile/16255/wilma-ruth-albrecht
http://soziologieheute.wordpress.com/2010/09/29/ruth-wilma-albrecht/
http://www.shaker.de/de/content/catalogue/index.asp?lang=de&ID=21&ISBN=978-3-8322-6506-9
https://portal.dnb.de/opac.htm?method=showFirstResultSite&currentResultId=wilma+ruth+albrecht%26any&currentPosition=20

zuletzt Hans-Dieter Arntz: http://www.hans-dieter-arntz.de/der_maler_otto_pankok.html – Zu Kralik (*27. Mai 1900 in Neufeld an der Leitha †9. Mai 1971 in Düsseldorf) zuletzt Sylvia Brecht; Ines Grau; Jürgen Schuh u.a., Gesichter des deutschen Widerstandes. Lya und Hanns Kralik. Hg. Aktion Sühne-zeichen Friedensdienste; Foyer le Pont, Paris; VVN-BdA [Düsseldorf 2010]; Wilma Ruth Albrecht, „Mensch – wie stolz das klingt“: Über Künstler, Kunst & Gesellschaft; FORUM WISSENSCHAFT 1/2012: 58-61

© Autorin (2012)

http://www.kunstundkultur-online.de/kuenstler.html#eifel

Wir als Antifa fragen uns schon, was so das Treiben des Herr Pesch in Kommern als Verantwortlicher über 27 Jahre war?
Schüler, Schulklassen und Familie besuchten dort die von Pesch zusammen gestellten Ausstellungen und Informationenveranstaltungen!
Wurde dort auch die NS-Zeit relativiert, rehablisiert oder verharmlost?
Haben wir deshalb so viele Neonazis hier in der Region?
Fragen über Fragen? Die Antworten suchen und verlangen!

Nur kurz, wir sind nicht für Verbote! Verbote bringen nichts – Aufklärung und Auseinandersetzung mit den Dingen tut Gut! Dann wirds schon!

Rede zur inhaltlichen Auseinandersetzung zur Kunstausstellung des Nazi Künstlers Werner Peiner in Gemünd von 19.5. bis 26.8.2012

Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Menschen, liebe Genossinnen und Genossen,

Heute wird hier eine Ausstellung mit Bildern des Malers Werner Peiner eröffnet. Der Kurator Dr. Dieter Pesch sagt zwar, die Ausstellung setze sich „kritisch“ mit Peiner auseinander, doch die Art und Weise mit der er an das Thema herangeht, macht auf uns, die Antifa Euskirchen/Eifel den Eindruck, dass hier sehr viel relativiert und NS-Propaganda verherrlicht wird.

Erst einmal möchten wir kurz erläutern, wer Werner Peiner war.

Werner Peiner wurde am 20. Juli 1897 in Düsseldorf geboren. Nach dem I. Weltkrieg, an dem er als Freiwilliger von 1914 bis 1918 teilgenommen hatte, studierte er ab 1919 an der Düsseldorfer Kunstakademie. 1920 bis 1923 war er mit zwei Meisterschülern in der „Dreimannwerkstatt“ aktiv, in der sie mit Bemalungen von Wandteppichen experimentierten. Zunächst galt Peiner als Vertreter der „Neuen Sachlichkeit“ und war an der Ausstellung von Gustav Hartlaub beteiligt, die diesen Kunststil begründete.
Dort fanden sich Arbeiten von Peiner neben denen von George Grosz, Max Beckmann, Otto Dix, Rudolf Schlichter und anderen, die einen realistischen Malereistil propagierten und einen sozialkritischen bis sozialistisch/revolutionären Ansatz vertraten. Peiner gehörte jedoch im Unterschied zu den sich mehrheitlich fortschrittlich verstehenden Künstlern zu den »Neoromantikern«, die im Laufe der Zeit eine rechtskonservative Gegenpositionen zu den kritisch/urbanen Inhalten der
Neuen Sachlichkeit einnahmen.

Er vertrat also auch schon vor 1933 reaktionäre Positionen und sympathisierte auch mit den Nazis.


Warum wird gerade in der jetzigen Zeit, gerade nach den aufgedeckten Neonazi Terrorzellen NSU Morden und alle der Neonazi Gewalt und Gruppen hier in der Region, NS Blut & Boden Nazikünstler Peiner gezeigt! Politisches demokratisches und gesamt gesellschaftliches richtiges Bewusstsein kann das nicht sein? Oder doch? Wir bleiben weiterhin kritisch an der sogenannten aufgeklärten bürgerlichen Mitte dran!

Er galt als Lieblingsmaler Hermann Görings, was seinen Aufstieg zum nationalsozialistischen Staatskünstler beförderte. 1933 wurde er an der Düsseldorfer Akademie zum Professor für Monumentalmalerei berufen und vom „zweiten Mann des Dritten Reiches“ in den folgenden Jahren großzügig protegiert.

1934 löste Peiner seine Kunstklasse aus dem Akademiebetrieb, um in Kronenburg in der Eifel zu arbeiten. 1935 entstand daraus die „Landakademie“, aus der 1937 die Hermann-Göring-Meisterschule hervorging, eine selbstständige Kunstschule, die für den NS-Staat Modellcharakter besaß. Die Spezialität Peiners, der 1937 in die NSDAP eintrat, war die Herstellung großer Wandteppiche, mit denen er u. a. das Reichsluftfahrtministerium und Görings Landsitz Carinhall ausstaffierte. Ehrungen für Peiner ließen nicht auf sich warten. 1937 erfolgte seine Ernennung zum Mitglied der Preußischen Akademie der Künste, 1940 die Auszeichnung als Preußischer Staatsrat. 1939 erhielt Peiner den Auftrag, die Neue Reichskanzlei in Berlin mit acht Wandteppichen „deutscher Schicksalsschlachten“ in den Maßen 540 cm x 1000 cm auszustatten.
Zusammen stellten die ausgewählten Ereignisse ein Programm dar, das den Nationalsozialismus als Vollstrecker der deutschen Geschichte legitimieren sollte.
1944 wurde Werner Peiner von Adolf Hitler in die „Gottesbegnadeten-Liste“ als einer der 12 wichtigsten bildenden NS-Künstler aufgenommen und sollte nach einem gewonnen Krieg gemeinsam mit Albert Speer und Arno Breker Berlin zur „Welthauptstadt Germania“ umgestalten.

Auch nach 1945 stellte er seine nationalsozialistischen und antisemitischen Überzeugungen nie in Frage.

Er war also nicht nur irgendein Künstler, der sich in den Dienst Nazi-Deutschlands stellte, sondern er beteiligte sich maßgeblich und aus Überzeugung an der Verbreitung von Blut-und-Boden-Propaganda im Deckmantel der Kunst.
So half er bewusst mit, eine Ideologie zu verbreiten und zu verfestigten, die zur systematischen Ermordung von 6 Mio. Jüdinnen und Juden und von an die 500.000 Sinti und Roma führte.

Wir sind der Überzeugung, dass man so einen Maler nicht problemlos ausstellen kann. Wenn er ausgestellt wird, dann muss zugleich gezeigt werden, wohin seine sogenannte „Kunst“ geführt hat. Pesch hätte neben jedes Bild von Peiner ein Bild von Auschwitz hängen müssen, denn Peiner denken heißt Auschwitz denken.


Bei den neonazistischen Arndt – Verlag (Mehr Infos unter http://www.netz-gegen-nazis.de/artikel/arndt-verlag) zum Kauf angebotene Peiner Bilder – Hier speziell, das Bild mit den Bauern und der Eifellandschaft „Deutsche Erde“, welches auch in Kunstforum Eifel präsentiert und ausgestellt wird!

Doch dies tun Pesch und das Kunstforum Eifel nicht. Sie stellen noch nicht einmal die Werke eines im Nationalsozialismus verfolgten Künstlers parallel zu Peiner aus, wie es im Vorfeld der Ausstellung diskutiert worden ist.
Das einzige was Pesch und das Kunstforum Eifel tun, um den Nazi Werner Peiner ach so kritisch zu hinterfragen, ist, ein knapp 50 Euro teures Begleitbuch zu verkaufen und 30 Texttafeln (im Vergleich zu 70 Bildern) anzubringen.

Das Begleitbuch wird den meisten Besucher*innen wohl zu teuer sein, und 30 Texttafeln reichen bei 70 Bildern unserer Meinung nach nicht aus, um einem kritischen und aufklärerischen Anspruch gerecht zu werden.
Vielmehr erweckt dies bei uns den Eindruck, dass diese Ausstellung eben nicht nur eine „historische Dokumentation“, sondern auch eine Kunstaustellung sein soll.
Dazu passt auch, dass der Kurator Pesch Anfang diesen Monats in der Aachener Zeitung von Peiners Malstil schwärmte: Er bescheinigte Peiner, „dass er ein hervorragender Techniker gewesen sei. Keiner habe die Temperamalerei nach dem Mittelalter so beherrscht wie er. Er habe das Potenzial gehabt, ein großer Künstler zu werden.“

Hinzu kommt, dass der Titel der Ausstellung „Werner Peiner – Verführer oder Verführter“ an sich schon einen relativierenden Charakter hat. Mit diesen Bezeichnungen wird geleugnet, dass sich die Menschen in der NSZeit frei entscheiden konnten, ob sie die Nazis aktiv unterstützen, sie tolerieren oder sich ihnen aber aktiv widersetzen wollten.
Es gab zahlreiche Künstler, wie etwa Otto Pankok, die sich gegen die Nazis und ihre Ideologie stellten. Werner Peiner tat dies nicht, er unterstützte die Nazis bewusst und wird nun von Pesch auch noch indirekt zum Opfer gemacht. In dem Begleitbuch kommen Pesch und sein Sohn so auch zu dem Schluss:

„Es war sein Hang nach Ruhm, der ihn verführte, nicht der Nationalsozialismus.“

Dies ist unserer Einschätzung nach vollkommener Bullshit, schließlich war Peiner auch schon vor 1933 und auch noch nach 1945 ein Nazi. Er wurde nicht „verführt“, sondern hat sich aus freien Stücken dazu entschieden, die menschenverachtende Ideologie der Nazis zu unterstützen.

Dr. Dieter Pesch hält Rede anlässlich der Peiner Ausstellung – Im Hintergrund die Blut & Boden Bilder Peiners, sowie das Bild links „Deutsche Erde“ von 1933, welches auch der neonazistische Arndt-Verlag verkauft und darbietet

Befürworter*innen der Ausstellung wie z.B. der FDP-Landtagsabgeordnete Ingo Wolf sagen, auch die dunklen Seiten der Geschichte gehörten ins Blickfeld. Da widersprechen wir auch gar nicht. Wir haben nichts dagegen, dass man sich mit Nazi-Propaganda beschäftigt, aber wenn dies so unkritisch und damit relativierend und verherrlichend geschieht wie hier bei dieser Peiner-Ausstellung, dann müssen wir uns als Antifaschistinnen und Antifaschisten ganz klar dagegen positionieren.

Die Peiner-Ausstellung ist dabei nicht das einzige Beispiel dafür, wie unkritisch in der Eifel mit der NS-Vergangenheit umgegangen wird. Auf der sogenannten „Ordensburg“ Vogelsang lässt sich ähnliches beobachten. Auch hier wird nicht genügend informiert, auch hier wird relativiert, auch hier werden Neonazis geduldet und es kommen immer wieder abstruse Ideen wie die eines Krimi- oder Film-Hotels ins Gespräch, die den Charakter von Vogelsang als Ort, an dem die Täter*innen des Nationalsozialismus ausgebildet wurden, weichspülen sollen. Selbst lokale Schulklassen haben ihren Schwimmunterricht in Hallenbad von Vogelsang, da es an Schwimmbädern in der Region fehlt. An NS Täter*innen Ort Vogelsang lernen Kinder und Jugendliche also schwimmen ohne den Hintergrund des Ortes auch nur annähernd zu beleuchten. Das ist ein Schandal.

Es ist also auch kein Wunder, dass Vogelsang regelmäßig von Neonazis besucht wird. So postierten im Sommer letzten Jahres Mitglieder der schon als terroristisch einzuschätzenden „Kameradschaft Aachener Land“ neben dem Fackelträger auf Vogelsang mit einem Transparent, und dieses Jahr kamen sogar Neonazis aus Hamm, Unna und Paderborn nach Vogelsang angereist. IP Vogelsang jedoch sieht keine Grund, diesen Neonazis einen Platzverweis zu erteilen, schließlich sieht man sich dort ja als „offenen Ort“. Die Befürchtung liegt nun nahe, dass die Peiner-Ausstellung genauso ein Pilgerort für Nazis werden wird wie Vogelsang.

Wie positioniert sich die Öffentlichkeit und die Presse in der Eifel dazu?

Zu Vogelsang gab es zwar einige kritische Berichte, die Peiner-Ausstellung wird jedoch kaum kritisch beleuchtet.

Geschwiegen wird auch, wenn alte und neue Nazis und Holocaustleugner*innen aus ganz Europa in der Eifel Kongresse abhalten. So ein Kongress fand bereits im November 2010 statt, im April 2011 sollte er an der Steinbachtalsperre wiederholt werden, was jedoch durch antifaschistische Interventionen verhindert werden konnte. Die Presse wurde auch informiert, doch sie hielt es nicht für nötig darüber zu berichten, dass sich die internationale Nazi-Elite hier in der Eifel trifft.

Wir sagen: Dieses Schweigen muss gebrochen werden! Wir treten dafür ein, dass Nazistrukturen offen gelegt und relativierende Formen der Geschichtsaufarbeitung wie in Vogelsang oder hier bei der Peiner-Ausstellung offen kritisiert werden!

In diesem Sinne:

Peiner.
Vogelsang.
Eifel.
Alles Scheiße!

Greifen wir die erzkonservativen Eifeler Verhältnisse an und treten wir gemeinsam ein für einen konsequenten Antifaschismus und für die befreite Gesellschaft!

Wenn ihr uns unterstützen wollt, dann meldet euch unter antifaeuskirchen@riseup.net, wir freuen uns über jede und jeden, der mit uns jede Form von Faschismus, Rassismus, Nationalismus und Geschichtsrevisionismus bekämpfen will!

Gegen die Peiner Werkausstellung im KunstForumEifel in Gemünd 19.05.–26.08.2012- Keine Rehabilitierung von Nazikunst!

Der nationalsozialistische Propagandamaler Werner Peiner wurde am 20. Juli 1897 in Düsseldorf geboren. Nach dem I. Weltkrieg, an dem er als Freiwilliger von 1914 bis 1918 teilgenommen hatte, studierte er ab 1919 an der Düsseldorfer Kunstakademie.

Keine Rehabilitierung von Nazikunst! – Gegen die Peiner Werkschau in Gemünd 19.5. bis 26.8.2012

Bereits 1920 gründete Peiner mit zwei Meisterschülern die »Dreimannwerkstätte«. Die Nachwuchskünstler experimentierten mit Bemalungen von Wandteppichen, die figürliche Szenen zeigten. Zwar löste sich die Gruppe 1923 wieder auf, doch blieben für Peiner große Textilbilder und Mosaiken ein wesentliches Thema.
Zunächst war er der »Neuen Sachlichkeit« zuzuordnen und an der legendären Ausstellung von Gustav Hartlaub 1925 in Mannheim beteiligt, mit welcher die Neue Sachlichkeit als Stilrichtung definiert wurde. Dort fanden sich Arbeiten von Peiner neben denen von George Grosz, Max Beckmann, Otto Dix, Rudolf Schlichter und anderen, die einen realistischen Malereistil propagierten und einen sozialkritischen bis sozialistisch/revolutionären Ansatz vertraten. Peiner gehörte im Unterschied zu den sich mehrheitlich fortschrittlich verstehenden Künstlern zu den »Neoromantikern«, die im Laufe der Zeit eine konservative Gegenpositionen zu den kritisch/urbanen Inhalten der Neuen Sachlichkeit einnahmen.

Plakate gegen Peiner Werkausstellung
Erläuterung über das Plakat siehe unten (1)

Werner Peiner, der schon vor 1933 mit den Nazis sympathisiert hatte, galt als Lieblingsmaler Hermann Görings, was seinen Aufstieg zum nationalsozialistischen Staatskünstler beförderte. 1933 wurde er an der Düsseldorfer Akademie zum Professor für Monumentalmalerei berufen und vom „zweiten Mann des Dritten Reiches“ in den folgenden Jahren großzügig protegiert.
1934 löste Peiner seine Kunstklasse aus dem Akademiebetrieb, um in Kronenburg in der Eifel zu arbeiten. 1935 entstand daraus die „Landakademie“, aus der 1937 die Hermann-Göring-Meisterschule hervorging, eine selbstständige Kunstschule, die für den NS-Staat Modellcharakter besaß. Die Spezialität Peiners, der 1937 in die NSDAP eintrat, war die Herstellung großer Wandteppiche, mit denen er u. a. das Reichsluftfahrtministerium und Görings Landsitz Carinhall ausstaffierte. Ehrungen für Peiner ließen nicht auf sich warten. 1937 erfolgte seine Ernennung zum Mitglied der Preußischen Akademie der Künste, 1940 die Auszeichnung als Preußischer Staatsrat.
1939 erhielt Peiner den Auftrag, die Neue Reichskanzlei in Berlin mit acht Wandteppichen „deutscher Schicksalsschlachten“ in den Maßen 540 cm x 1000 cm auszustatten.
Zusammen stellten die ausgewählten Ereignisse ein Programm dar, das den Nationalsozialismus als Vollstrecker der deutschen Geschichte legitimieren sollte.
1944 wurde Werner Peiner von Adolf Hitler in die „Gottesbegnadeten-Liste“ als einer der 12 wichtigsten bildenden NS-Künstler aufgenommen, ein Sonderstatus, denn generell befanden sich in dieser Aufstellung auch Künstler, welche nicht als Nazis galten.

Nach dem II. Weltkrieg war Peiner lediglich kurz interniert. 1948 kaufte er die Burg »Haus Vorst« in Leichlingen/Rheinland, wo er bis zu seinem Tod 1984 gut von seiner Arbeit als Maler leben konnte.

Kunst Forum Eifel
Kunst Forum Eifel stellt Nazikunst aus

Peiner hat seine nationalsozialistische Überzeugung nie in Frage gestellt. Die Werkschau des KunstForums Eifel (http://www.kunstforumeifel.de/)in Gemünd vom 19. Mai bis 26. August 2012 stellt einen erneuten Versuch dar, den braunen Maler und nationalsozialistische Kunst generell zu rehabilitieren. Dieses Anliegen ist nicht neu. Bereits 1956 gab es eine erste Peiner-Ausstellung in der Bundesrepublik, die allerdings auf große Kritik traf. Auch in den folgenden Jahren blieb der Umgang mit NS-Kunst in Deutschland umstritten. Eine grundsätzliche Diskussion über ihre Aufnahme in Ausstellungen und Museen löste 1986 der Industrielle und Kunstsammler Peter Ludwig aus. Da im gleichen Jahr die Regierung der USA einen Teil der „German War Art Collection“ an die Bundesrepublik übergab, kam dem Thema eine besondere Relevanz zu. Heute sind die Arbeiten im Deutschen Historischen Museum in Berlin verwahrt.

Seit den 1990er Jahren ist ein veränderter Umgang mit der Nazi-Kunst zu erkennen. Nicht wenige Wissenschaftler fordern die „Historisierung“ der zwischen 1933 – 1945 entstandenen Werke und damit eine unbefangenere Einordnung. Dabei gerät allzu gern in Vergessenheit, dass es bei NS-Kunst immer um die Zurschaustellung antidemokratischer, antisemitischer und rassistischer Propaganda geht

– damit kann es keinen Frieden geben!

Künstler Bernd Langer (Kunst und Kampf) & Antifa Euskirchen/Eifel 15.05.2012

Plakate und Flyer können bestellt werden unter:antifaeuskirchen@riseup.net

Facebook Event

Flyer gegen Peiner Werkausstellung

Kunst Forum EifelFlyer gegen Peiner Werkausstellung – Seite1
Kunst Forum EifelFlyer gegen Peiner Werkausstellung – Seite2

Reaktionen von lokalen und landesweiteren Künstlern

Thomas Mentzel

Thomas Mentzel

Thomas Mentzel

Kunst und Kampf – Bernd Langer

Bernd Langer

Bündnisse und Zivilgesellschaft gegen die Peiner Werkausstellunggegen

EgR:
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Das Bündnis „Eifel gegen Rechts“ (EgR) wird am 19. und 20. Mai in Gemünd verschiedene Angebote unter dem Motto „Nachdenken tut gut“ als Ergänzung zur umstrittenen Peiner-Ausstellung anbieten.
http://eifelgegenrechts.blogsport.de/2012/05/15/19-20-mai-gemuend-nachdenken-tut-gut/

BgR:
====
Das Bündnis gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt hat erhebliche Bedenken gegen die im KunstForumEifel in Schleiden-Gemünd stattfindende Ausstellung zum Nazi-Künstler Werner Peiner. Aus diesem Grund starten wir am Samstag, dem 19. Mai 2012, ab 11 Uhr mit unserem Kulturprogramm.
Der Künstler, Karl von Monschau, wird am Samstag, den 19.Mai 2012 zwischen 11-18:00 Uhr im ev. Gemeindezentrum in Gemünd eine Rauminstallation “Dinner-Tribunal der Entarteten” vorstellen. Dietrich Schubert von SchubertFilm präsentiert am Sonntag, den 20. Mai 2012 um 16:00 Uhr einen Film über den Maler Otto Pankok! Zu diesen Veranstaltungen laden wir Sie herzlich ein. http://eifeler-buendnis.bplaced.net/kontrast-kulturprogramm-zur-peiner-ausstellung/#more-37

Pressespiegel

Eifeler Presse Agentur vom 23.05.2012

Die Zeit vom 22.05.2012

Kölnische Rundschau vom 21.05.2012

Kölnische Rundschau vom 21.05.2012

Kölnische Rundschau vom 17.05.2012

Kölnische Rundschau vom 17.05.2012

Bürgerblog Blankenheim vom 16.05.2012

Kölner Stadt Anzeiger vom 16.05.2012

Kölner Stadt Anzeiger vom 16.05.2012

Indymedia Artikel vom 16.05.2012

Eifeler Presse Agentur vom 15.05.2012

Kölner Stadt Anzeiger vom 15.05.2012

Wochenspiegel vom 09.05.2012

Wochenspiegel vom 09.05.2012

Wochenspiegel Schleiden vom 09.05.2012

Input Aktuell vom 09.05.2012

Aachener Zeitung vom 08.05.2012

Eifeler Presse Agentur vom 07.05.2012

Kölnische Rundschau vom 05.05.2012

Kölnische Rundschau vom 05.05.2012

Kölner Stadt Anzeiger vom 17.04.2012

Kölner Stadt Anzeiger vom 07.04.2012

Kommentar im Kölner Stadt Anzeiger vom 07.04.2012

Kölnische Runschau vom 04.04.2012

Kommentar in der Kölnischen Rundschau vom 04.04.2012

Kölnische Rundschau vom 05.08.2011

Kölnische Rundschau vom 05.08.2011

Kölnische Rundschau vom 10.08.2011

Kölner Stadt Anzeiger vom 09.08.2011

Aachener Nachrichten vom 09.08.2011

Volksfreund vom 11.08.2011

Kölner Stadt Anzeiger vom 22.08.2011

Artefacti vom 26.08.2011

Kölner Stadt Anzeiger vom 14.09.2011

Grenzecho vom 05.09.2011

(1) Erläuterung Peiner Plakat

1939 erhielt der nationalsozialistische Propagandamaler Werner Peiner den Auftrag, acht
Wandteppiche für die Marmorgalerie der Reichskanzlei in Berlin mit „deutschen
Schicksalsschlachten“ in den Maßen 10 m x 5,40 m zu fertigen.

Zusammen stellten die ausgewählten Ereignisse ein Programm dar, das den Nationalsozialismus in
die Kontinuität deutscher Geschichte stellen sollte. Es handelte sich um:
- Die Schlacht im Teutoburger Wald, (Jahr 9);
- König Heinrich I. in der Ungarnschlacht, (15. März 933);
- Die Belagerung der Marienburg, (1410);
- Die Türken vor Wien, (1529);
- Friedrich der Große bei Kunersdorf, (12. August 1759);
- Die Schlacht bei Leipzig, (16. – 18. Oktober 1813);
- Die Tankschlacht von Cambrai, (20. November – 7. Dezember 1917);

Der achte, nicht überlieferte Entwurf, sah ein Ereignis aus der NS-Zeit vor, also eine entscheidende
Schlacht aus dem II. Weltkrieg.

Plakatabbildung

Die Abbildung auf dem Plakat zeigt einen Ausschnitt aus dem Wandteppich „Die Schlacht im
Teutoburger Wald“, auf welchem eine Darstellung des Cherusker-Fürsten Arminius umgeben von
germanischen Kriegern zu sehen ist. Allerdings wurde die vierfarbige Originaldarstellung auf eine
grün/weiße reduziert.

Bei der Schlacht im Teutoburger Wald im Jahr 9 unserer Zeitrechnung erlitten drei römische
Legionen samt Hilfstruppen, was einem Achtel des gesamten römischen Heeres entsprach, unter
ihrem Feldherren Varus eine vernichtende Niederlage gegen ein germanisches Heer unter Führung
des Arminius (zu deutsch: „Hermann“). Damit endeten die Versuche der Römer, sich das
rechtsrheinische Gebiet Germaniens zu unterwerfen.
Mit dem Aufkommen der Romantik und des Nationalismus, vor allem während der
Befreiungskriege gegen Napoleon (1813 – 1815), wurde Arminius zu einer nationalen Leitfigur –
und ist es bis heute geblieben.(*)

Insbesondere die Nazis bezogen sich auf diesen nationalen Gründungsmythos. Mit dem
Wandteppich sollte der historische Anspruch der Nationalsozialisten auf die deutsche Geschichte
und ein neues, III. Reich in der Tradition des »Tausendjährigen Reiches« unterstrichen werden. Das
I. Deutsche Reich, auch »Heiliges römisches Reich deutscher Nation« genannt, ging auf das
Frankenreich unter Karl dem Großen um 800 zurück und wurde offiziell erst im Jahre 1806 von
Napoleon Bonaparte aufgelöst. Das II. Reich, als „Deutsches Kaiserreich“ bezeichnet, bestand von
1871 bis 1918.

Die nationalsozialistische Agitation ist bei der abgebildeten Schlachtszene durch NS-Symbolik
unterstützt: im Ausschnitt kann man auf dem Schild des Arminius Sigrunen, wie sie auch von der
SS benutzt wurden, erkennen.
________________________

(*) Die Orte der Schlacht wurden an verschiedenen Stellen vermutet. Früher ging man vom
Teutoburger Wald aus, wo das kolossale Hermannsdenkmal bei Detmold seit 1875 an die Schlacht
erinnert. Seit Ende der 1980er Jahre wurden systematische archäologische Grabungen an einem
Fundort in Kalkfriese am Wiehengebirge im Osnabrücker Land durchgeführt. Viele Indizien
sprechen dafür, dass dies der Ort des antiken Geschehens gewesen sein könnte. Seit dem Jahr 2000
existiert dort der »Museumspark Varusschlacht« mit einem 40 Meter hohen Aussichtsturm, von dem
aus das Schlachtfeld überblickt werden kann, das man sich zu Fuß über verschiedene Stationen
erschließt. In einem großen Museumsbau sind mehr als 3000 Fundstücke zu finden.
Da diese versteckten Anspielungen Werner Peiners nicht ausreichen, um das Bild auf den ersten
Blick als Propaganda zu identifizieren, wurde ein großes, bräunliches Hakenkreuz aufgelegt, dessen
textiler Hintergrund zudem die gewebte Struktur der Vorlage verdeutlicht.
Die rot unterlegten Textbereiche des Plakates heben die in grün gehaltene Abbildung in ihrer Mitte
hervor. Dieser Effekt ergibt sich unter anderem daraus, dass rot und grün Komplementärfarben
sind, sich im Farbspektrum also gegenüber stehen.
Betrachtet man das Plakat von weitem, sticht besonders das Hakenkreuz hervor. Es macht deutlich,
dass es sich hier um Nazi-Kunst handelt, gegen die es vorzugehen gilt.
Bernd Langer, Mai 2012

Thilo Sarrazin am Donnerstag, 10. Mai 2012, 20:00 Uhr Prüm, Aula der Ex-Hauptschule auf der Eifel Literatur Festival – Offene Briefe zur Sarrazin-Lesung und zur Peiner-Ausstellung von 19.5. bis 26.8.2012 in Gemünd in Eifel Kunst Forum!


Tinnitus für Sarrazin-Elite


Rassisten und Antisemiten keinen Fussbreit! – Struktruellen Rassismus und Alltagsrassismus bekämpfen!

Kein Podium und Raum für Rassisten und Sozialchauvinisten!

Offene Briefe von Bündnis gegen Rechts (BgR), Eifel gegen Rechts (EgR) und Antifa Euskirchen/Eifel (AFA EU/Eifel) an den Veranstalter, die Vortragenden und die weltweite Öffentlichkeit!:

Bündnis gegen Rechts (BgR) und Eifel gegen Rechts (EgR):


.
.
.

Offener Brief

des Bündnis Eifel-gegen-Rechts &
des Eifeler Bündnis gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt

zur Sarrazin-Lesung am 10. Mai 2012 in Prüm und
zur Peiner-Ausstellung vom 20. Mai bis 26. August 2012 in Gemünd

Wir verfolgen seit Monaten mit wachsender Sorge und Unverständnis, dass Kulturveranstalter damaligen Nazi-Künstlern in Gemünd und heutigen Rechtspopulisten in Prüm Podien verschaffen.

Der laut Hitler gottbegnadete Maler Peiner war bis Lebensende bekennender Nationalsozialist, der erheblich von der Nazi-Zeit profitiert hat und bis heute von Alt- und Neonazis hofiert wird.

Thilo Sarrazin verbreitet durch sein Buch und bei seinen Auftritten rassistische, antisemitische und sozialdarwinistische Thesen, die ein gesellschaftliches Klima verstärken, in dem Mitbürger diskriminiert und ausgrenzt werden und sie zu Opfern neonazistischer Übergriffe, bis hin zu Ermordung, macht.

Die für solche Veranstaltungen angeblich legitimierende zivilgesellschaftliche Diskussion ist inzwischen geprägt durch Schuldvorwürfe, Polemiken etc.
Und vor allem durch die mangelnde Kooperationsbereitschaft der Kulturveranstalter bei einem Thema, das alle angeht und nur gemeinsam zu stemmen ist.
Deshalb:

Sehr geehrter Herr Dr. Josef Zierden,
Sehr geehrter Herr Dr. Dieter Pesch

Sie spielen mit Feuer.
Sie rufen damit braune Geister, die uns alle bedrohen und die wir nicht mehr los werden.

Bitte sagen Sie die Lesung mit Sarrazin und die Ausstellung zu Peiner ab.
Das Thema ist zu ernst für Profilierungen.

Mit freundlichen Grüßen

Franz-Josef Mörsch jr. für das Bündnis Eifel-gegen-Rechts &
Christoph Ude für das Eifeler Bündnis gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt

=> www.eifelgegenrechts.blogsport.de ;
=> http://eifeler-buendnis.bplaced.net

- – – – – – – – – – – – – – -

Link => Offener Brief zu Sarrazin und Peiner als PDF

(Antifa EU/Eifel):

German Version

An
Jussi Adler-Olsen
Dieter Moor
Hans Küng
Ranga Yogeshwar
Ferdinand von Schirach
Donna Leon
und Richard David Precht

Sehr geehrte Damen und Herren,

Zum „Eifel Literatur Festival 2012“, bei dem Sie auftreten wollen, ist u.a. auch der Rassist Thilo Sarrazin eingeladen, der dort aus seiner Hetzschrift „Deutschland schafft sich ab“ lesen wird.
Wir haben den Veranstalter des Literatur-Festivals, Josef Zierden, bereits in einem offenen Brief darum gebeten, Sarrazin auszuladen.(1) Über diesen offenen Brief wurde auch in den Lokalmedien berichtet.(2) Von Zierden haben wir bisher keine Antwort erhalten, stattdessen wird im Newsletter des Festivals Sarrazin abgefeiert und „gegen „Grüne und Linke“ gehetzt, die versuchen würden „dem ganzen Festival den Garaus zu machen.“

In seiner Hetzschrift „Deutschland schafft sich ab“ behauptet Thilo Sarrazin, Intelligenz sei größtenteils durch die Gene bestimmt, weshalb einige „Völker“ weniger intelligent seien als andere. Obwohl Sarrazin stets behauptet, seine Thesen seien wissenschaftlich belegt, widersprechen seriöse Wissenschaftler ihm. Der „Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland (VBIO e. V.)“ klärte in einer Pressemitteilung über den tatsächlichen Stand der Wissenschaft auf. Demnach sind „die [genetischen] Unterschiede innerhalb von Populationsgruppen etwa 5-fach höher als zwischen ihnen.“ und weiter heißt es dort: „Dass es bei Volksgruppen genetische Unterschiede in Bezug auf Intelligenzleistungen geben könnte, ist nach dem gegenwärtigen Stand des Wissens nicht zu erwarten.“(3)
Aufbauend auf seiner Falschbehauptung fordert Sarrazin einen Zuwanderungsstopp und eine Reinhaltung der deutschen „Volksgemeinschaft“. Diese verglich er bei einem Auftritt im sächsischen Döbeln mit einer edlen Pferderasse: „Stellen sie sich vor, dies sei ein Gestüt mit Lipizzanerpferden. Und irgendwie wird in jeder Generation ein belgischer Ackergaul eingekreuzt. Völlig klar, die genetisch bedingte Fähigkeit zum Laufen sinkt“.(4)
Seine Thesen erinnern stark an die pseudowissenschaftliche Rassenlehre der Nazis, die vor 70 Jahren zum Holocaust führte. Thilo Sarrazin ist genauso wie die Nazis der Ansicht, es gebe eine deutsche „Volksgemeinschaft“, die „rein“ gehalten werden müsse. Da ist es auch kein Wunder, dass Thilo Sarrazin sich nicht von der neonazistischen NPD distanzieren will: „Wenn die NPD sagt, die Erde ist rund, werde ich nicht sagen, die Erde ist flach“.(5)

Wir wenden uns an Sie, da Sie als Gäste auf dem Literatur-Festival Druck auf den Veranstalter ausüben können: Wir bitten Sie darum, ihren Auftritt abzusagen, falls Zierden Sarrazin nicht ausladen sollte. Ein Festival, bei dem rassistischen Hetzern wie Sarrazin ein Podium geboten wird, sollten Sie nicht unterstützen!

Mit freundlichen Grüßen,

Antifa Euskirchen / Eifel

Eifel, Februar 2012


(1) http://antifaeifel.blogsport.de/2011/12/14/offener-brief-an-dr-josef-zierden-organisator-des-eifel-literatur-festivalswegen-
des-auftriits-von-thilo-sarrazin-an-10-5-2012-in-pruem/
(2) http://www.euskirchen-online.ksta.de/html/artikel/1325073786877.shtml
(3) http://idw-online.de/pages/de/news384817
(4) http://www.taz.de/!85130/
(5) http://www.taz.de/!85130/

Offener Brief an Autor*innen des „Eifel Literatur Festivals 2012“ wegen des Auftritts von Thilo Sarrazin an 10.5.2012. Mitte Februar 2011 – German Version [PDF]

Weiteres Material:

Offener Brief an Dr. Josef Zierden, Organisator des Eifel Literatur Festivals wegen des Auftritts von Thilo Sarrazin an 10.5.2012. Anfang Dezember 2011 [PDF]


Der Wille zur Ausgrenzung – Vortrag zu Thilo Sarrazin – Vortrag & Diskussion Euskirchen August 2010, ca. 17 Minuten – MP3

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English Version

To
Jussi Adler-Olsen
Dieter Moor
Hans Küng
Ranga Yogeshwar
Ferdinand von Schirach
Donna Leon
and Richard David Precht

Dear Ladies and Gentlemen,

The “Eifel Literatur Festival 2012“, that you are taking part in, also invited the racist Thilo Sarrazin to read from his propaganda book “Deutschland schafft sich ab” (“Germany abolishes itself”).
In an open letter, we already asked the organizer of the literature festival, Josef Zierden, to cancel Sarrazin’s invitation.(1) The local media reported on this open letter as well.(2) Zierden, however did not reply us yet, instead, in the festival’s newsletter, Sarrazin was being praised and it was agitated against “greens and leftists” who would be trying to “put an end to the whole festival”.

In his propaganda book “Deutschland schafft sich ab” (“Germany abolishes itself”), Thilo Sarrazin said that intelligence was mainly determined by the genes and thus, some “peoples” (e.g. Muslims) were less intelligent than others. Even Though Sarrazin always states his theses were scientifically proven, reputable scientists contradict him. The “Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland (VBIO e. V.)” (“Association Biology, life sciences and biomedicine in Germany”) clarified the actual state of science in a press release: “the [genetic] differences within population groups are ca 5 times higher than between them” and “according to the present state of research it cannot be expected that there are genetic differences between ethnic groups concerning their intelligence”.(3)
Based on his false statement, Sarrazin demands an immigration stop and keeping “pure” the German “people”. In Döbeln, Saxony, he compared the German “people” to a noble breed of horse: “Imagine it was a stud farm with Lipizzan horses. And in every generation, they are somehow crossed with a Belgian cart-horse. It is totally clear that they lose their genetically determined ability to run.”(4)
His theses resemble the pseudo-scientific race theory of the Nazis, that lead to the holocaust 70 years ago. Thilo Sarrazin shares the Nazis‘ opinion, that there is a German “people” that needs to be kept “pure”. Therefore, it is no wonder that Thilo Sarrazin does not want to distance himself from the German Neonazi-Party NPD: “When the NPD says the earth is round, I will not say the earth is flat”.(5)

We contact you, because as you are guests of the literature festival, you can put pressure on the organzier: We ask you to cancel your reading if Zierden does not cancel Sarrazin’s reading. You should not support a festival, that offers racists like Sarrazin a platform for their propaganda!

Sincerely yours,

Antifa Euskirchen / Eifel

Eifel, February 2012


(1) http://antifaeifel.blogsport.de/2011/12/14/offener-brief-an-dr-josef-zierden-organisator-des-eifel-literatur-festivalswegen-
des-auftriits-von-thilo-sarrazin-an-10-5-2012-in-pruem/
(2) http://www.euskirchen-online.ksta.de/html/artikel/1325073786877.shtml
(3) http://idw-online.de/pages/de/news384817
(4) http://www.taz.de/!85130/
(5) http://www.taz.de/!85130/

Open letter to the authors of the „Eifel Literatur Festivals 2012“ against the show of Thilo Sarrazin at 5/10/2012. Mid February 2011 – English Version [PDF]