Rede zur inhaltlichen Auseinandersetzung zur Kunstausstellung des Nazi Künstlers Werner Peiner in Gemünd von 19.5. bis 26.8.2012

Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Menschen, liebe Genossinnen und Genossen,

Heute wird hier eine Ausstellung mit Bildern des Malers Werner Peiner eröffnet. Der Kurator Dr. Dieter Pesch sagt zwar, die Ausstellung setze sich „kritisch“ mit Peiner auseinander, doch die Art und Weise mit der er an das Thema herangeht, macht auf uns, die Antifa Euskirchen/Eifel den Eindruck, dass hier sehr viel relativiert und NS-Propaganda verherrlicht wird.

Erst einmal möchten wir kurz erläutern, wer Werner Peiner war.

Werner Peiner wurde am 20. Juli 1897 in Düsseldorf geboren. Nach dem I. Weltkrieg, an dem er als Freiwilliger von 1914 bis 1918 teilgenommen hatte, studierte er ab 1919 an der Düsseldorfer Kunstakademie. 1920 bis 1923 war er mit zwei Meisterschülern in der „Dreimannwerkstatt“ aktiv, in der sie mit Bemalungen von Wandteppichen experimentierten. Zunächst galt Peiner als Vertreter der „Neuen Sachlichkeit“ und war an der Ausstellung von Gustav Hartlaub beteiligt, die diesen Kunststil begründete.
Dort fanden sich Arbeiten von Peiner neben denen von George Grosz, Max Beckmann, Otto Dix, Rudolf Schlichter und anderen, die einen realistischen Malereistil propagierten und einen sozialkritischen bis sozialistisch/revolutionären Ansatz vertraten. Peiner gehörte jedoch im Unterschied zu den sich mehrheitlich fortschrittlich verstehenden Künstlern zu den »Neoromantikern«, die im Laufe der Zeit eine rechtskonservative Gegenpositionen zu den kritisch/urbanen Inhalten der
Neuen Sachlichkeit einnahmen.

Er vertrat also auch schon vor 1933 reaktionäre Positionen und sympathisierte auch mit den Nazis.


Warum wird gerade in der jetzigen Zeit, gerade nach den aufgedeckten Neonazi Terrorzellen NSU Morden und alle der Neonazi Gewalt und Gruppen hier in der Region, NS Blut & Boden Nazikünstler Peiner gezeigt! Politisches demokratisches und gesamt gesellschaftliches richtiges Bewusstsein kann das nicht sein? Oder doch? Wir bleiben weiterhin kritisch an der sogenannten aufgeklärten bürgerlichen Mitte dran!

Er galt als Lieblingsmaler Hermann Görings, was seinen Aufstieg zum nationalsozialistischen Staatskünstler beförderte. 1933 wurde er an der Düsseldorfer Akademie zum Professor für Monumentalmalerei berufen und vom „zweiten Mann des Dritten Reiches“ in den folgenden Jahren großzügig protegiert.

1934 löste Peiner seine Kunstklasse aus dem Akademiebetrieb, um in Kronenburg in der Eifel zu arbeiten. 1935 entstand daraus die „Landakademie“, aus der 1937 die Hermann-Göring-Meisterschule hervorging, eine selbstständige Kunstschule, die für den NS-Staat Modellcharakter besaß. Die Spezialität Peiners, der 1937 in die NSDAP eintrat, war die Herstellung großer Wandteppiche, mit denen er u. a. das Reichsluftfahrtministerium und Görings Landsitz Carinhall ausstaffierte. Ehrungen für Peiner ließen nicht auf sich warten. 1937 erfolgte seine Ernennung zum Mitglied der Preußischen Akademie der Künste, 1940 die Auszeichnung als Preußischer Staatsrat. 1939 erhielt Peiner den Auftrag, die Neue Reichskanzlei in Berlin mit acht Wandteppichen „deutscher Schicksalsschlachten“ in den Maßen 540 cm x 1000 cm auszustatten.
Zusammen stellten die ausgewählten Ereignisse ein Programm dar, das den Nationalsozialismus als Vollstrecker der deutschen Geschichte legitimieren sollte.
1944 wurde Werner Peiner von Adolf Hitler in die „Gottesbegnadeten-Liste“ als einer der 12 wichtigsten bildenden NS-Künstler aufgenommen und sollte nach einem gewonnen Krieg gemeinsam mit Albert Speer und Arno Breker Berlin zur „Welthauptstadt Germania“ umgestalten.

Auch nach 1945 stellte er seine nationalsozialistischen und antisemitischen Überzeugungen nie in Frage.

Er war also nicht nur irgendein Künstler, der sich in den Dienst Nazi-Deutschlands stellte, sondern er beteiligte sich maßgeblich und aus Überzeugung an der Verbreitung von Blut-und-Boden-Propaganda im Deckmantel der Kunst.
So half er bewusst mit, eine Ideologie zu verbreiten und zu verfestigten, die zur systematischen Ermordung von 6 Mio. Jüdinnen und Juden und von an die 500.000 Sinti und Roma führte.

Wir sind der Überzeugung, dass man so einen Maler nicht problemlos ausstellen kann. Wenn er ausgestellt wird, dann muss zugleich gezeigt werden, wohin seine sogenannte „Kunst“ geführt hat. Pesch hätte neben jedes Bild von Peiner ein Bild von Auschwitz hängen müssen, denn Peiner denken heißt Auschwitz denken.


Bei den neonazistischen Arndt – Verlag (Mehr Infos unter http://www.netz-gegen-nazis.de/artikel/arndt-verlag) zum Kauf angebotene Peiner Bilder – Hier speziell, das Bild mit den Bauern und der Eifellandschaft „Deutsche Erde“, welches auch in Kunstforum Eifel präsentiert und ausgestellt wird!

Doch dies tun Pesch und das Kunstforum Eifel nicht. Sie stellen noch nicht einmal die Werke eines im Nationalsozialismus verfolgten Künstlers parallel zu Peiner aus, wie es im Vorfeld der Ausstellung diskutiert worden ist.
Das einzige was Pesch und das Kunstforum Eifel tun, um den Nazi Werner Peiner ach so kritisch zu hinterfragen, ist, ein knapp 50 Euro teures Begleitbuch zu verkaufen und 30 Texttafeln (im Vergleich zu 70 Bildern) anzubringen.

Das Begleitbuch wird den meisten Besucher*innen wohl zu teuer sein, und 30 Texttafeln reichen bei 70 Bildern unserer Meinung nach nicht aus, um einem kritischen und aufklärerischen Anspruch gerecht zu werden.
Vielmehr erweckt dies bei uns den Eindruck, dass diese Ausstellung eben nicht nur eine „historische Dokumentation“, sondern auch eine Kunstaustellung sein soll.
Dazu passt auch, dass der Kurator Pesch Anfang diesen Monats in der Aachener Zeitung von Peiners Malstil schwärmte: Er bescheinigte Peiner, „dass er ein hervorragender Techniker gewesen sei. Keiner habe die Temperamalerei nach dem Mittelalter so beherrscht wie er. Er habe das Potenzial gehabt, ein großer Künstler zu werden.“

Hinzu kommt, dass der Titel der Ausstellung „Werner Peiner – Verführer oder Verführter“ an sich schon einen relativierenden Charakter hat. Mit diesen Bezeichnungen wird geleugnet, dass sich die Menschen in der NSZeit frei entscheiden konnten, ob sie die Nazis aktiv unterstützen, sie tolerieren oder sich ihnen aber aktiv widersetzen wollten.
Es gab zahlreiche Künstler, wie etwa Otto Pankok, die sich gegen die Nazis und ihre Ideologie stellten. Werner Peiner tat dies nicht, er unterstützte die Nazis bewusst und wird nun von Pesch auch noch indirekt zum Opfer gemacht. In dem Begleitbuch kommen Pesch und sein Sohn so auch zu dem Schluss:

„Es war sein Hang nach Ruhm, der ihn verführte, nicht der Nationalsozialismus.“

Dies ist unserer Einschätzung nach vollkommener Bullshit, schließlich war Peiner auch schon vor 1933 und auch noch nach 1945 ein Nazi. Er wurde nicht „verführt“, sondern hat sich aus freien Stücken dazu entschieden, die menschenverachtende Ideologie der Nazis zu unterstützen.

Dr. Dieter Pesch hält Rede anlässlich der Peiner Ausstellung – Im Hintergrund die Blut & Boden Bilder Peiners, sowie das Bild links „Deutsche Erde“ von 1933, welches auch der neonazistische Arndt-Verlag verkauft und darbietet

Befürworter*innen der Ausstellung wie z.B. der FDP-Landtagsabgeordnete Ingo Wolf sagen, auch die dunklen Seiten der Geschichte gehörten ins Blickfeld. Da widersprechen wir auch gar nicht. Wir haben nichts dagegen, dass man sich mit Nazi-Propaganda beschäftigt, aber wenn dies so unkritisch und damit relativierend und verherrlichend geschieht wie hier bei dieser Peiner-Ausstellung, dann müssen wir uns als Antifaschistinnen und Antifaschisten ganz klar dagegen positionieren.

Die Peiner-Ausstellung ist dabei nicht das einzige Beispiel dafür, wie unkritisch in der Eifel mit der NS-Vergangenheit umgegangen wird. Auf der sogenannten „Ordensburg“ Vogelsang lässt sich ähnliches beobachten. Auch hier wird nicht genügend informiert, auch hier wird relativiert, auch hier werden Neonazis geduldet und es kommen immer wieder abstruse Ideen wie die eines Krimi- oder Film-Hotels ins Gespräch, die den Charakter von Vogelsang als Ort, an dem die Täter*innen des Nationalsozialismus ausgebildet wurden, weichspülen sollen. Selbst lokale Schulklassen haben ihren Schwimmunterricht in Hallenbad von Vogelsang, da es an Schwimmbädern in der Region fehlt. An NS Täter*innen Ort Vogelsang lernen Kinder und Jugendliche also schwimmen ohne den Hintergrund des Ortes auch nur annähernd zu beleuchten. Das ist ein Schandal.

Es ist also auch kein Wunder, dass Vogelsang regelmäßig von Neonazis besucht wird. So postierten im Sommer letzten Jahres Mitglieder der schon als terroristisch einzuschätzenden „Kameradschaft Aachener Land“ neben dem Fackelträger auf Vogelsang mit einem Transparent, und dieses Jahr kamen sogar Neonazis aus Hamm, Unna und Paderborn nach Vogelsang angereist. IP Vogelsang jedoch sieht keine Grund, diesen Neonazis einen Platzverweis zu erteilen, schließlich sieht man sich dort ja als „offenen Ort“. Die Befürchtung liegt nun nahe, dass die Peiner-Ausstellung genauso ein Pilgerort für Nazis werden wird wie Vogelsang.

Wie positioniert sich die Öffentlichkeit und die Presse in der Eifel dazu?

Zu Vogelsang gab es zwar einige kritische Berichte, die Peiner-Ausstellung wird jedoch kaum kritisch beleuchtet.

Geschwiegen wird auch, wenn alte und neue Nazis und Holocaustleugner*innen aus ganz Europa in der Eifel Kongresse abhalten. So ein Kongress fand bereits im November 2010 statt, im April 2011 sollte er an der Steinbachtalsperre wiederholt werden, was jedoch durch antifaschistische Interventionen verhindert werden konnte. Die Presse wurde auch informiert, doch sie hielt es nicht für nötig darüber zu berichten, dass sich die internationale Nazi-Elite hier in der Eifel trifft.

Wir sagen: Dieses Schweigen muss gebrochen werden! Wir treten dafür ein, dass Nazistrukturen offen gelegt und relativierende Formen der Geschichtsaufarbeitung wie in Vogelsang oder hier bei der Peiner-Ausstellung offen kritisiert werden!

In diesem Sinne:

Peiner.
Vogelsang.
Eifel.
Alles Scheiße!

Greifen wir die erzkonservativen Eifeler Verhältnisse an und treten wir gemeinsam ein für einen konsequenten Antifaschismus und für die befreite Gesellschaft!

Wenn ihr uns unterstützen wollt, dann meldet euch unter antifaeuskirchen@riseup.net, wir freuen uns über jede und jeden, der mit uns jede Form von Faschismus, Rassismus, Nationalismus und Geschichtsrevisionismus bekämpfen will!