Archiv für Juni 2012

An die „Weißwäscher“ von Nazi Propaganda & Nazi Kunst – Werner Peiner nach 1945

Gemünd/Leichlingen. Der NS-Künstler Werner Peiner (1897-1984), dessen Werke — von antifaschistischen Protesten begleitet – noch bis zum 26. August im KunstForum Eifel gezeigt werden, engagierte sich nach 1945 im neofaschistischen „Deutschen Kulturwerk Europäischen Geistes“ (DKEG). Dort gehörte er dem „Kreis der bildenden Künstler“ an und wurde sogar zum Ehrenmitglied des DKEG ernannt, das 1950 von Altnazis gegründet worden war. 1977 und 1981 zeigte Peiner seine Werke — neben anderen früheren NS-Künstlern – auf den Kunstausstellungen im Rahmen der „Tage deutscher Kultur“, die das DKEG jährlich durchführte. Die „Klüter Blätter“, das damalige Organ des DKEG, gratulierten Peiner 1972 zum 75.Geburtstag. Sein Werk werden „diese und kommende Ismenstürme überdauern. Warten wir die Tide ab“, hieß es darin. Die neofaschistischen „Deutschen Monatshefte“, Nachfolger der „Klüter Blätter“, ehrten Peiner, der nach 1945 u.a. Wandteppiche für den Kölner „Gerling“-Konzern und den äthiopischen Kaiser Haile Selassi geschaffen hatte, 1984 mit einem Nachruf.

Quellen zur Deutsches Kulturwerk Europäischen Geistes:

http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsches_Kulturwerk_Europ%C3%A4ischen_Geistes

- http://www.apabiz.de/archiv/material/Profile/DKEG.htm

- http://www.doew.at/frames.php?/projekte/rechts/organisation/dkeg.html

Bedeutung der DKEG:

Von Beginn an diente das DKEG neben der Erhaltung und Restauration einer völkischen Kulturpropaganda auch der organisationsübergreifenden Sammlung rechtsextremer Kräfte. Es ist Mitte der 60er Jahre die größte überparteiliche Organisation des deutschen Nachkriegsfaschismus und erreicht mit der Beteiligung an der Aktion Widerstand die Zeit seines größten Einflusses. Dem Tod der beherrschenden Integrationsfigur Herbert Böhme 1971 folgen interne Richtungskämpfe in den 70er Jahren. Die zunehmende Überalterung des DKEG und die Spaltung 1978 führten zur nahezu vollständigen Bedeutungslosigkeit der Organisation. Sie vereinigt nur noch wenige Aktivisten aus den Kreisen des Witikobundes und der GFP.

Geschichte der DKEG:

Gegründet wurde die Organisation vom ehemaligen NS-Reichsfachschaftsleiter für Lyrik Herbert Böhme zur weiteren Förderung ehemaliger Eliten des NS-Staates im Jahr 1950; es verstand sich als Gegenpol zur Gruppe 47. Wie kaum eine andere Organisation versammelte das Kulturwerk NS-belastete Literaten und Schriftsteller in seinen Reihen wie etwa Erwin Guido Kolbenheyer, Will Vesper, Hans Friedrich Blunck, Hans Grimm, Hans Venatier, Helmut Stellrecht, Gerhard Schumann, Werner Jansen, Erich Limpach oder Wilhelm Pleyer.

1955 gründete die DKEG zusammen mit dem Coburger Convent, der Deutschen Burschenschaft und der Wiking-Jugend die rechtsextremistische Schillerjugend. Die Führer dieser Jugendorganisation wurden 1962 wegen Rädelsführerschaft in einer verfassungsfeindlichen Organisation zu Gefängnisstrafen verurteilt.

1996 löste sich das DKEG selbst auf. In der Tradition des DKEG steht das rechtsextremistische Deutsche Kulturwerk, welches erstmals im November 1996 in Erscheinung trat, und das 1992 gegründete Deutsche Kulturwerk Österreich.

Deutsches Kulturwerk Europäischen Geistes eingetragener Verein wurde am 31. März 1998 aus dem Vereinsregister gelöscht. Sitz war München gewesen.

DKEG als „Kultur-“ & „Geschichts“schamier zwischen Altnazis und Neonazis sowie Weiterführung der „NSDAP“:

Das Deutsche Kulturwerk Europäischen Geistes (DKEG) wurde 1950 durch den „NS-Dichter“ und Mitglied der SA-Führung, Prof. Dr. Herbert Böhme, gegründet. Dieser formulierte als Ziel des DKEG, die „Neubildung volkshaften Selbstverständnisses und Selbstbewußtsein“. Die Zeitschrift Antifaschistische Nachrichten bezeichnet die DKEG als eine der Organisationen, unter deren Mantel nach 1945 die verbotende NSDAP eitergeführt wurde.

1965 ging aus dm DKEG die Akademie deutscher Kultur und der Arbeitskreise volkstreuer Verbände (AVV) hervor. An der Gründung des AVV beteiligten sich der BHJ, die Aktion Oder Neiße (später Aktion Deutsche Einheit), der Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, die Deutsche Reichspartei, die Wiking-Jugend, der Deutsche Soldaten- und Kriegerbund: „Der AVV trug 1970 die praktische Initiative zur Bildung der faschistischen Schlägertruppen nach dem Vorbild der SA in der „Aktion Widerstand“".

Das DKEG war von 1976-1977 durch den Bundesminnenminister verboten. Zu dieser Zeit hatte sie fast 4.000 Mitglieder. 1977/78 (nach anderen Angaben 1979) spalte sich die Deutsche Kulturgemeinschaft (DKG) unter der Führung von Alfred E. Manke und dem Braunschweiger Gernot Mörig (BHJ) ab. Mörig lehnte die Politik der DKEG-Führung als zu CSU-nah ab und forderte eine stärker „välkisch-nationalistisch“ ausgerichtete Kulturpolitik im Sinne des Gründers Herbert Böhme. Als Hauptaufgabe der DKG nennt das Handbuch Deutscher Rechtsextremismus die „Schulung und Heranziehung von neofaschistischen Führungskadern“.

1979 führte die DKG erstmals die „Norddeutschen Kulturtage“ mit einem Programm durch, das den DKEG-Kulturveranstaltungen glich (die Kulturtage wurden im Zusammenhang mit dem BHJ und der Arbeitsgemeinschaft volkstreuer Verbände organisiert; das Programm wurde „unter Mitwirkunng von Wilhelm Mörig, …, Gernot Mörig, Günter Deckert und den Jungen und Mädchen des BHJ u.a. gestaltet“ . Das DKEG organisierte dagegen seine Kultrtage in Zusammenhang mit der Wiking-Jugend (Stolberg Bundessitz). Sowohl die DKG als auch das DKEG pflegen auf ihren Treffen Kontakte zu fast allen Nazi-Organisationen:

„Die DKG oder das Kulturwerk europäischen Geistes (DKEG) oder der Freundeskreis Ulrich von Htten bezeichnen ein quasi identisches Spektrum. Hier leiten alte Waffen-SSler junge Nazis an und hier werden strategische Absprachen getroffen. Hier trifft sich die Creme des organisierten Faschismus, wie die Teilnehmerlisten früherer Treffen belegen. Der Bundesführer der Wiking-Jugend sitzt mit der Führung der Nationalistischen Front an einem Tisch zusammen mit unverbesserlichen Alt-Nazis, wie dem Österreicher Herbert Schweiger, der als ehemaliges Mitglied der SS-Eliteeinheit „Leibstandarte Adolf Hitler“, noch heute einen Großteil der Fäden heutiger NS-Organisationen in der Hand hält“

Die Berliner DKG-Vorsitzende Ursula Schaffer (Mitglied der NÜD und ehemaliges Ehrenmitglied der Wiking-Jugend organisierte 1991 zusammen mit dem Nazi-Rocker Arnulf Priem (Wotans Volk), der JN/NPD, DDF, der von Althans und Remer gegründeten Bismarck-Jugend und den inzwischen verbotenen Gruppen, Nationale Alternative, Wiking-Jugend, FAP, Deutsche-Jugend und der Direkten Aktion Mitteldeutschland einen Aufmarsch auf den Soldatenfriedhof in Halbe. Die DKG wirkte auch an einem Revisionstenkongreß am 21.4.1990 im Münchner Löwenbräukeller mit, an dem rund 800 Teilnehmer Referenten, wie z.B. dem Auschwitzleugner David Irving, dem Nazi-Führer Michael Kühnen und dem Wolfsburger Georg Albert Bosse lauschten. Besondern Einfluss übte das DKG auf die Nationalistische Front aus. An Tagungen, den sogenannten „Gästewoche“ sowohl der DKEG als auch DKG nahmen seit 1989 regelmäßig Mitglieder der NF teil. Der Absolvent der SS-Junkschule in Braunschweig, Herbert Schweiger, ist einer der „einflußreichsten Altnazis Deutschlands und Österreichs“.
Er war lange Zeit im Vorstand der DKG und überarbeitete zusammen mit Jürgen Rieger 1991 das Parteiprogramm der NF. Er trat als Referent und Autor für die NF und ihre Nachfolgerstrukturen auf und sorgte für deren ideologische, praktische und auch finanzielle Unterstützung durch die „alte Garde der NS-Bewegung“.
1985 spaltete sich der „Arbeitskreis für Politik und Kultur“ der DKG unter der Führung von Gernot Mörig wegen „internen Streitigkeiten“ von der DKG ab.