Zur Nazikunst und Blut&Boden Werner Peiner Werkschau -„Dr. Dieter Pesch & Martin Pesch – Werner Peiner – Verführer oder Verführter – Kunst im Dritten Reich“ – Ein Resümee des Buches zur Werkschau

Ein Wort zuvor: Vater und Sohn Pesch schreiben in ihrem Buch (http://www.hausarbeiten.de/faecher/vorschau/192293.html#inside) von der Gleichschaltung von Wissenschaft und Kunst in der Zeit des Nationalsozialismus. Wichtig für diese Thematik des Buches ist, dass eine Gleichschaltung der politischen Ideologie und der damals sogenannten Kunst stattgefunden hat. Die Machthaber bestimmten, was Kunst ist, wer Kunst macht und wie sie auszusehen hat.

Das Original malte Werner Peiner als Geschenk für Hitler: Ausstellungskurator Dieter Pesch (rechts) und sein Sohn Martin mit einer Reproduktion des Gemäldes „Deutsche Erde”. Es ist Teil der umstrittenen Ausstellung im Kunstforum Eifel in Gemünd. Foto: Manfred Hilgers/dpa

Das Schaffen einer jeden Künstlerin/eines jeden Künstlers wurde manipuliert, gegängelt; befohlen. Notfalls mit Gewalt erzwungen und wer sich nicht beugte, wurde mit Berufsverbot oder gar KZ belegt. Der Fluss der Kreativität, der aus dem Inneren eines jeden Künstlers fließt, wurde unterbunden. Kunst kam nicht vom Künstler selbst sondern war vorbestimmt, wie die Machthaber es wollten und so, wie diese die Kunst für ihre Propaganda nutzbar machen und weitertreiben konnten. Kunst als manipulatives Machtwerkzeug war ideologisch gewollt. Die damals stattgefundene Kunst diente eher dem Begriff des Kunsthandwerkes. Deshalb behaupte ich, dass Kunst in der Zeit des Nationalsozialismus nicht stattgefunden hat, es sei denn, sie fand im Verborgenen oder im Verbotenen statt. Dazu zählten aber Peiner und seine Schülerinnen und Schüler nicht.

Das Buch betitelt Peiner als Verführer oder Verführter. Es ist dagegen ein Buch der Entschuldigungen für Peiners Wirken und des Verständnisheischens für seine Person. Ständig wird kolportiert, dass Peiner ja nicht eigenständig seine Meinung und seine Taten zu verantworten hatte sondern dass man ihn dazu gebracht und sogar manchmal dazu gezwungen hatte.

Ein Buch voller Banalitäten über Peiners Leben, angefangen von Fahrten zu Freunden und Familie bis hin zu Peiners Bordellbesuch in Paris, wird dem Titel „Verführer oder Verführter“ in keinster Weise gerecht.

Sätze, die ein „möglicherweise“ beinhalten, liegen im Bereich des Spekulativen und haben in einer auf Fakten beruhenden Aufarbeitung einer solchen Materie nichts zu suchen. Sie regen die Fantasie der Leserinnen und Leser an und erreichen damit eine Schieflage des Gewesenen.

Von den Autoren wird häufig der Begriff „Der Eiserne“ benutzt. Das suggeriert den Leserinnen und Lesern eine tiefe Verehrung und Bewunderung für Göring von Seiten des Autorenduos. Ein schlichtes „Göring“ alleine hätte gereicht. Alles andere wirkt weichgespült und aufwertend für die beschriebene Person.

Überhaupt finden wir im Buch sehr viele Wertungen, fast Hochschätzungen der Autoren Pesch gegenüber Peiner. Sätze, die mit „in gewaltigem Fleiß“ oder „in gewaltigem Arbeitspensum“ beginnen, fügen sich immer wieder ein. Peiner als „Fleißigen“ darzustellen, wertet seine Bilder und seine Person in ganz entschiedenem Maße für die Leserinnen und Leser auf.

Vater und Sohn Pesch übernehmen vielfältig die positiven Kritiken von damaligen zeitgenössischen Kritikern, ohne sie zu hinterfragen oder ohne die negativen Kritiken, die es auch gegeben hat, entgegen zu stellen.

Der Vergleich zur Kunst im europäischen Ausland in der Zeit des Nationalsozialismus fehlt gänzlich. Ganz sicher blieb Peiners Wirken an der Malschule in Kronenburg weder bei den anderen europäischen Künstlerinnen Künstlern noch bei ausländischen Kritikerinnen und Kritikern nicht unbemerkt.

Die vielen Wiederholungen an verschiedenen Textpassagen, quer durch das ganze Buch verteilt, verunsichern die Leserinnen und Leser und fordern nicht unbedingt zum Weiterlesen auf. Der Satzaufbau lässt vermuten, dass genau das eventuell gewollt ist. Ebenso das Jonglieren mit negativbesetzten Textpassagen löst im unkritischen Umgang mit dem Buch wohl fast Mitleid mit Peiner aus. Unterschwellig wird immer wieder deutlich, dass man Peiner doch wirklich Unrecht tat. Ich sehe darin eine klare Manipulation der Leserinnen und Leser. Die Frage, ob das beabsichtigt ist, müssen sich Vater und Sohn Pesch stellen lassen.

Als Plagiator von Bruegel wird er mehrfach in diesem Buch erwähnt. Dennoch kommen die Bilder Peiners nicht annähernd an die Qualität Bruegels Werke heran. Das gleiche gilt für die Vergleiche mit Dürer, Rembrandt etc. Peiner in einem Atemzug mit den großen Malern der Weltgeschichte zu nennen, ist schon grob fahrlässig und eine Beleidigung für die Großen der Kunst!

Ich hätte mir gewünscht, dass die Autoren die Aufarbeitung von Peiners Werken lieber aussagekräftigen und qualifizierten Kunsthistorikern überlassen hätten.
Die Aussagen sind sehr einseitig und wenig fundiert im Gesamtkontext der Kunsthistorie. Es ist sträflich, eine kunsthistorische Aufarbeitung der Kunst im Nationalsozialismus Germanisten zu überlassen und die Suggestion, die sich aus den der Zeitepoche stammenden Berichte und Kritiken summiert, kann zu fatalen Fehleinschätzungen führen.
Einzig die Aussage von Anguera sagt deutliche Worte, die aber durch die nachfolgende Aussage von Prof. Stange wieder relativiert wird.
Ich gehe davon aus, dass hier bewusst der Focus auf eine Pro-Peiner-Kritik gelegt wird, damit vom wirklichen Hintergrund abgelenkt wird.
Ebenso fehlen – analog zur Ausstellung – Stimmen von verfemten und verbotenen Künstlerinnen und Künstlern, die den Nazihorror überleben konnten!

Interessant hingegen sind die Ausführungen zu Peiners kirchlichem Engagement. Werfen die Autoren doch deutlich einen dunklen Schatten auf den Ortspfarrer und das dazugehörende Bistum. So sind in der Vergangenheit ja schon Verlautbarungen von Kirchenleuten und Kardinälen bekannt geworden, die sich wieder – und das in den 2000er Jahren – über entartete Kunst auslassen.
Peiner als Häretiker darzustellen, ist geradezu grotesk. Auch da fehlte ihm das nötige Know how. Immerhin beschränkte sich sein Unmut nur auf einen einzigen Pfarrer, von denen es damals mehr hätte geben müssen.
Mit Häretikern geht Kirche anders um.
Den Widerspruch zu der Behauptung liefern die Autoren übrigens ein paar Seiten weiter, wo Peiner schon als Missionar dargestellt wird. Peiners Werke als Bollwerk gegen den Zeitgeist der Moderne zu bezeichnen, hat deutliche Parallelen zu seinem Schaffen in der Zeit des Nationalsozialismus. Nur kommt dieses Mal das Ansinnen nicht von ideologischen Machthabern sondern von Verantwortlichen der Kirche.

Erst in den letzten neun Zeilen des Buches greifen die Autoren den Titel des Buches wieder auf und können auch nicht mit Bestimmtheit klären, ob Peiner nun wirklich ein Verführter oder ein Verführer war. Das Thema des Buches ist also verfehlt und es bleibt bei dem, was es ist, eine nicht einmal perfekte chronologische Auflistung, die den Anschein erweckt, aus schon erschienener Literatur zusammengesammelt zu sein.
Einen gestürzten Mythos ist ebenfalls im 180 Seiten langen Werk ebenfalls nicht zu erkennen. Erfreulicherweise aber werden die interessierten und kritischen Leserinnen und Leser nach dieser Lektüre auch keine Veranlassung sehen, sich an der Reinwaschung Peiners zu beteiligen.

Der Untertitel des Buches „Kunst im Dritten Reich“ ist im Übrigen verfehlt.

Ein Buch über die Kunst im Nationalsozialismus gibt ebenso wie die Ausstellung kein klares Bild wieder, wenn man dies nur anhand von Werner Peiner veranschaulicht. Die Problematik für Künstlerinnen und Künstler und Kunst während der Zeit des Nationalsozialismus muss in allen Bereichen fokussiert werden und es ist unabdinglich, dass die entartete Kunst genauso betrachtet werden muss als auch verfolgte und mit Berufsverbot belegte Künstlerinnen und Künstler.

Auch zur Presse muss noch ein Satz gesagt werden. Der Dank an die beiden Zeitungsleute Ramona Hammes (http://www.rundschau-online.de/euskirchen/kommentar-zur-peiner-ausstellung-kreativ,15185862,16275462.html) und Franz Albert Heinen (http://www.ksta.de/region/kommentar-handwerklich-saubere-arbeit,15189102,16215168.html) im Buch gibt einen sehr schalen Beigeschmack. Beide sind die verantwortlichen Redakteure, die über die Werner Peiner – Ausstellung und die Gegenpolbewegung in den örtlichen Tageszeitungen berichten.
Ebenso fiel mir beim Lesen auf, dass auch jetzt „Die Welt“ (http://www.welt.de/regionales/koeln/article106416757/Werner-Peiner-Auftragsmaler-der-Nazis.html) sich – wieder – pro Peiner äußert, während „Die Zeit“ (http://blog.zeit.de/stoerungsmelder/2012/05/22/streit-um-ausstellung-von-nazimaler_8620) – auch 2012 – kritisch mit der Thematik umgeht. Wie sich doch vieles wiederholt.

Fazit: Ich kann keine Kaufempfehlung für das mit fast 50 Euro teure Buch der beiden Pesch – Autoren aussprechen. Eine Mythosstürzung fand genauso wenig statt wie eine kritische Auseinandersetzung oder eine Aufklärung. Ebenfalls findet man im Buch auch keine Aufarbeitung der Kunst in der NS-Zeit im kunsthistorischen Kontext.

A. und Z. in Juli 2012

Name wurde geändert, Name ist bekannt!

Peiner, der NS Blut&Boden Täter, wird zum Opfer gemacht durch Pesch & Pesch. Man könnte auch sagen, Pesch & Pesch betreiben feinsten perfiden Geschichtsrevisionismus. Peiner war nach 1945, wo keine Bedrohung mehr herrschte seitens der Nazis, Mitglied in Nazi-Netzwerk DKEG (http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsches_Kulturwerk_Europ%C3%A4ischen_Geistes) einer der wichtigsten Nachfolge Organisationen der Nazi. Wir berichteten bereits darüber. Das DKEG war nicht irgend ein Netzwerk der Nazis und Peiner Täter! und nicht Opfer.