Archiv für August 2012

Deutschland im Herbst 1992

Grußwort von Beate Klarsfeld

Ich be­daue­re es sehr, dass ich am heu­ti­gen Sonn­abend nicht an Ihrer Ver­an­stal­tung teil­neh­men kann.

Viel­leicht er­gibt sich eine spä­te­re Mög­lich­keit, mit den Mit­glie­dern un­se­rer Or­ga­nis­ti­on, be­son­ders mit den­je­ni­gen, die vor 20 Jah­ren dabei waren, zur of­fi­zi­el­len Ein­wei­hung die­ser Tafel nach Ros­tock zu kom­men.

Vor fast zwan­zig Jah­ren, am 19. Ok­to­ber 1992 sich hat un­se­re Or­ga­ni­sa­ti­on “Les Fils et Fil­les des Déportés Juifs de Fran­ce” (Söhne und Töch­ter der de­por­tier­ten Juden aus Frank­reich) aus ei­ge­ner In­itia­ti­ve ent­schlos­sen, zu­sam­men mit 50 un­se­rer Mit­strei­ter, und unter ihnen auch viele Ju­gend­li­che aus jü­di­schen Or­ga­ni­sa­tio­nen, mit einem Bus nach Ros­tock zu rei­sen, es war eine lange Fahrt von mehr als 1 200 km, um in die­ser Stadt un­se­re So­li­da­ri­tät den Op­fern zu be­wei­sen, die der ge­walt­tä­ti­ge rechts­ex­tre­me Mob ver­folg­te und sogar mit dem Tod be­droh­te. Es waren viele Viet­name­sen, Flücht­lin­ge aus an­de­ren Län­dern und ins­be­son­de­re zahl­rei­che Roma.

Keine an­de­re Or­ga­ni­sa­ti­on woll­te uns zu die­ser De­mons­tra­ti­on die Hand rei­chen, ob­wohl die Lage doch klar durch­schau­bar war. Hier wie­der­hol­te sich etwas wie in den drei­zi­ger Jah­ren. Wir waren ganz be­son­ders be­trof­fen von dem Ras­sen­hass gegen die Sinti und Roma, die wie die Juden 50 Jahre davor in den deut­schen Gas­kam­mern er­mor­det wur­den.

Wer an­ders als die Wai­sen der in Ausch­witz ver­gas­ten Juden konn­te hier die Alarm­glo­cke zie­hen und mit einer spek­ta­ku­lä­ren Ak­ti­on die Öf­fent­lich­keit auf­rüt­teln. Wenn man die Pres­se hier­zu liest, kön­nen wir sagen, wir hat­ten unser Ziel er­reicht. Wir haben “wild” un­se­re Ge­denk­ta­fel an der Vor­der­front des Rat­hau­ses ge­klebt. Unser Sohn Arno hat dann mit den Ju­gend­li­chen Räume im ers­ten Stock be­setzt und vom Bal­kon des Rat­hau­ses das Wort er­grif­fen, auch un­se­re Spruch­bän­der wur­den hier aus dem Fens­ter ge­hängt.

Na­tür­lich waren wir dar­auf vor­be­rei­tet, dass die Po­li­zei ein­grei­fen würde, aber nicht so bru­tal, wie sie es tat. Die Po­li­zis­ten waren sehr zahl­reich er­schie­nen, es kam zu Schlä­ge­rei­en vor dem Rat­haus. Wir wur­den dann in un­se­rem Au­to­bus , be­lei­tet von Po­li­zei­wa­gen mit Si­ren­ge­heul und Blau­licht zum Po­li­zei­re­vier ge­bracht. Un­ge­fähr zehn Po­li­zis­ten stell­ten sich in den Miit­tel­gang un­se­res Bus­ses, um uns zu über­wa­chen. Es war eine un­glaub­li­che Weise uns zu be­han­deln, vor allem wenn man daran denkt, wie zu­rück­hal­tend de Po­li­zei re­agiert hatte, als Men­schen in Le­bens­ge­fahr waren, als die Skin­heads ihre Mo­lo­tow­cock­tails in die Asy­lan­ten­hei­me war­fen. Da war die Po­li­zei nicht da.

Da das Po­li­zei­re­vier uns nicht alle auf­neh­men konn­te, muss­ten wir die ganze Nach in einer kal­ten Turn­hal­le ver­brin­gen, die zum Po­li­zei­re­vier ge­hör­te. Der Bus blieb im Hof ste­hen, wir wur­den die ganze Nacht ver­hört, un­ge­fähr bis 4 Uhr mor­gens. Ein Staats­an­walt wurde aus West­deutsch­land hin­zu­ge­zo­gen und der fran­zö­si­sche Kon­sul traf aus Ham­burg bei uns ein. Am nächs­ten Mor­gen durf­ten wir gegen 11 Uhr un­se­ren Bus be­stei­gen. Die drei Zu­rück­ge­blie­be­nen wur­den dann in Ros­tock an­ge­klagt.

Wir waren aber fest davon über­zeugt, dass wir rich­tig ge­han­delt hat­ten und das die jü­di­schen Opfer das Recht auf Ein­mi­schen in Deutsch­land hat­ten, wenn Neo-​Na­zis mit Ge­walt­ta­ten gegen Asy­lan­ten vor­gin­gen. Unser Vor­ge­hen wich wahr­schein­lich von den üb­li­chen Ge­gen­de­mons­tra­tio­nen ab, aber wir haben immer wie­der be­haup­tet : das Recht der Söhne und Töch­ter der de­por­tier­ten Juden aus Frank­reich war ge­recht, selbst wenn wir gegen das Ge­setz ver­sties­sen, das will aber nicht viel heis­sen.

Un­se­re Or­ga­ni­sa­ti­on ist na­tür­lich sehr er­freut, dass diese Tafel , deren Text von uns ge­schrie­ben wurde, heute hier am Rat­haus an­ge­bracht wird. Zu die­ser Tafel ge­hört na­tür­lich auch die Be­schrei­bung dar­über, unter wel­chen Be­din­gun­gen die erste Tafel im Ok­to­ber 1992 ge­klebt wer­den konn­te. Wir wol­len nicht dass der Ein­druck ent­steht, es war eine of­fi­zi­el­le Ver­an­stal­tung mit Zu­stim­mung des Bür­ger­meis­ters.

Nein, es war eine klei­ne Grup­pe von fran­zö­si­schen Juden, die mit ihrem Vor­ge­hen hier auf eine all­ge­mei­ne Ab­leh­nung stiess, und von der Po­li­zei bru­ta­li­siert wurde. Aber sie hatte diese So­li­da­ri­täts­ak­ti­on mit gutem Ge­wis­sen durch­ge­führt, denn sie war sich ihren Ver­pflich­tun­gen be­wusst, dort ein­zu­schrei­ten, wo Men­schen ver­folgt wer­den und in To­des­ge­fahr sind.

Des­we­gen, liebe Teil­neh­mer die­ser Ver­an­stal­tung, ver­gesst nicht, wer diese erste Tafel an­ge­bracht hat und unter welch schwie­ri­gen Be­din­gun­gen.

Beate Klars­feld und alle Mit­glie­der der Fils et Fil­les des Déportés Juifs de Fran­ce

20 Jahre nach dem Pogrom von Rostock-Lichtenhagen – Rassismus beim offiziellen Gedenken in Rostock-Lichtenhagen? – Antirassismus Demonstranten kriminalisiert!

Unter dem Motto „Das Problem heißt Rassismus“ demonstrierten am 25. August 2012 ca 5000 Menschen in Rostock-Lichtenhagen. 20 Jahre ist es nun her, das ein Mob aus Nazis und Rassisten fünf Tage lang die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber_innen(ZAST) belagerten und diese mit Steinen angriffen und mit Molotococktails in Brand setzten. Nur durch ein Wunder gab es damals keine Toten. Die Demonstration gedachte dem 20. Jahrestag, aber richtete sich auch gegen das offizielle Gedenken der Stadt Rostock mit Bundespräsident Joachim Gauck. Das Video kann auch im Filmpiraten-Youtube-Kanal http://www.youtube.com/user/Filmpiraten oder auf facebook http://www.facebook.com/Filmpirates angeschaut werden.

Rassismus beim offiziellen Gedenken in Rostock-Lichtenhagen?

Das Bündnis “20 Jahre nach den Pogromen – Das Problem heißt Rassismus” erhebt schwere Vorwürfe gegen die offizielle Lichtenhagen-Gedenkveranstaltung vom Sonntag. Zwei Mitgliedern des deutsch-afrikanischen Freundeskreises Daraja e. V. sei trotz offizieller Einladung der Zutritt zur Veranstaltung verweigert worden. Laut den Veranstaltern kamen die Gäste 15 minuten zu spät und wurden deshalb aus Sicherheitsgründen nicht mehr eingelassen. Das obige Video von Leftvision zeigt die beiden Gäste bei der Feier.

In der Pressemitteilung des Bündnisses heißt es:

Kein Zutritt trotz Einladung: Am Sonntag wurde zwei Mitgliedern des deutsch-afrikanischen Freundeskreises Daraja e. V. der Einlass zur zentralen Gedenkveranstaltung in Rostock-Lichtenhagen mit Bundespräsident Joachim Gauck verwehrt – ohne Begründung. Während sich die Vertreter des Staats und der Stadt der vermeintlich großen Fortschritte im Kampf gegen Rassismus rühmten, mussten die tatsächlich Betroffenen von Rassismus außen vor bleiben. Dies war jedoch nicht der erste Vorfall, der den Vorwurf eines rein “weissen” Gedenkens an die Pogrome in Rostock-Lichtenhagen und des Umganges mit Betroffenen von rassistischer Gewalt und ihren Angehörigen provoziert. Schon den Zentralrat der Sinti und Roma hatte man zu Beginn vergessen einzuladen, obwohl gerade Roma in Rostock mit betroffen waren. Das Bündnis fordert die Aufklärung der möglicherweise rassistisch motivierten Vorfälle und Äußerungen bei und im Umfeld der Veranstaltung.

“Der Auftritt von Bundespräsident Gauck und die so genannte ‚zentrale Gedenkveranstaltung‘ dürfte insbesondere jenen gefallen haben, die die Pogrome losgelöst von historischen und politischen Kontinuitäten als isoliertes Ausnahme-Ereignis der Vergangenheit sehen und Neonaziproblem abhaken wollten. Im Vordergrund standen Geschichtsklitterung, Verharmlosung, Opfer-Täter-Umkehr und Realitätsverweigerung”, erklärt das Bündnis “20 Jahre nach den Pogromen von Rostock-Lichtenhagen – Das Problem heißt Rassismus”.

Auch dass der Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) weder an der Kundgebung noch der Großdemonstration des Bündnisses teilgenommen hat, ist nach der Kriminalisierungsstrategie von Innenminister Lorenz Caffier (CDU) und den Versuchen die Gedenkveranstaltung Gauck als das einzig “wahre” und “richtige” Gedenken darzustellen, kaum verwunderlich.

Ebenso fordert das Bündnis eine umfassende Aufklärung über die nächtliche Polizeiaktion am Bahnhof Berlin-Gesundbrunnen. “Wie konnte eine zertrümmerte Glasscheibe in einem Zug zu umfassenden Durchsuchungen und ED- Behandlungen von annähernd 100 Fahrgästen des letzten Zuges aus Rostock führen. Der Schaden steht in keinerlei Verhältnis zu Datenschutz und Persönlichkeitsrechten. Die Aktion steht vielmehr für den Versuch der Kriminalisierung der Betroffenen sowie der Datensammelwut so genannter Sicherheitsbehörden im Umfeld von als »links« eingestuften Großveranstaltungen”, so das Bündnis.

Quelle: Die Zeit -> http://blog.zeit.de/stoerungsmelder/2012/08/28/rassismus-beim-offiziellen-gedenken-in-rostock-lichtenhagen_9618

Demo zu 20 Jahre Lichtenhagen – Rostock-Nachspiel in Berlin

Auf der Rückfahrt von Rostock-Lichtenhagen wurden am Wochenende in Berlin viele Demonstranten aufgehalten und durchsucht. Das war rechtlich fragwürdig.

Quelle: TAZ -> http://www.taz.de/Demo-zu-20-Jahre-Lichtenhagen/!100527/

Wir haben in der Nacht vom 28. auf den 29. August, gegen halb 2, in etwa einem Meter Höhe, die Eiche neben dem Sonnenblumenhaus abgesägt. Denn dieses Symbol für Deutschtümelei und Militarismus ist für die Menschen, die 1992 dem Mob in Rostock-Lichtenhagen ausgesetzt waren, ein Schlag ins Gesicht.“

Quelle: TAZ -> http://www.taz.de/Friedenseiche-in-Lichtenhagen-abgesaegt/!100583/

PRESSE-MITTEILUNG ZUR PODIUMSDISKUSSION – Das „süße Gift“ der Nazi-Kunst im KunstForumEifel!

am Freitag, den 24. August 2012, 19 Uhr, Kurhaus Gemünd,
vom Eifeler Bündnis gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt


Das „süße Gift“ der Nazi-Kunst
im KunstForumEifel!

Pro und Contra: Braucht die Eifel eine solche Ausstellung
von dem NS-Künstler Werner Peiner?

Die aktuelle Werkschau des u. a. von Adolf Hitler und Hermann Göring umfangreich geförderten Malers und hoch dekorierten NS-Staatskünstlers Prof. Werner Peiner (1897-1984) im „KunstForumEifel“ hat wie keine vorherige Ausstellung die Öffentlichkeit in der Eifel emotionalisiert und gespalten. Ausführlich wurde über die Konflikte in den deutschen Zeitungen, dem Rundfunk und im Fernsehen berichtet. Im Vorfeld der Ausstellung und am Eröffnungstag selbst kam es zu öffentlichen Demonstrationen. Die Lager sind polarisiert und stehen sich kritisch bis ablehnend gegenüber. Und das bis heute.

Keiner von Seiten der verantwortlichen Ausstellungsveranstalter hat sich nachdrücklich dafür eingesetzt, die unversöhnlich wirkenden Lager zusammenzubringen. Selbst die Ausstellungs-Fürsprecher und -Gegner haben es nicht geschafft, sich zusammenzusetzen, um gemeinsam darüber zu diskutieren, wie man denn heute und in Zukunft in der Eifel mit dem eigenen Erbe der nationalsozialistischen Kunst umgehen soll. Immerhin hat der Nationalsozialismus in der Eifel bis heute seine tiefen Spuren, nachhaltigen Prägungen und mannigfaltigen sichtbaren Dokumente aus der Zeit der 3. Reiches hinterlassen.

In hohem Maße irritierend, wenn nicht sogar besorgniserregend ist die Tatsache, dass in deutschen Schulen, Museen und Universitäten so gut wie gar nicht, von den wenigen Ausnahmen abgesehen, über die Zusammenhänge, Hintergründe und Funktionen der hochgradig ideologisierten NS-Kunst gesprochen und aufgeklärt wird. Die Nazi-Kunst ist bis heute ein relativ blinder Fleck im Bewusstsein der Öffentlichkeit, Medien und Fachinstitutionen. Völlig unverständlich, wenn man bedenkt, wie omnipräsent und häufig ansonsten die kritische Auseinandersetzung mit der allgemeinen Geschichte des Nationalsozialismus geführt wird. Dazu kommt das vielerorts und in vielen Köpfen immer noch vorhandene Verdrängen und Verleugnen der Vergangenheit. Das zeigen die vielen Untersuchungen und Beispiele. Dazu kommt ein latenter Antisemitismus in der deutschen Bevölkerung, der bei über 20% liegt. Hinsichtlich der NS-Kunst gibt es kein fundiertes Breiten-Wissen in der Gesellschaft. Diese große Unkenntnis birgt Gefahren der neuen Verführbarkeit und gesteuerten Ignoranz in sich. Und so darf es nicht wundern, dass das „süße Gift“ der Nazi-Kunst noch heute seine Wirkungskräfte entfalten kann, wie die verschiedenen Beispiele zeigen.

2006 hat in Schwerin die Arno-Breker-Ausstellung, der Lieblingsbildhauer von Adolf Hitler, deutschlandweit über Monate zu heftigen Feuilleton-Schlachten und scharfen Verdächtigungen geführt. „Ganz bewusst hat man in Schwerin einen Tabubruch in Kauf genommen, um eine Ausstellung erfolgreich und dennoch verantwortungslos zu vermarkten“, so das Urteil vieler Kritiker.

In der Eifel-Stadt Wittlich hat man 2009 die Stelle des Leiters des Kulturamtes, des Georg-Meistermann-Museums und der Gedenk-, Tagungs- und Kulturstätte abgeschafft, um eine vom nationalsozialistischen Geist durchdrungene Kunst-Ausstellung zu ermöglichen. Denn erst nach der Stellenabschaffung konnte der Leiter entlassen werden. Gestützt auf externe Fachgutachten hatte sich der Leiter und NS-Kunstexperte dagegen ausgesprochen, im städtischen Meistermann-Museum den örtlichen, völkischen Künstler, NSDAP-Parteimitglied und Oberscharführer der Hitler-Jugend, Hanns Scherl (1910-2001), „ehrend und würdigend“ auszustellen. Zuvor hatten sich im Jahr 2007 die Wittlicher CDU, FDP und FWG in einem bis heute in Deutschland einmaligen, „politischen, künstlerischen Fünfjahresplan“ dafür eingesetzt, u. a. die „städtische offizielle und öffentliche Würdigung(!) und Ehrung(!) von Hanns Scherl“ im Meistermann-Museum ohne jede Rücksichten und mit allen Mitteln politisch durchzusetzen. Selbst der Widerstand von SPD und Grüne im Kulturausschuss und im Stadtrat konnte dies nicht verhindern. Dass man dabei den Grundgesetz-Artikel 5, Absatz 3, „Kunst und Wissenschaft sind frei“ gebrochen hatte, störte die drei Parteien nicht – bis heute. Als dann 2010 die Hanns-Scherl-Ausstellung schließlich nach der Entlassung des ehemaligen Leiters mit außerordentlich viel Aufwand gezeigt werden konnte, hatte die Familie Meistermann aus Prostest den Namen des verfemten Künstlers Meistermann zurückgezogen. Über diesen hoch brisanten „Nazi-Kunst-und-Politik-Super-Gau-Skandal“ von Wittlich wird in Deutschland und u. a. an verschiedenen Universitäten seit Jahren immer wieder berichtet. Dabei versuchte die Stadt Wittlich immer wieder, Aufklärungsprojekte zu all diesen Vorgängen mit den verschiedensten Mitteln zu verhindern.

In Bitburg wurde in dem von der Bitburger Brauerei geförderten und eingerichteten Kultur-„Haus Beda“ bis 2012 ohne jede kritisch aufgearbeitete Information oder minimale historische Aufklärung zahlreiche, große Nazi-Künstler über Jahrzehnte gesammelt und würdigend ausgestellt. Kein geringerer als der Bitburger-Brauerei-Firmenchef Dr. Hans Simon hat diese ausgewiesene Nazi-Kunst-Kollektion (u. a. Arno Breker, Fritz Klimsch, Werner Peiner, Hanns Scherl) nach dem Krieg in Bitburg zusammengetragen. In einer extra und mit viel Aufwand geschaffenen kleinen Parkanlage wurden verschiedene „Größen“ der NS-Kunst äußerst publikumswirksam im „Haus Beda“ öffentlich und bis in diesen Sommer hinein ausgestellt. Wissenschaftliche Anfragen zu der Nazi-Kunst-Sammlung und den Hintergründen wurden und werden nicht beantwortet. Auf diese unhaltbaren Zustände angesprochen, machte am 10.8.2012 der amtierende Stiftungsratsvorsitzende deutlich, dass man solche Anfragen nicht zu beantworten brauche. Was ist das für ein Umgang mit der Öffentlichkeit, der Wissenschaft und der in Deutschland so selbstverständlich gewordenen Erkenntnis, dass man sich offen und verantwortungsvoll den Fragen der Vergangenheit zu stellen habe. Für einen so international aufgestellten Global Player wie die Bitburger-Brauerei sollte dies eigentlich eine Selbstverständlichkeit in der heutigen Demokratie sein. Anderenfalls kann man mit einem solchen Verhalten nur Misstrauen und Ängste auslösen. Viele in der Stadt Bitburg sowie in der großen Region kennen diese Hintergründe. Bloß keiner von Seiten der Politik, Presse und Öffentlichkeit traut sich seit Jahrzehnten öffentlich darüber zu sprechen, geschweige denn kritische Fragen zu stellen. Öffentlich darüber diskutiert wurde bis heute nicht. Dort wie in anderen Städten und deutschen Regionen herrschen ein kollektives Schweigen, bewusstes Wegsehen und nicht zu selten auch ein Verleugnen der NS-Kunst-Vergangenheit vor.

Wie zuvor in Wittlich fand im gleichen Jahr 2010 im Langenfelder „Kulturellen Forum“ die Werkschau von Werner Peiner statt. Sie stand unter dem Haupttitel „Hofiert und Verfemt“. Ein grotesker Ausstellungstitel, wenn man sich die Bilder vor Ort angeschaut hatte. Schon nicht mehr grotesk war es aber, als man schlicht die NS-Kunst-Täterschaft und die persönlichen Verstrickungen von Peiner auf der Homepage verharmlost, wenn nicht sich sogar verschwiegen hatte. In bezeichnender Weise stand auf der hauseigenen Homepage geschrieben: „Eine Verurteilung [Werner Peiners] als ‚Blut- und Boden‘-Maler ist jedoch nicht angebracht, da er sich in der Malweise und mit den Themen den Anforderungen der Nazis nicht unterwarf.“ Eine glatte Unwahrheit.

Vorwürfe der Unseriösität und Verharmlosung wurden in Gemünd erhoben, auch wenn so manche Kritik weit über das Ziel hinausging und eher als überzogene Unterstellung zu bewerten ist. Über diese offenen Fragen und erhobenen Vorwürfen wollen wir auf dem Podium, mit anschließender Zuhörerbeteiligung, in kritischer, offener und tabufreier Weise diskutieren. Ferner soll tiefergehend untersucht und geprüft werden, ob sich diese Kritiken und Vorwürfe tatsächlich halten und belegen lassen. Aus diesem Grund sowie um die erheblichen lokalen Dialog-Defizite und großen Konflikte in Gemünd abzubauen, hat das „Eifeler Bündnis gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt“ eine Podiumsdiskussion im Kurhaus Gemünd, Kleiner Kursaal, Kurhausstraße 5, 53937 Schleiden-Gemünd, für die Öffentlichkeit initiiert und organisiert. Die Diskussionsrunde mit ausgewiesenen Fachleuten und Experten steht unter dem Titel „Das ‚süße Gift‘ der Nazi-Kunst im KunstForumEifel. Pro und Contra: Braucht die Eifel eine solche Ausstellung von dem NS-Künstler Werner Peiner?“ Angefragt wurden Dr. M.A. Justinus Maria Calleen (Kunsthistoriker, Historiker und Ausstellungsmacher), Norbert Küpper (Kunsthistoriker M. A., Maler und Publizist), Marcus Albanus (Enkel und Nachlassverwalter von Prof. Werner Peiner), Dr. Dieter Pesch (Verantwortlicher Kurator der Peiner-Ausstellung), ein Vorstandsvertreter vom „KunstForumEifel“ und ein Vertreter vom „Eifeler Bündnis gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt“.

Die Moderation übernimmt der unabhängige NS-Kunst-Forschungs- und Museumsförderer Hajo Jahn. Über Jahrzehnte hat sich der bekannte, ehemalige WDR-Studioleiter und heutige Erste Vorsitzende der „Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft“, Wuppertal, einen großen Namen gemacht. Auf ihn geht unter anderem die Gründung der „Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft“ und des „Deutschen Zentrums für Verfolgte Künste“ zurück. Der ausgewiesene und von der „Stiftung Bibel und Kultur“ 2010 für sein „wissenschaftliches Lebenswerk geehrte“ NS-Kunstexperte, Kunsthistoriker, Historiker und renommierte Ausstellungsmacher Dr. M.A. Justinus Maria Calleen wird in das Thema durch sein Referat, „Das ‚süße Gift‘ der Nazi-Kunst. Wie sollen wir mit der Kunst des 3. Reiches umgehen?“, einführen. Auf den ebenfalls vom „Eifeler Bündnis“ völlig unabhängig arbeitenden, wissenschaftlichen Experten der Kunst-, Gedenk- und Erinnerungsarbeit, Dr. Calleen, geht das wissenschaftliche Konzept der „Gemünder Aufklärungs- und Vermittlungs-Veranstaltung“ zurück.

Quelle: Eifeler Bündnis gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt

Plakate gegen Peiner WerkausstellungKeine Rehabilitierung von Nazikunst – Gegen die Werkschau in Gemünd und überall!

Antifaschistische Demonstration durch Rostock-Lichtenhagen am 25.8.2012 ab 14 Uhr S-Bahn Lütten-Klein – Grenzenlose Solidarität! Vor 20 Jahren! Die rassistischen und faschistischen Pogrome vom Rostock!

Vor 20 Jahren flackerten Bilder aus Deutschland um die Welt, die man für Vergangenheit hielt: Brennende Häuser, fliehende Menschen, ein gewalttätiger Mob, angeleitet von neofaschistischen Strippenziehern, Beifall klatschendes Publikum, verantwortungslose Verantwortliche. Eine Allianz aus staatlicher Ausländerfeindlichkeit, Medienhetze und Alltagsrassismus ließ zu, dass vietnamesische Vertragsarbeiter und Flüchtlinge, unter ihnen viele Roma, um ihr Leben fürchten mussten. Das brennende Sonnenblumenhaus wurde zu einem erschreckenden Symbol des wiedervereinigten Deutschland. Nur Wochen nach dem Pogrom wurde in einem breiten Konsens im Bundestag das Grundrecht auf Asyl abgeschafft. Weder die NPD noch ihr Ableger „Hamburger Liste Ausländerstop“ wurden verboten, obwohl sie unmittelbar vor Beginn der Pogrome ihre Hetze nach Rostock getragen hatten. Neofaschistische Organisationen und Gruppen werden bis heute nicht entschieden bekämpft. Gleichzeitig werden antifaschistische Initiativen behindert und als extremistisch“ diffamiert. Heute hat das auf Menschen angewendete Nützlichkeitsdenken den politischen Diskurs weiter vergiftet. Ausgrenzung und Stigmatisierung von Migranten und Flüchtlingen sind weiterhin tief in der Mitte der Gesellschaft verankert. Die Festung Europa und das Abschiebelager Horst in Mecklenburg-Vorpommern stehen dafür. Dagegen setzen wir damals wie heute Solidarität mit den Opfern institutionellen und alltäglichen Rassismus. Wir demonstrieren für das Menschenrecht auf Asyl, für Teilhabe aller Menschen am Wohlstand, für die sozialen und demokratischen Rechte Aller hier und überall.

Wir fordern:

· Schluss mit Abschiebungen, Residenzpflicht und Arbeitsverbot!
· Stoppt die Verfolgung von Roma in Osteuropa und überall!
· Keine Toleranz für faschistische Ideologie und Gewalt!
· Dortmund,Dresden, Wuppertal, Rostock, Dortmund, Stolberg, Bad Neuenahr/Ahrweiler, Heinsberg, Düren, Erftstadt, Euskirchen alle Städte nazifrei!
· Schluss mit der Kriminalisierung von Antifaschist_innen und Antirassist_innen!
· Gegen Rassismus für grenzenlose Solidarität!

Antifaschistische Demonstration durch Rostock-Lichtenhagen am 25.8.2012 ab 14.00 Uhr S-Bahn Lütten-Klein – Grenzenlose Solidarität!

Hintergrund Infos zu Rostock:

In Erinnerung an die Pogrome in Rostock vor 20 Jahren:

Die Pogrome von Rostock-Lichtenhagen ereigneten sich im August 1992 im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen. Es handelte sich um die massivsten ausländerfeindlichen Ausschreitungen der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Zum Hintergrund zählt, dass Asylbewerber monatelang ohne ausreichenden Zugang zu sanitären Einrichtungen und Nahrungsmitteln vor der Zentralen Aufnahmestelle für Asylbewerber (ZAst) zu kampieren gezwungen waren. Während der Ausschreitungen wurden mehrere hundert rechtsextreme Randalierer von einer Menge von zeitweise bis zu 2.000 teilweise applaudierenden Schaulustigen beobachtet. In der Presse wurden die Ereignisse auch als Pogrom bezeichnet.

Bei den tagelangen Krawallen konzentrierte sich nach dem Abtransport der Asylbewerber in sichere Unterkünfte die Gewalt auf die Polizei und das in Brand gesetzte benachbarte Wohnhaus, in dem sich 115 Vietnamesen und ein Fernsehteam aufhielten.

Die Angriffe zwischen dem 22. August und 26. August 1992 führten zu 370 vorläufigen Festnahmen sowie 408 eingeleiteten Ermittlungsverfahren. 204 Polizeibeamte wurden verletzt. Unter den Festgenommenen befanden sich 110 Personen aus den alten Bundesländern, 217 aus Mecklenburg-Vorpommern (davon 147 aus Rostock) und weitere 37 aus anderen neuen Ländern.

http://de.wikipedia.org/wiki/Ausschreitungen_von_Rostock-Lichtenhagen