Proteste gegen die AfD in Euskirchen am 2.12.2016 @Cityforum

Protest gegen AFD in Euskrichen am 2.12.2016
Bild: Protest gegen AFD in Euskirchen ²Cityforum am 2.12.2016

Die ersten Demonstranten hatten am Samstag um 8.30 Uhr vor dem Euskirchener City-Forum Stellung bezogen. Dort setzte am Wochenende der nordrhein-westfälische AfD-Verband seine Landeswahlversammlung fort. Während eine Gruppe Euskirchener Frauen es zunächst etwas ruhiger angehen ließ und die Plakate eher zögerlich ausrollte, protestierten die Mitglieder des Bündnisses „Eifel gegen Rechts“ lautstärker.

Sie riefen den eintreffenden AfD-Mitgliedern ihre Meinung über die Partei entgegen. „Wir wollen der AfD zeigen, dass sie auch in der Eifel nicht willkommen sind“, sagte Jan Fischer, der die Kundgebung für das Bündnis bei der Polizei angemeldet hatte. Noch wesentlich früher als die Demonstranten und die AfD-Mitglieder waren die ersten Polizeibeamten vor Ort. Ihr Einsatz begann nach Auskunft des Euskirchener Polizei-Pressesprechers Lothar Willems um 5 Uhr.

Zur Unterstützung hatte die Euskirchener Polizei eine Hundertschaft angefordert. Die war aus Gelsenkirchen in den Morgenstunden angereist und verwandelte das Areal um das City-Forum ab 8 Uhr in einen Hochsicherheitsbereich. Kurz vor 9 Uhr führte ein Beamter ein Kooperationsgespräch.

Der Grund: Die Frauengruppe hatte sich zu nahe an die Treppe zum City-Forum gewagt und hätte so den Zugang der AfD-Mitglieder verhindern können. „Es ist immer ein Spagat. Einerseits gibt es ein Demonstrationsrecht, andererseits hat die Partei auch das Recht, die Veranstaltung ungestört durchzuführen“, so der Beamte.

Eine Einsatzhundertschaft war aus Gelsenkirchen nach Euskirchen ausgerückt um die Faschos zu schützen
Eine Einsatzhundertschaft war aus Gelsenkirchen nach Euskirchen ausgerückt. Die Beamten verbrachten eine ruhige Zeit.
Foto:Steinicke

Die Frauengruppe hatte die Demo nach eigenem Bekunden nicht angemeldet und berief sich auf das Recht einer Spontanversammlung. „Das gilt nur dann, wenn es wirklich spontan ist. In diesem Fall steht schon seit Tagen fest, dass die Veranstaltung im City-Forum stattfinden wird“, erklärte der Beamte den Frauen. Die mussten daraufhin zwei Ordnerinnen und eine Sprecherin bestimmen. Danach durften sie auch offiziell demonstrieren.

Derweil versammelte sich auf dem Herz-Jesu-Vorplatz eine weitere Gruppe von Demonstranten. Die Kreis-SPD hatte die AfD-Versammlung zum Anlass genommen, um zu einer Demonstration für eine tolerante Gesellschaft aufzurufen. Unter dem Motto „Wir zeigen Herz“ wurden ab 10 Uhr mehr als 1000 Schoko-Herzen verteilt.

Nach Angaben der Polizei waren rund 100 Bürger dem Aufruf zur Demo gefolgt. Mit von der Partie waren die Arbeiterwohlfahrt, die Grünen, die FDP, die Linken, die evangelische Kirchengemeinde, die Caritas, der Paritätische Wohlfahrtsverband und der Integrationsrat Euskirchen. Für Musik sorgte Günter Hochgürtel mit seinen Wibbelstetz-Kollegen Jürgen Schroeder und Linus Krämer.

Der Organisator und SPD-Kreisvorsitzende Markus Ramers sprach indes von gut 200 Teilnehmern: „Diese Beteiligung ist ein Zeichen für den Zusammenhalt der Euskirchener. Mit der Resonanz bin ich sehr zufrieden, schließlich hatten wir nicht viel Vorlaufzeit.“ Es sei nicht das Ziel der SPD gewesen, gegen die AfD, ihre Mitglieder oder deren Wähler zu protestieren, sondern für ein anderes Menschenbild sowie für eine solidarische, offene Gesellschaft zu werben

Diese Meinung teilte auch die Euskirchener Demonstrantin Ellen Wortmann: „Ich möchte kundtun, dass die AfD keine Alternative ist. Es gibt Werte, die wir verteidigen müssen.“ Von der Idee, der AfD-Versammlung mit einem fadenscheinigen Grund einen Riegel vorzuschieben, halte sie nichts: „Es ist eine Partei, also hat sie auch das Recht dazu.“

Das sah Linken-Stadtverordneter Jan Fischer ganz anders: „Solchen Parteien muss man den Zugang zum City-Forum verbieten. Die AfD hat schließlich schon mit der NPD demonstriert. Diese Partei hat ihre demokratische Legitimation verspielt.“ (siehe „Streit um Vermietung des City-Forums“)

Im City-Forum bekamen die 400 Delegierten des nordrhein-westfälische AfD-Verbands von den Protesten gegen ihre Partei und die Landeswahlversammlung nicht viel mit. Für sie stand die Besetzung der weiteren Listenplätze mit Kandidaten für die Landtagswahl 2017 im Vordergrund. Die zweitägige Veranstaltung in Euskirchen war die Fortsetzung der Landeswahlversammlung in Rheda-Wiedenbrück.

– Quelle: http://www.rundschau-online.de/25220410 ©2016

http://www.rundschau-online.de/region/kreis-euskirchen/parteien--verbaende--buerger-mit-schoko-herzen-gegen-afd-demonstriert-25220410