Militanter brauner Einzelgänger?

Statt eine neue NS-Bewegung aufbauen zu können, muss ein 32-jähriger Mann nun wahrscheinlich die gegen ihn verhängte Haftstrafe antreten.

Über soziale Netzwerke Mitstreiter für die „Volksbewegung Schwarz Braune Front“ gesucht; © mik;
Über soziale Netzwerke Mitstreiter für die „Volksbewegung Schwarz Braune Front“ gesucht; © mik;

Am Mittwoch verwarf das Landgericht Aachen die Berufung des Neonazis und bestätigte somit ein Urteil des Amtsgerichts Schleiden aus erster Instanz. Das Gericht in der Eifel hatte den 1986 geborenen Mann im Frühjahr zu einer Gesamthaftstrafe verurteilt. Zwischen Dezember 2015 und August 2017 wurden dabei mehrere Einzeltaten besonders in Dahlem in der Eifel begangen. Die Vorwürfe reichten von Volksverhetzung, Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, Bedrohung und Beleidigung. Zu den Opfern zählten auch Mitarbeiter am Amtsgericht Prüm (Rheinland-Pfalz), die der Mann beschimpft hatte.

Zur Gründung der „Volksbewegung Schwarz Braune Front“ aufgerufen

Dahlem in der Eifel ist eine Gemeinde im Kreis Euskirchen im südlichen Nordrhein-Westfalen. Sie hat jeweils die geringste Einwohnerzahl und Bevölkerungsdichte aller Gemeinden in Nordrhein-Westfalen. Der Neonazi wohnte zeitweise in dieser abgelegenen, ländlichen Gegend im Haus seines Vaters. Viele der Straftaten hatte er auch dort begangen, unter anderem, weil er in sozialen Netzwerken Bilder von Adolf Hitler und Hakenkreuzen verbreitete, dazu Losungen der NSDAP postete oder solche auf einem Plakat an seinem Fenster aushängte („Deutschland erwache!“).

Der offenbar als Einzelgänger Agierende hat nach bnr.de-Recherchen zudem 2016 in sozialen Netzwerken versucht, Mitstreiter zu gewinnen. Im August etwa rief er in kämpferischen Texten und Grafiken dazu auf, man solle sich im September 2016 in Dahlem treffen, um mit ihm die militante und nationalsozialistische „Volksbewegung Schwarz Braune Front“ (VBSBF) zu gründen. Er hetzte gegen Migranten, Juden, „Volksverräter“ und „Volksfeinde“. Kurz vor dem Termin kam es zu einer Hausdurchsuchung. Beschlagnahmt wurden zahlreiche Messer und Schreckschusswaffen.

Über VK-Netzwerk „Tod unseren Feinden“ gefordert

Unbeeindruckt hetzte der Neonazi im russischen VK-Netzwerk gegen die Ermittler und postete dazu die Namen eines Justizmitarbeiters und einer Staatsanwältin, der er vorwarf, ihr Name klinge „jiddisch“. Ermittelt, schrieb er weiter, werde gegen ihn auch wegen Postings im „Judenbook“ (Facebook). Zugleich rief er nach Recherchen von bnr.de via VK weiter zum Widerstand auf und forderte: „Tod unseren Feinden!“ Dazu postete er ein Foto, das offenbar ihn in jüngeren Jahren als Bundeswehr-Soldaten in einer Kaserne, in Kampfuniform und mit einem Maschinengewehr zeigt.

Ob die VBSBF mehr als nur ein Hirngespinst eines Einzelgängers war, ist fraglich. Die von dem Neonazi selbst eingelegte Berufung gegen die im April 2018 am Amtsgericht Schleiden aus drei Freiheitsstrafen gebildete Gesamthaftstrafe ist am 28. November rechtskräftig geworden, weil der Angeklagte nicht zum eigenen Prozess erschienen war. Statt im Kreis Euskirchen lebt er nun offenbar im Raum Aachen-Düren. (mik)

Quelle: BNR => https://www.bnr.de/artikel/aktuelle-meldungen/militanter-brauner-einzelg-nger


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