Archiv der Kategorie 'Homophobie'

Rechtes Land Eifel / Euskirchen

Quelle Rechtes Land => http://www.rechtesland.de//#?zoom=10&center=50.59326331891003,6.576690673828126&datasets=5,6,9,8,7,112,114,59,163,92,47,29,81,78,88,86,64,51,31,35,30,157,156,11,164,145,146,2,4,3&menu=1

Antisemitismus: Die AfD ist tot – sie weiß es nur noch nicht

Die AfD ist Geschichte. Denn was im heutigen Deutschland nicht geht, und darauf darf man ruhig stolz sein, ist eine Antisemitenpartei. Und die AfD ist antisemitisch. Ein Kommentar.

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Sie erwarten vielleicht, dass es um den Brexit geht. Nein, wenn alle über den Brexit schreiben, mache ich das nicht. Stattdessen schreibe ich über die AfD. Bei der AfD herrscht Feierlaune, wegen der britischen Entscheidung. Aber die Partei ist tot, sie weiß es nur noch nicht. Da hilft auch kein Brexit. Vielleicht kommen sie in den nächsten Bundestag, aber das wird nur ein Intermezzo sein. Es ist vorbei.

Im baden-württembergischen Landtag sitzt der Abgeordnete Wolfgang Gedeon, ehemaliger Maoist. Er hat ein Buch geschrieben, in dem sich Sätze wie diese finden: „Die Versklavung des Restes der Menschheit im messianischen Reich der Juden ist also das eschatologische Ziel der talmudischen Religion.“

Wenn das kein Antisemitismus ist, dann wäre auch Adolf Hitler kein Antisemit gewesen. Übrigens war Hitler, bei allem, was man gegen ihn sagen kann, ein eleganterer Stilist als Wolfgang Gedeon. Auch der Fraktionsvorsitzende Meuthen hat die Botschaft des Buches erkannt. Er wollte Gedeon aus der Fraktion werfen. Dafür findet er in der AfD-Fraktion nicht die notwendige Mehrheit. Nun soll eine wissenschaftliche Kommission das Buch analysieren und herausfinden, ob es sich bei der These, die Juden strebten nach der Weltherrschaft, wirklich um Antisemitismus handelt. Eines der Kommissionsmitglieder soll Jude sein. Der Gedanke, dass ein seriöser jüdischer Wissenschaftler sich für diesen Job begeistern könnte, zeugt von dem Vakuum, das in den Köpfen der AfD-Fraktion regiert.

In einer neuen Partei suchen auch Wirrköpfe eine Heimat, das ist normal. Bei den Grünen war es auch so. Die schließt man dann aus, fertig. Dass ein Parteimitglied menschenfeindliche Thesen verzapft, lässt sich bei tausenden Mitgliedern nicht vermeiden, so etwas kommt bei jeder Partei hin und wieder vor. In der AfD aber halten nicht Einzelne, sondern viele die jüdische Weltverschwörung für eine Idee, die man ernsthaft diskutieren sollte.

Die Partei hat ihre Anfangserfolge einer Anziehungskraft auf Milieus zu verdanken, die beim Namen „NPD“ der Abscheu packt. Es gibt viel Unzufriedenheit mit der Angebotspalette im Parteiensystem, seit „CDU“ nur noch ein anderer Name für „SPD“ ist. Was aber im heutigen Deutschland nicht geht, und darauf darf man ruhig stolz sein: eine Antisemitenpartei. Es gibt Antisemiten, aber auf deren Bestrebungen, sich als Partei zu etablieren, ruht ein Fluch. Sie haben Anfangserfolge, und dann zerlegen sie sich selbst, bei der AfD ist es bereits in vollem Gang. Sie zerstreiten sich immer über die Frage, wer Führer sein darf. Dass deutsche Rechtsextreme mit einem unlösbaren Führerproblem geschlagen sind, scheint mir ein Indiz für die Existenz eines Gottes zu sein, der Humor hat.

Quelle: Tagespiegel => http://www.tagesspiegel.de/politik/antisemitismus-die-afd-ist-tot-sie-weiss-es-nur-noch-nicht/13788446.html

Siehe auch:

„Wählte AfD-Kreisverband einen Holocaustleugner in den Vorstand?“ => http://wug-gegen-rechts.de/2016/06/ansbachweissenburg-waehlte-afd-kreisverband-einen-holocaustleugner-in-den-vorstand/

Das TV-Magazin „Westpol“ berichtete am 8. November 2015 über eine Diskussionsveranstaltung der AfD in Euskirchen mit Bundesvorstandsmitglied Georg Pazderski. Im Anschluss an den Vortrag, der Anfang November stattfand, sagte demnach ein unbekannter Teilnehmer zum möglichen Umgang mit Flüchtlingen: „Man muss sich nur an den Zweiten Weltkrieg erinnern, an unsere eigene Geschichte. Was haben wir denn mit den Juden gemacht? Da gab es ja auch Möglichkeiten… Man muss gar nicht übertreiben, aber was anderes wird bald gar nicht mehr möglich sein. Die Flüchtlinge gehen ja nicht freiwillig.“=> http://www.mbr-koeln.de/vor-ort/kreis-euskirchen/#aufmaersche-aktionen-uebergriffed/

Pressemitteilung: Neue Kameradschaft aus der Eifel – EX-FNE Mitglieder gründen neue Kameradschaft Eifler Land (KEL)

KREIS EUSKIRCHEN und EIFEL – An einer Demonstration der NPD Trier nahm am 14. September erstmals eine neue Neonazi-Gruppe aus der Eifel teil. Im Aufruf zur Versammlung wird die “Kameradschaft Eifelland” als Unterstützerin genannt.

Demonstration der NPD Trier am 14. September 2013 - Kameradschaft Eifler Land (KEL)  - Mitglieder kommen aus Mahlberg/Bad Münstereifel, Jünkerath, Feusbach, Mechernich, Dahlem ...  - Bild zeigt EX-FNE Mitglied Christoph S. aus Jünkerath/RLP
Demonstration der NPD Trier am 14. September 2013 – Kameradschaft Eifler Land (KEL) – Die Mitglieder kommen aus Mahlberg/Bad Münstereifel, Jünkerath, Feusbach, Mechernich, Dahlem … – Bild zeigt EX-FNE Mitglied Christoph S. aus Jünkerath/RLP – Bildquelle: Antifaschistisches Infobüro Rhein-Main http://www.infobuero.org/

Die Schreibweise auf ihren Gruppen-T-Shirts lautet jedoch “Kameradschaft Eifler Land” (KEL). Neben dem Gruppennamen ist auch ein Reichsadler, der ein Eisernes Kreuz in einem Eichenkranz trägt, auf den Shirts abgebildet. Das Logo ähnelt jenem der “Freien Nationalisten Euskirchen” (FNE).

Unter den vier angereisten Personen, welche die T-Shirts mit dem KEL-Logo trugen, befand sich auch eine Person, die im März 2012 als FNE-Mitglied eine Demonstration in Trier besuchte.

Die FNE ist mit wenigen Ausnahmen seit November 2011 nicht mehr öffentlich in Erscheinung getreten. Damals hatte ihr Führungskader einer Schülerin massive Gewalt angedroht, weshalb der Polizeiliche Staatsschutz Ermittlungen aufnahm. (nrwrex berichtete) Die Personen, die sich zu der neuen “Kameradschaft Eifler Land” bekennen, stammen aus dem Kreis Euskirchen (NRW) und dem Landkreis Vulkaneifel (RLP). (mb)

Quelle: NRW Rechtsaussen => http://nrwrex.wordpress.com/2013/09/19/eu-neue-kameradschaft-aus-der-eifel/

Update: Die „neue“ Kameradschaft Eifler Land trat am Samstag, den 28. September, zusammen mit Neonazis der Kameradschaft Pfalzsturm bei den Neonazi-Trauermarsch in Kaiserslautern erneut in Erscheinung. Es waren diesmal wieder vier Mitglieder anwesend, wobei diesmal ein neuer bekannter Neonazi aus Feusbach/Eifel mit dabei war.

Mehr Infos und Hintergründe über die Nazidemo am 28. September 2013 in Kaiserslautern beim Antifaschistisches Infobüro Rhein-Main => http://www.infobuero.org/2013/09/kaiserslautern-neonazi-trauermarsch-angekundigt/

Bericht zum Neonaziaufmarsch in Kaiserslautern am 28. September 2013

Unter dem Motto „Gegen das Vergessen! 28.09.1944 Bombardierung von Kaiserslautern!“ veranstaltete die Kameradschaft Pfalzsturm am Samstag, dem 28. September, einen Aufmarsch in Kaiserslautern. An dem Aufzug beteiligten sich rund 40 Personen.

Aufgebaut. Neonazis aus der Pfalz posieren bei einem Aufmarsch am 28. September 2013 in KaiserslauternAufgebaut. Neonazis aus der Pfalz posieren bei einem Aufmarsch am 28. September 2013 in Kaiserslautern.Quelle: Antifaschistisches Infobüro Rhein-Main

Neben Neonazis aus Kaiserslautern und dem Raum Kusel unterstützten die Kameradschaften Sturmdivision Saar und Nationaler Widerstand Zweibrücken die Veranstaltung. Auch Mitglieder der neugegründeten Kameradschaft Eifler Land und des NPD-Kreisverbands Westpfalz nahmen teil.

Redebeiträge hielten Melanie Schlinck, die die Veranstaltung auch angemeldet hatte und auf die Bombardierung der Stadt einging, sowie die französische Front National-Aktivistin Marie-Christine Guibert. Letztere beklagte die Stationierung von US-Truppen in Europa und die deutsch-französische Beteiligung an Kriegseinsätzen, bei denen Menschen für „amerikanische Interessen“ stürben. Darüber hinaus betonte sie ihre Verbundenheit zu Deutschland.

Gehweg statt Straße. Da in Kaiserslautern nur 40 Neonazis auftauchten, durften sie überwiegend nur den Gehweg nutzen.Gehweg statt Straße. Da in Kaiserslautern nur 40 Neonazis auftauchten, durften sie überwiegend nur den Gehweg nutzen.Quelle: Antifaschistisches Infobüro Rhein-Main

Gegen Ende der Veranstaltung ließ Detlef Walk, Mitglied der Kameradschaft Nationaler Widerstand Zweibrücken, seinen Ärger über die Kaiserslauterer Ordnungsbehörden verlauten. Diese hatten sich dazu entschlossen, die Neonazis aufgrund der geringen Beteiligung überwiegend auf dem Gehweg vom Messeplatz zum Hauptbahnhof zu leiten. Um gegen diese „Farce“ vorzugehen, kündigte Schlinck weitere Aktionen an – „wahrscheinlich jedes Wochenende“.

Quelle: Antifaschistisches Infobüro Rhein-Main => http://www.infobuero.org/2013/10/bericht-zum-neonaziaufmarsch-in-kaiserslautern-am-28-september-2013/

Rechter Mehrfachaktivist aus Weilerswist (Kreis Euskirchen) ruft zur Bildung von „bewaffneten Bürgerwehren“ auf

Weilerswist (Kreis Euskirchen)/Köln – Zur Bildung von „Bürgerwehren“ ruft ein Kölner Rechtspopulist auf – in der Domstadt soll bereits eine der Gruppen aktiv sein.

Sebastian Nobile bei
Sebastian Nobile bei „Pro Nrw“ Aufmarsch in Wuppertal am 27.10.2012 als German Defence League (GDL) Anführer Division Köln – Bildquelle => lfa.blogsport.de

Ihr Initiator Sebastian Nobile galt bis zum Frühjahr als führender Kopf bei der Kölner „Division“ der „German Defence League“ (GDL). „Pro NRW“ präsentierte den 34-Jährigen, der bei Veranstaltungen der Rechtspopulisten auch als Redner auftrat, Anfang des Jahres per Facebook-Mitteilung als Mitglied der Partei. Bei der Bundestagswahl kandidierte er für „pro Deutschland“ auf Platz zwei der Landesliste im Saarland.


Seitdem Sebastian Nobile in Kreis Euskirchen wohnt, sind Aktivitäten und Propaganda Aktionen der Pro NRW, German Defence League und Identitären massiv angestiegen – Aufkleber der Identitären in Zülpich – Mehr unter https://secure.flickr.com/photos/antifaeifel/sets/72157633209691525/

Von der „Defence League“ hat sich Nobile inzwischen verabschiedet: Er sympathisiere mehr mit den „Identitären“, ließ er Anfang März wissen, unterstütze „die GDL aber gerne weiter, das Ziel ist ja das Gleiche“. Aktuell verfolgt er sein Ziel auf der Straße: „Erste Bürgerwehr in Köln nimmt ihren Dienst auf“, berichtete er in dieser Woche auf der islamfeindlichen Internetseite „Politically Incorrect“. „Politik, Medien und dann in der Folge auch die Polizei“ hätten „die Menschen in diesem Land irgendwo alleine lassen, also ihr eigenes Volk verraten“, heißt es in seinem Pamphlet. „Die überwiegende Masse an Verbrechen passiert aus dem islamischen Kulturkreis, was sich mit der islamischen Ideologie erklären lässt“, weiß er zu berichten.

Sebastian Nobile als Redner auf der
Sebastian Nobile als Redner auf der „Pro Nrw“-Kundgebung in Velbert am 27.02.2013 – Bildquelle => lfa.blogsport.de

Überall müssten Bürgerwehren gegründet werden, fordert Nobile. „Kein Gericht dieser Welt, keine Politik, kann gesetzestreuen Bürgern verbieten, durch die Straßen zu gehen und nach dem Rechten zu sehen“, schreibt er auf seiner Facebook-Seite. Auch über die Bewaffnung beim Patrouillieren hat er sich Gedanken gemacht. Dabei geht es ihm nicht nur um einfache Gehstöcke, Taschenmesser oder dergleichen: „Sogar ’nen Teleskopschlagstock darf man mitnehmen (nur nicht auf öfftl. Veranstaltungen), Reizgas und für die Reichen: Taser!“ – also Elektroschockpistolen.

„Pro NRW“-Chef Markus Beisicht und der „pro Deutschland“-Vorsitzende Manfred Rouhs ließen eine Anfrage, ob Nobile Mitglied in ihren Parteien gewesen ist oder noch immer ist und was sie von seiner „Bürgerwehr“-Idee halten, bisher unbeantwortet. (rr)

Quelle: Blick nach Rechts (BNR) => http://www.bnr.de/artikel/aktuelle-meldungen/bewaffnete-gesetzestreue-buerger

Weitere Hintergrund Informationen zu „German Defence League“ (GDL), „Identitären Bewegung“ und „Pro NRW“:

Die German Defence League => https://linksunten.indymedia.org/node/70257

Neonazis übernehmen die “Identitäre Bewegung” => https://linksunten.indymedia.org/de/node/74070

Bombenbauer, Nazis, „Identitäre“ => http://de.indymedia.org/2013/03/342131.shtml

International | AIB 97 / 4.2012 | 25.02.2013 – Die europäische »identitäre Bewegung« => https://www.antifainfoblatt.de/artikel/die-europ%C3%A4ische-%C2%BBidentit%C3%A4re-bewegung%C2%AB

Wikipedia => https://de.wikipedia.org/wiki/Identit%C3%A4re_Bewegung

Aktueller Überblick von Aktivitäten extrem rechten Parteien, Gruppen und Personen in Kreis Euskirchen

Parteienspektrum | Freie Kameradschaftsszene | Aufmärsche / Aktionen / Übergriffe |

Parteienspektrum

kreis

Die Aktivitäten extrem rechter Parteien im Kreis Euskirchen sind überschaubar. Weder DVU noch Republikaner oder Pro NRW unterhalten regionale Ableger ihrer Landesverbände. Bemühungen, einen Pro NRW-Kreisverband aufzubauen, sind zuletzt auch an dem Widerstand der NPD gescheitert. Im Dezember 2009 gab es den Versuch einer Pro NRW-Gründungsveranstaltung in Euskirchen, auf der auch Kandidaten für die Landtagswahl bestimmt werden sollten. Dieses Treffen wurde von der NPD und der regionalen Kameradschaft „Freie Nationalisten Euskirchen“ (FNE) gestört und konnte nicht durchgeführt werden. Ähnlich ist auch eine Pro NRW-Gründungsversammlung in Düren verlaufen, die durch die ortsansässige NPD in Zusammenarbeit mit der „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL) verhindert wurde.

Die NPD war somit lange als einzige extrem rechte Partei mit einer Ortsgruppe Euskirchen im Kreisgebiet vertreten. Die kommissarische Betreuung der Ortsgruppe oblag bis Herbst 2010 dem Kreisverband Düren, der seinen Aktionsradius damit auch in südliche Richtung ausgedehnt hatte. Nach einem Streit zwischen diesem Kreisverband und der NPD-Landesführung verhängte der Landesvorstand jedoch den „organisatorischen Notstand“ über die NPD Düren und damit auch über die Ortsgruppe Euskirchen. Aktivitäten der NPD vor Ort, wie die Verteilung von Flugblättern oder die Durchführung von Infoständen, wurden bis dahin von der NPD Düren organisiert und unterstützt, blieben seit 2010 jedoch weitestgehend aus.

Schon bei der Kommunalwahl 2009 konnte kreisweit kein Kandidat für einen Wahlantritt gewonnen werden. Bei der Bundestagswahl stellte die NPD im Wahlkreis Euskirchen den Einzelhandelskaufmann René R. als Direktkandidaten zur Wahl. Das Dürener Stadtratsmitglied R. war selbstverständlich als Direktkandidat chancenlos, holte jedoch mit 1,3 Prozent ein Ergebnis, das um 0,1 Prozent über dem Landesschnitt lag. An Zweitstimmen erzielte die NPD hier 1,0 Prozent, ebenfalls 0,1 Prozent über dem Landesdurchschnitt. Nach dem Bruch von R. mit der NPD stellte die Partei bei der Landtagswahl 2012 keinen Direktkandidaten mehr auf. Die NPD erzielte im Wahlkreis Euskirchen I 0,57 Prozent der Zweitstimmen und im Wahlkreis Düren II – Euskirchen II 0,58 Prozent.

Pro NRW erhielt in den beiden Wahlkreisen 1,35 und 1,31 Prozent der Zweitstimmen. Während Pro NRW so gegenüber der Landtagswahl im Jahre 2010 leichte Zugewinne verzeichnen konnte, büßte die NPD 2012 in beiden Wahlbezirken sehr stark Stimmen ein. Trotz der Tatsache, dass die extreme Rechte im Kreis Euskirchen über die am schwächsten entwickelten Parteistrukturen im Regierungsbezirk Köln verfügt, lässt das keine Aussage über ein möglicherweise geringes Potenzial der extremen Rechten vor Ort zu. Die Aktivitäten der nicht parteilich organisierten Szene vor Ort und der auffällig großen Mischszenen im Kreisgebiet können hierfür als Beleg herhalten. Überdies lebt in der Gemeinde Weilerswist der frühere Kopf der „Division Köln“ der „German Defence League“ (GDL).

Die GDL kooperiert teilweise eng mit Pro NRW und ist eine Art aktionistischer Zusammenschluss von überwiegend jungen Personen, die unter dem Deckmantel der Islamkritik rechtsextreme und rassistische Aussagen auf Homepages und in Foren tätigen. Zudem organisierte die GDL bundesweit kleine Demonstrationen und „Mahnwachen“, etwa in Köln im Jahre 2012 einen „Marsch der Patrioten“. Die Agitation der GDL richtet sich überwiegend gegen „den“ Islam, gegen Muslime oder Menschen aus dem arabischen Raum. Im Kreis Euskirchen kam es zu keinen öffentlichkeitswirksamen Aktionen der GDL.

Freie Kameradschaftsszene

Im Gegensatz zu den eher spärlichen Aktivitäten der extrem rechten Parteien, die sich darüber hinaus auch fast ausschließlich auf Euskirchen konzentrieren, gehörte der gesamte Kreis Euskirchen zum Aktionsradius der Neonazi-Gruppe „Freie Nationalisten Euskirchen“ (FNE). Die Gruppe betrieb bis November 2011 eine Internetseite, einen Blog und ein Forum mit Berichten sowie Hinweisen auf Termine. Die FNE unterhielten über Jahre gute Kontakte zur regionalen NPD. Darüber hinaus wurden Kontakte zum „Aktionsbüro Mittelrhein“ (ABM) gepflegt, das – obwohl in Rheinland-Pfalz beheimatet – auch im südlichen Nordrhein-Westfalen aktiv war. Im März 2012 fand wegen des Verdachts der Bildung oder Unterstützung einer kriminellen Vereinigung eine Großrazzia gegen ABM-Strukturen statt (siehe unten).

Ungewöhnlich an der FNE war, dass zumindest zeitweise eine junge Frau der Führungsriege angehörte. Von den FNE gingen neben spontanen Aktionen und der Verteilung von Propagandamaterial auch „Anti-Antifa“-Aktivitäten aus. Im Sommer 2008 besuchten „getarnte“ Mitglieder der FNE eine Veranstaltung der regionalen Antifa-Gruppe und kündigten an, Aktivitäten dieser Art fortsetzen zu wollen. Kurz darauf, am 30. August 2008, feierten die FNE ihr einjähriges Bestehen in einem Schützenheim im Kreisgebiet. Neben den obligatorischen Reden wurden zwei Bandauftritte dargeboten. Die Gruppe hielt regelmäßig interne Treffen und Stammtische für Mitglieder und Interessenten ab, teilweise in Gaststätten.

Durch das Anbringen von Aufklebern und Graffiti war die Gruppe auch in der Öffentlichkeit wahrnehmbar. Regelmäßige öffentliche Auftritte der Gruppe bei Aufmärschen sprachen für eine Gruppenstruktur, die ein gewisses Aktionspotenzial entfalten konnte, auch wenn Diskussionen und Veröffentlichungen der Gruppe nicht den Anschein machten, als gehörte sie zu den politischen Vordenkern der Szene im Regierungsbezirk Köln.

Anfang November 2011 ließ die Gruppe verlautbaren, „dass die Führung der FNE aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten ist“ und „ab sofort offiziell in die Winterpause“ gehe. Rund zehn Tage später bedrohte ein FNE-Anführer jedoch eine Schülerin im Namen der FNE (siehe unten). Seit November 2011 wurde die Website der Gruppe nicht mehr aktualisiert; nachdem der Hosting-Dienst in den USA im März 2012 seinen Service einstellte, verschwanden Website, Blog und Forum ganz aus dem Internet.

Aufmärsche/Aktionen/Übergriffe

Im Kreisgebiet Euskirchen kommt es immer wieder zu Aktionen und Vorfällen mit extrem rechtem Hintergrund. Eric Leu, der ehemalige Ortsvorsitzende der NPD Rhein-Erft, organisierte im Jahr 2007 eine Mahnwache vor dem Euskirchener Bahnhof. Die Veranstaltung des Bergheimers, der schon in den Jahren zuvor als Organisator von Rechtsrock-Konzerten auch im Kreis Euskirchen aufgefallen war, richtete sich gegen die Sexualdelikte eines Migranten, beinahe schon ritualisiert wurde die Forderung nach „härteren“ Strafen erhoben.

Ein Anziehungspunkt der regionalen wie überregionalen Szene stellt die ehemalige NS-„Ordensburg“ Vogelsang dar. Das Gelände, das mittlerweile unter anderem als Veranstaltungsort und Bildungseinrichtung dient, war in der Vergangenheit mehrfach Treffpunkt für Aktionen von Neonazis. Als Reaktion auf eine neue Hausordnung, die Propagandabesuche von Neonazi-Gruppen unterbinden sollte, kam es am 26. November 2006 zu einer Aktion der KAL, bei der rund 25 Neonazis das Hausverbot ignorierten, auf das Gelände marschierten und mittels einer „Mahnwache“ die Zufahrt versperrten. NPD und KAL wiederholten im Mai 2007 ein konspirativ vorbereitetes Unterlaufen der Hausordnung, diesmal erschienen rund 50 Neonazis und führten einen selbst organisierten Rundgang auf dem Areal durch, bevor die Betreiber nach einer Stunde dagegen einschritten.

In Gemeinden kommt es immer wieder zu Vorfällen, an denen so genannte Mischszenen teilhaben. Gerade im ländlichen Raum existieren oftmals Cliquen, in denen sowohl (extrem) rechte, als auch unpolitische oder nicht-rechte Menschen aufeinander treffen. Die Gesinnung ersterer wird in solchen Zusammenhängen häufig wenig bis gar nicht thematisiert. So kam es zu Vorkommnissen wie in einer (nicht mehr existenten) Kneipe in Gemünd, in der Gruppen von eindeutig identifizierbaren Neonazis sich problemlos aufhalten konnten und deren extrem rechte Musikwünsche erfüllt wurden. Auf der Homepage der Kneipe war etwa eine Person zu sehen, deren Tätowierung ein Bild des ehemaligen Hitler-Stellvertreters Heß zeigte.

Ebenfalls verkehrten in der Kneipe Mitglieder einer Gruppe, die sich selbst als „Bruderschaft Salzberg“ bezeichnet. Mittlerweile scheinbar inaktiv, stellte sich die Gruppe in den letzten Jahren als unpolitisch dar, benutzte jedoch gerade im Internet einschlägige Symbole und Formulierungen. Auch die Anwesenheit dieser Clique stellte für die bereits erwähnte Kneipe, die keinen politischen Hintergrund hatte, anscheinend kein Problem dar, was beispielhaft für den häufig beobachteten Umgang mit solchen Cliquen im Kreisgebiet steht.

Als Mischszene und Grauzone lassen sich auch Besucher der Konzerte der Band „Enkelz“ in Hellenthal und Kall beschreiben, auch wenn die Gruppe zeitweise sogar unter dem Motto „Rock gegen Rechts“ auftrat. Sowohl Neonazis und rechtsaffine junge Leute, aber auch völlig unpolitische Fans besuchten die im Raum Euskirchen stattfindenden Konzerte der Musikgruppe, die zahlreiche Lieder der „Böhsen Onkelz“ covert. Auffällig im Rahmen jener Mischszenen oder Mischcliquen waren zeitweise auch Mai-Gruppen oder „Mai-Logen“ aus verschiedenen Ortschaften im Kreisgebiet, deren Aktivitäten durch überwiegend männliche Jugendliche geprägt waren. Rechte Vorfälle wurden hierbei etwa in den Hellenthaler Ortsteilen Rescheid und Blumenthal sowie in Kall bekannt.

In den letzten Jahren waren auch häufiger Fälle von Vandalismus mit eindeutig antisemitischem Hintergrund zu erkennen. Das mit einer Glasplatte versehene Mahnmal für die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus, das erst im November 2008 im Hellenthaler Ortsteil Blumenthal an der Stelle der zerstörten Synagoge errichtet wurde, wurde bereits zwei Mal innerhalb von nur wenigen Monaten zerstört. Zudem wurde der jüdische Friedhof in Euskirchen Ziel von rechtem Vandalismus, bei dem Grabsteine umgeworfen und aufgesprühte Hakenkreuze hinterlassen wurden. Zu neonazistischen Aufkleber- und Sprühaktionen kam es sporadisch im gesamten Kreisgebiet, zeitweise besonders stark in Euskirchen, Kall und Gemünd. In Kall häuften sich solche Vorfälle besonders stark wieder Anfang 2013, offenbar wurde ein Teil der Schmier- und Sprühaktionen dabei aus dem Umfeld rechtsgerichteter Techno-Fans begangen.

In Schleiden-Herhahn war es im März 2011 zu Sprühaktionen gegen eine Veranstaltung, die im Begleitprogramm des rollenden Mahnmals „Zug der Erinnerung“ mit einem Zeitzeugen der Edelweiß-Piraten stattfand, gekommen. Neonazis sprühten am Vorabend im Umfeld des Veranstaltungsraumes großflächig zahlreiche Parolen oder Losungen wie „Antifa bedeutet Angst“ sowie den Namen und die Webadresse des „Aktionsbüros Mittelrhein“ (ABM). Schon im Mai 2010 hatte das ABM professionell gestaltete Werbebanner verbreitet mit der Aufschrift „8. Mai – 65 Jahre Judenrepublik“, beispielsweise wurde ein solches an der Urftbrücke in Kall-Sötenich befestigt. Im Zuge einer Großrazzia durch die Staatsanwaltschaft Koblenz wegen des Verdachts der Bildung oder Unterstützung der kriminellen Vereinigung „Aktionsbüro Mittelrhein“ (ABM) wurden am 13. März 2012 zahlreiche Objekte in NRW und Rheinland-Pfalz durchsucht, darunter auch eine Wohnung in Schleiden-Gemünd. Insgesamt 26 Neonazis im Alter zwischen 19 und 54 Jahren müssen sich seit dem 20. August 2012 deswegen vor dem Landgericht Koblenz verantworten, darunter auch der junge Neonazi aus Gemünd.

Im November 2011 ermittelte der Staatsschutz der Polizei in Bonn wegen einer Bedrohungssituation gegen Markus S., zu diesem Zeitpunkt Führungskader der „Freien Nationalisten Euskirchen“, zeitweise zuvor auch stellvertretender Vorsitzender der NPD-Ortsgruppe Euskirchen. Er soll Mitte November 2011 in Euskirchen mit einem „Kameraden“ und einer „Kameradin“ eine 16-jährige Schülerin, die in der linken Szene aktiv war, abgefangen haben. Tage zuvor war es offenbar zu Streit zwischen Neonazis und Nazigegnern gekommen, zudem waren Mitglieder der FNE-Führungsebene namentlich im Internet „geoutet“ worden. S. soll von der Schülerin verlangt haben, solche Infos aus dem Web zu entfernen. Geschehe dies nicht, soll er der 16-Jährigen und der Verwandtschaft massive Gewalt sowie das Anzünden des Wohnhauses angedroht haben. Das Verfahren gegen den geständigen Neonazi wurde später mit der Auflage eingestellt, eine Geldbuße an eine gemeinnützige Einrichtung zu zahlen.

Stand der Informationen: 30.06.2013


Quelle => http://www.mbr-koeln.de/vor-ort/kreis-euskirchen/