Rechtsextreme Wahlplakate und Propaganda
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a) All­ge­mein
Es ist wie­der so­weit: Zur nächs­ten Wahl sind es noch we­ni­ger als sechs Wo­chen hin und alle Par­tei­en sor­gen mit ihrer flä­chen­de­cken­den Pro­pa­gan­da für op­ti­sche Um­welt­ver­schmut­zung. Dazu ge­hö­ren auch die rech­ten Par­tei­en wie die Re­pu­bli­ka­ner, NPD oder DVU. Wäh­rend sich die Pla­ka­te der „de­mo­kra­ti­schen“ Par­tei­en, be­son­ders die rie­si­gen Wer­be­ta­feln am Stra­ßen­rand, ganz ein­fach mit­tels Farbe und genug Ideen ver­än­dern las­sen, sind die rech­ten Par­tei­en vor­sich­ti­ger. Stra­ßen­pla­ka­te sind sel­te­ner und die Pla­ka­te an den La­ter­nen­mas­ten hän­gen höher. Aus lang­jäh­ri­ger Pra­xis sind viele Hin­wei­se ent­stan­den, um den Wahl­pla­ka­ten ihre Wir­kung zu neh­men.

b) Ent­fer­nen
In den sel­tens­ten Fäl­len hän­gen diese so nied­rig, dass sie nur ab­ge­ris­sen wer­den brau­chen. Ganz prak­tisch ist ein Fahr­rad, was ein­fach an den Mast ge­lehnt und als Trit­t­hil­fe ge­nutzt wer­den kann. Das hat den Vor­teil, gleich ein schnel­les, öko­lo­gisch sinn­vol­les Fort­be­we­gungs­mit­tel zu haben. Der Nach­teil: Die Ver­let­zungs­ge­fahr steigt. Des­halb soll­te je­mand das Rad fest­hal­ten, der gleich­zei­tig Schmie­re steht.

Er­reichst du nun das un­te­re Ende des Pla­kats, so hilft meist eine Mi­schung aus Zie­hen und Dre­hen, um es nach unten zu be­för­dern. Die Pla­ka­te sind immer ent­we­der mit Plas­ti­krie­men oder Dräh­ten zu­sam­men­ge­hal­ten. Zum Durch­schnei­den eig­nen sich am bes­ten Gar­ten-​ oder Draht­sche­ren. Der Vor­teil der Gar­ten­sche­re ist die ro­bus­te­re Bau­wei­se und der Si­cher­heits­ver­schluss, der auch in der Luft mit einer Hand ge­schlos­sen wer­den kann. Die Vor­tei­le der Draht­sche­re sind ge­rin­ge­re Größe und Ge­wicht.

NPD Kackplakat

Es ist hilf­reich, auf dem Fahr­rad ste­hend schon die un­te­re Hal­te­rung zu ent­fer­nen, dann rutscht das Pla­kat leich­ter run­ter. Manch­mal musst du vom Fahr­rad aus noch etwas am Mast hoch­sprin­gen oder -​klet­tern, um das un­te­re Ende zu er­rei­chen. Auch Müll­ei­mer oder Ver­kehrs­schil­der kön­nen zum Hoch­zie­hen prak­tisch sein. Da kom­men Er­in­ne­run­gen an die Klet­ter­stan­gen aus dem Sport­un­ter­richt hoch. Ar­beits­hand­schu­he hel­fen, Ver­let­zun­gen vor­zu­beu­gen. Wenn mensch sich an die Teile mit Draht­hal­te­run­gen hängt, fal­len diese fast von al­lei­ne ab.

Aber die Par­tei­hel­fe­rIn­nen ler­nen auch und hän­gen die Teile ge­mei­ner­wei­se noch höher. Dann hilft eine Jäte (die­ses Gar­ten­ge­rät mit Stiel und drei Spit­zen), wahl­wei­se vom Boden oder vom Fahr­rad aus, um die Pla­ka­te auf hand­li­che Höhe run­ter­zu­ho­len. Auch an­de­re läng­li­che Dinge wie Har­ken, Ha­cken, Te­le­skop­stan­gen etc. kön­nen nütz­lich sein, sind aber in der Stadt nicht immer un­auf­fäl­lig. Schau dich mal im Bau­markt um, es gibt (lei­der teuer) sehr lange Te­le­skop­stan­gen mit einer Sche­re dran, die be­nutzt wer­den, um hohe Äste zu schnei­den oder Äpfel zu pflü­cken. Damit sind je nach Te­le­skop­stan­ge selbst die höchs­ten Pap­pen zu er­wi­schen. Ei­ni­ge Bau­märk­te ver­lei­hen die auch (Ihr wollt nur Äste stut­zen) und zu­min­dest in Ber­lin soll auch eine ge­wis­se linke Par­tei Äp­fel­pflü­ckern über die Nacht sol­che Ge­rä­te lei­hen. Im Früh­jahr haben manch­mal Dis­coun­ter wie Lidl oder Plus sol­che Te­le­skop-​Sche­ren für ca. 8-12 Euro im An­ge­bot.

Der Vor­teil die­ser Ge­rät­schaf­ten liegt in der grö­ße­ren Reich­wei­te und ist auch für we­ni­ger trai­nier­te Men­schen an­wend­bar. Au­ßer­dem macht es we­ni­ger Lärm und ist schnel­ler, was in Wohn­ge­gen­den hilf­reich ist. Der Nach­teil ist die Auf­fäl­lig­keit.

Wenn du das Pla­kat unten hast, lasse es nicht ein­fach lie­gen, sonst hän­gen die Par­tei­trup­pen die bei der nächs­ten Strei­fe ein­fach wie­der auf. Zer­bre­chen und gut sicht­bar plat­zie­ren wirkt auch für Pas­san­tIn­nen als Zei­chen und kos­tet den Par­tei­en Geld. Ein­fa­ches Um­kni­cken ist nicht genug, es gab schon Fälle, da hat die NPD auch diese wie­der auf­ge­hängt. Min­des­tens zwei Teile soll­ten es schon sein.

Nach kräf­ti­gem Regen, wenn die Papp­pla­ka­te gut durch­nässt sind, geht vie­les ein­fa­cher, aber das Klet­tern zum Bei­spiel wird schwie­ri­ger. Ein ein­ge­spiel­tes Team (eineR klet­tert, eineR wacht) kann in einer Stun­de pro­blem­los 40-50 Pla­ka­te ent­fer­nen.

c) Be­schmut­zen
Wenn Pla­ka­te ein­fach weg sind, wer­den sie schnell ver­ges­sen. Wenn sie al­ler­dings nur un­les­bar sind oder blut­ro­te Farbe das Pla­kat run­ter­läuft, sehen mehr Men­schen, dass sich ei­ni­ge aktiv die Ar­beit ma­chen, den Nazis etwas ent­ge­gen­zu­set­zen. Au­ßer­dem geht es meist schnel­ler.

Meh­re­re Me­tho­den sind denk­bar. Die gän­gigs­te ist, die Su­per-​Me­ga-​Gi­ga-​Was­ser­spritz­ka­no­ne (die mit dem Luft­druck) als einen Farb­sprit­zer zu miss­brau­chen. Rot kommt immer gut, schwarz deckt am meis­ten. Etwas Ver­dün­ner in die Farbe macht das Ganze flüs­si­ger, dann tropft es aber auch schnel­ler. Seid also nicht so dumm, di­rekt unter dem Pla­kat hoch­zu­zie­len. Schräg stel­len hilft Wun­der. Klei­ne Was­ser­bom­ben mit die­ser Farb­mi­schung sind auch okay, aber das er­for­dert mehr Ziel­ge­nau­ig­keit und ist auf­wen­di­ger. Auch Christ­baum­ku­geln sind sehr hand­lich und zer­bre­chen leicht, sind aber teuer. Von Din­gen wie Ei­er­wer­fen raten wir ab, weil das ers­tens un­ethisch ist (Ihr wisst ja, Hun­ger in vie­len Län­dern…) und nicht gut sicht­bar wird.

d) Ver­län­ger­te Sprüh­do­se
ver­län­ger­te Sprüh­do­seIn einem Buch gab es mal eine An­lei­tung für eine Art ver­län­ger­te Sprüh­do­se, bei der diese auf einen Be­sen­stiel mon­tiert wird. Das wol­len wir euch nicht vor­ent­hal­ten.

Be­sorgt euch einen Be­sen­stiel oder an­de­ren aus­rei­chend lan­gen, sta­bi­len Holz­stab. An einem Ende sägt ihr ein Stück mit un­ge­fähr der Hälf­te der Ge­samt­brei­te her­aus. Da be­fes­tigt ihr einen Me­tall­stab. Je nach Spray­do­se ca 20 cm tie­fer be­fes­tigt ihr eine Stütz­klam­mer, auf der die Dose ste­hen kann. Be­fes­tigt dann wie­der etwas höher zwei Win­kelei­sen an jeder Seite, so dass die Dose si­cher und fest steht. An dem Me­tall­stab oben bringt ihr ein (plas­ti­kumman­tel­ten) Draht oder eine Art Seil an und steckt es durch ein Loch in der Stütz­klam­mer und durch meh­re­re Au­gen­schrau­ben oder Ha­ken­schrau­ben, die den Stiel her­un­ter be­fes­tigt wer­den. Wenn ihr jetzt am Draht zieht, sprüht die Dose. Da ist etwas Fein­ar­beit und Übung er­for­der­lich. Graf­fi­ti-​Shops bie­ten di­ver­se „Caps“ (Auf­sät­ze, aus denen die Farbe kommt) für die Dosen an, die ent­we­der höher oder brei­ter sind und einen an­de­ren Farb­strahl (di­cker, stär­ker) er­zeu­gen (mehr Infos dazu im Ab­schnitt Graf­fi­ti).

e) An­mer­kun­gen

Wenn die Pla­ka­te schlecht ge­klebt sind (das siehst du an losen Ecken), kann es sogar rei­chen, das Pa­pier ab­zu­zie­hen. Schaut euch auch die Mas­ten an, denn da kön­nen noch Auf­kle­ber der Par­tei­en kle­ben. Seht euch vor­her an, wie die Pla­ka­te hän­gen, das hilft bei der Wahl der Me­tho­de. Meist ist die Stre­cke ganz ein­fach zu er­ken­nen, auf denen der Pro­pa­gan­da­bus ge­fah­ren ist, der kann ein­fach ge­folgt wer­den. Immer gegen die Fahrt­rich­tung ar­bei­ten ver­rin­gert die Ge­fahr, von vor­bei­kom­men­den Autos zu früh be­merkt zu wer­den.

Wenn es mal schnell gehen muss, reicht es auch, die Pla­ka­te ein­fach von der Fahr­bahn­rich­tung weg­zu­dre­hen, damit sie we­ni­ger Men­schen sehen müs­sen. Wenn du hoch in der Luft mit bei­den Bei­nen an einem Mast hängst und mit einer Hand an dem Pla­kat zerrst, wirst du so mit Ad­re­na­lin zu­ge­pumpt sein, dass dir nicht auf­fällt, wie laut du ei­gent­lich bist. Also Vor­sicht.

Ad­re­na­lin be­ne­belt die Sinne. Es lässt dich kei­nen Schmerz spü­ren, wenn du run­ter­fällst, du re­agierst schnel­ler, aber deine Sinne fo­kus­sie­ren enger. Also ganz wich­tig, dass min­des­tens eine Per­son Schmie­re steht, die Ge­fah­ren ent­de­cken kann und für dich mit­denkt. An­sons­ten gel­ten die üb­li­chen Re­geln für Demos, Ak­tio­nen und so wei­ter.

Rech­ne mit dem Schlimms­ten und nehme nichts mit, was dich be­las­ten könn­te (außer na­tür­lich die He­cken­sche­re oder ähn­li­ches). Schüt­ze dich vor An­grif­fen von Nazis oder zu en­ga­gier­ter Bür­ge­rIn­nen. In der In­nen­stadt kann sowas auch mal tags­über ge­sche­hen, sonst je spä­ter, desto bes­ser. Achte auf die Fahr­plä­ne der öf­fent­li­chen Ver­kehrs­mit­tel. Sonst pas­siert es, dass der Nacht­bus di­rekt neben der La­ter­ne hält, an der du ge­ra­de hoch­klet­terst.

Passe deine Kla­mot­ten an. Schwar­ze Ka­pu­zen­pul­lis sind der ewige Ren­ner und in der Ta­sche kann selbst am Mast die Sche­re ver­staut wer­den. Euer Fahr­rad soll­te nicht zu laut oder auf­fäl­lig sein. Und so wei­ter. Diese Tipps könnt ihr auch wo­an­ders nach­le­sen.

Eine lange Stra­ße oder sogar meh­re­re pla­kat­frei zu ma­chen, dau­ert lange und ist kör­per­lich an­stren­gend. Wenn der Ad­re­na­lin­spie­gel sinkt, kön­nen sich even­tu­el­le Schmer­zen be­merk­bar ma­chen, die Mü­dig­keit kehrt zu­rück und die bist völ­lig durch­ge­schwitzt. Ruht euch am bes­ten ge­mein­sam ir­gend­wo aus, am bes­ten bei je­man­den zu Hause. Wech­selt die Kla­mot­ten, gönnt euch viel­leicht eine Du­sche, esst etwas Scho­ko­la­de, raucht‘ eine Kippe oder was an­de­res und atmet ganz be­wusst. Wenn ihr ru­hi­ger ge­wor­den seid, macht euch klar, was ihr ge­schafft habt (x Pla­ka­te, die Stra­ße,…), was gut war, was schlecht, was ver­bes­sert wer­den kann. Das soll­te nicht un­ter­schätzt wer­den, denn das mo­ti­viert, die Grup­pe lernt und der Kopf ge­wöhnt sich, mit die­sen Si­tua­tio­nen um­zu­ge­hen. Die nächs­te Wahl kommt be­stimmt.

Viel Spaß! und passt auf!