Die rechtsextreme Szene boomt, immer mehr Kinder und Jugendliche schließen sich der rechten Szene an. Doch wie damit umgehen, wenn das eigene Kind oder Freund_in plötzlich nicht mehr wieder zu erkennen ist und mit seinen Neonazi-Auffälligkeiten das Familienleben erschwert oder stört? Lange fanden Eltern, Freunde – aber auch andere Familienangehörige, Jugendarbeiter und Pädagogen, die mit rechten Jugendlichen arbeiten müssen – keine optimierte Beratung, erhielten bei anerkannten Jugendberatungsstellen völlig aberwitzige Tipps oder trafen auf Ablehnung. Unterdessen gibt es verschiedene Angebote: Tipps für Eltern von Neonazis Danke an Klarmann für die Arbeit und das wir verlinken dürfen!

Offenbar schätzt die nordrhein-westfälische Landesregierung die Neonazi-Schlägerbande „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL) sowie zwei weitere Neonazigruppen im Regierungsbezirk Köln auf „insgesamt“ nur rund 45 Personen. In einer Antwort auf die kleine Anfrage der Bündnisgrünen heißt es zu Neonazi-„Kameradschaften“ in NRW, von diesen gebe es vier, „drei Kameradschaften [davon] befinden sich im Regierungsbezirk Köln mit einem Umfeld von insgesamt etwa 45 Personen.“ Gemeint sein dürften damit wahrscheinlich die KAL, die unter verschiedenen Namen firmierende „Kameradschaft Köln“ um den Pulheimer Neonazi Axel Reitz sowie möglicherweise auch die „Freien Nationalisten Euskirchen“ (FNE).

Die Gruppen selbst geben zuweilen in eigenen Berichten meist höhere Mitgliederzahlen an. So berichteten Szenevertreter gegenüber „Klarmanns Welt“ im Jahre 2010, dass die auf dem Gebiet der ehemaligen Landkreises Aachen aktive KAL 30 bis 60 Mitglieder haben soll. Unklar ist indes, ob bei den Angaben auch Mitläufer und Anwärter mitgezählt wurden, die nicht als Vollmitglieder angesehen werden. Alleine im Bereich Heinsberg sollen seit rund anderthalb Jahren unterdessen rund 10 bis 15, überwiegend sehr junge und radikale Neonazis aktiv geworden sein, die etwa bis Ende 2010 in ihrer Mehrzahl keine KAL-Mitglieder waren. Indes galt ein Teil jener Neonazis als „Anwärter“, ein anderer Teil als „Umfeld“ oder Mitläufer der KAL.

Die KAL ist schwerpunktmäßig im Raum Düren und in Stolberg aktiv. Interessenten oder „Kameraden“ anderer Zusammenhänge zählen dabei zum „Umfeld“ oder als Mitläufer. Neonazis, die sich der KAL anschließen wollen, werden – ähnlich wie in einem Rocker-Club – „Anwärter“. Normalerweise müssen sich diese in ihrer Probezeit als „Anwärter“ – angelegt meist auf sechs Monate – als vertrauenswürdig und zuverlässig beweisen, bevor sie die Vollmitgliedschaft erlangen. Erst dann dürfen sie entsprechende Signets auf ihrer Kleidung beziehungsweise das „T-Hemd“ der KAL tragen oder sich selbst als KAL-Mitglied bezeichnen. Ähnliche Abläufe soll es auch bei den FNE geben.

Namens der Landesregierung teilte das NRW-Innenministerium den Bündnisgrünen ebenso mit, die Zahl der „erkannten Neonazis“ liege in Nordrhein-Westfalen bei etwa 640 Personen. Hiervon würden etwa 180 der Strömung der „Autonomen Nationalisten“ (AN) zugeordnet, siehe dazu die Neonazi Gruppe AG-Rheinland. Von den derzeit zirka 750 NPD-Mitgliedern glaubt die Landesregierung, würden 200 bis 300 zugleich „Angehörige der Neonaziszene“ sein. Hier gebe es aber „erhebliche regionale Unterschiede.“ Die Antwort darauf, in welchen Regionen die Vermischung von NPD und radikaler, militanter Neonazi-Szene besonders stark ist, bleibt die Landesregierung schuldig. Ausgegangen werden darf indes davon, dass der Großraum Aachen dabei bisher eine Spitzenposition eingenommen hat.

Als Großraum Aachen gelten dabei die Städteregion Aachen und die Kreise Düren sowie Heinsberg. Neonazistrukturen aus jenen Kreisen arbeiten indes ebenso sehr eng mit Neonazis im Raum Köln – etwa besagte „Kameradschaft Köln“, der ebenso u.a. eine „Gruppe Erft“ angehört – und solchen im Kreis Euskirchen zusammen. Dabei finden auch Kooperationen mit AN-Gruppen statt respektive sind zugleich örtliche „Autonome Nationalisten“ in NPD-, FNE- oder KAL-Strukturen eingebunden. Personen, die etwa über eine E-Mail-Adresse in den Jahren 2008 und 2009 Kontakt zu „Autonomen Nationalisten“ in Aachen und Düren aufnehmen wollten, deren Schreiben sollen Szenekreisen zufolge zwei Neonazis in Düren erreicht haben, die zugleich eng in die örtlichen NPD- und KAL-Strukturen eingebunden waren und dort ebenso als Führungskader galten.

Die Landesregierung stellt nun fest, dass ein „Aktionsschwerpunkt der Autonomen Nationalisten […] der Großraum Dortmund und der Raum Aachen/Düren“ sei. Im Raum Dortmund seien bis zu 80 AN, im Raum Aachen bis zu 40 AN aktiv oder mobilisierbar.

Quelle Klarmann: http://klarmann.blogsport.de/

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