Mit dem Aktionsbüro Mittelrhein ist in den letzten Jahren eine neonazistische Kameradschaftsstruktur im nördlichen Rheinland-Pfalz entstanden, deren Aktivitäten auch bis nach NRW hinein wirken.

AB-Mittelrhein Nazis auf einer Neonazidemo in Venlo (NL)

Das Aktionsbüro Mittelrhein kann nicht als ein Aktionsbüro im klassischen Sinne betrachtet werden, in dem verschiedene Kameradschaften einer Region vernetzt sind. Vielmehr besteht mit dem AB Mittelrhein als Nachfolgeprojekt der Aktionsfront Mittelrhein seit längerer Zeit wieder eine organisierte Kameradschaftsstruktur, die im Hinterland zwischen den Städten Bonn und Koblenz ihr Unwesen treibt.

Als Schwerpunkt der Aktivitäten kann der Großraum Ahrweiler bezeichnet werden. In Orten wie Sinzig, Bad-Neuenahr und Remagen finden sich eine Vielzahl von neonazistischen Sprühereien und Aufklebern, die einen direkten Bezug zum AB Mittelrhein haben. In der Gestaltung und Inhaltlichen Ausrichtung ihres Propagandamaterials versuchen die Betreiber erst gar nicht, sich in irgendeiner Form als gemäßigt oder moderat zu präsentieren. „Nazi sein, heißt leben wollen” lautet das Motiv eines Aufklebers, welches mit passender NS-Illustration versehen ist. Bei ihrem „Nazi sein” ist das Aktionsbüro maßgeblich in die Organisation von alljährlichen Aufmärschen in der Region involviert.

Der offene Bezug zum NS und ein unverhohlener Antisemitismus wird auch auf etlichen überregionalen Aufmärschen zu Schau getragen. So präsentieren sich Mitglieder des AB Mittelrhein in T-Shirts mit dem plumpen Wortspiel „Rhein Ahrische Jugend” und mit einem gelben Transparent, welches einen Davidstern mit der Inschrift „Nazi” zeigt.

Organisatorisch bestehen zwar gute Verbindungen zwischen dem AB Mittelrhein und rheinland-pfälzischen Kameradschaftsstrukturen wie den
Nationalen Sozialisten Mainz-Bingen, doch ist eine klare Orientierung in Richtung NRW zu erkennen. Neben einer direkten Vernetzung zu Neonazis aus der Region Bonn um die Kameradschaft Sturm 8/12 bestehen gute Kontakte in den Raum Düren und Aachen zur Kameradschaft Aachener Land, zu den Freien Nationalisten Euskirchen, zu den Freien Nationalisten Siegerland sowie an den Niederrhein.

Braunes Wohnprojekt n Bad-Neuenahr/Ahrweiler

Wie offensiv die Neonazis auftreten und wie sie sich selbst inszenieren, zeigt ein aktuelles Beispiel: „Alternatives und sozialkritisches Wohnprojekt in der Mitte des Ahrtal’s” heisst es bei Twitter, einem Online-Netzwerk. Dort firmiert unter dem Label „ws_17” das „braune Haus Neuenahr”. Dabei handelt es sich um ein gemietetes Wohnhaus mit Garten, das Neonazis vom Aktionsbüro Mittelrhein und deren Umfeld im Januar 2010 bezogen. Es ist noch zu früh, um beurteilen zu können, ob hier gerade ein neuer Kristallisationspunkt entsteht, von dem aus Impulse in die Neonazi-Szene gehen oder ob sich die Neonazis beim gemeinsamen Wohnen an inneren Konflikten wie verschiedenen Lebensweisen aufreiben. Unter den Bewohnern finden sich Neonazis, die eine veganen und drogenfreien (straight edge) Lifestyle propagieren, was schon andernorts zu szeneinternen Auseinandersetzungen geführt hat.